Emily was here

Adam Green, der neudeutsche Pop-Messias, albert durch ausverkaufte Konzerthallen

Schier überschlagen haben sich Anfang dieses Jahres die Kulturressorts aller hiesigen Massenmedien. Anlass des urplötzlich ausgebrochenen Medienfiebers war das Erscheinen des dritten Albums des US-Sängers und Standby-Poeten Adam Green. Keine größere Tageszeitung oder Radiostation, und auch kein Popmagazin oder Fernsehkanal hierzulande, die nicht entweder ein Feature über den dreiundzwanzigjährigen Songschreiber aus Brooklyn verfasste, Titelbilder, Bilderserien oder Interviews mit ihm abdruckte oder eine wohlwollende Kritik der hübschen, aber keinesfalls herausragenden CD mit dem etwas überheblich klingenden Titel "Gemstones" (Edelsteine) brachte. Sogar bei Harald Schmidt, der sonst keine Gäste mehr empfängt, sonst aber jedem neuen Mainstream gern hinterherhechelt, durfte er sein "Emily" einem Millionenpublikum vortragen. Gefördert und verstärkt wurde dieser Wirbel durch eine fast punktgleiche Veröffentlichung einiger Gedichtzeilen durch den Suhrkamp Verlag, die der Sänger bei seinen Konzerten früher in selbst kopierten Heften unter dem Titel "magazine" ans Publikum verhökerte.

Ich bin halt ein sexy boy.

Adam Green

Was die Suhrkamp-Leute veranlasst hat, sich die Rechte an diesem Splatterwerk exklusiv zu sichern (kein US-Verlag trat vorher als Lizenzgeber jemals in Erscheinung) und dieses Mix aus wirren Gedankenfetzen, Schlagzeilen vom Boulevard und schrägen Assoziationen in die Edition aufzunehmen, eröffnet sich dem Beobachter weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick.

Augenscheinlich hat die Lektoren die gelegentlich in der Presse zu vernehmende Kritik, wonach der Verlag in den letzten Jahren etwas altbacken wirke und die popkulturellen Entwicklungen auf dem Literaturmarkt (Stichwort: Pop-Literatur) regelrecht verschlafen habe, aufgeschreckt und sie zu diesem publizistisches Schnellschuss bewogen. Von einem genialen Wiedergänger Appolinaires oder Rimbauds, Brinkmanns oder Ginsbergs, wie der Verlag behauptet, ist, bei Lichte betrachtet, wenig bis nichts zu erkennen.

Wer die zweisprachige, vom "bedauernswerten" Thomas Meinecke nicht übel übersetzten "Lyrics" des Liedermachers zur Hand nimmt, wird das rasch merken. Banales reiht sich an Abseitiges, Schräges an wild Fantasiertes, Obszönes an total Schwachsinniges, knüttelig Gereimtes an beiläufig zwischen den Konzerten Aufgeschnapptes. Ein roter Faden, der die vier Gedichtzyklen durchzieht oder ihnen ein gewisses Maß an Form- oder Sinnhaftigkeit verleiht, fehlt. Auch nach mehrmaligen Lesen will sich die versteckte Poesie oder der hintergründige Humor, den Kritiker und Lektoren den Songs und Lyrics des juvenilen Sängerstars attestieren, nicht einstellen. Entweder ist das vom Autor gewollt, dann haben wir es tatsächlich mit einem ganz raffinierten Werk zu tun, dessen Genialität erst ferner Zukunft aufscheinen wird, oder der Verfasser der Zeilen ist ein Scharlatan und Aufschneider, der es einfach nicht besser kann. Vieles spricht eher für die letztere Annahme.

Dass ein roter Faden fehlt, heißt aber nicht, dass es diesem ohne jede Überlegung Dahingekritzelten an wiederkehrenden Themen mangeln würde. Stetig wird der Leser á la Charles Bukowski mit Fäkalischem ("Leute, die deine Scheiße küssen wollen, bevor du sie runterspülst") traktiert oder mit postpubertären Masturbationszenen oder plötzlich hereinstürzenden Fickorgien bombardiert, hin und wieder vom naiven Unmut über die Globalisierung oder am Gebaren der Bush-Regierung (Abscheu vor der herrschenden Ersten Weltordnung) unterbrochen, um bisweilen ins Größenwahnsinnige ("Ich werde das 'Unterwegs' für meine Generation schreiben. Es wird 'Bleib zu Hause' heißen") abzugleiten.

Diesen gedankenlosen Ausstoß von Sätzen, die Green angeblich während seiner "Streifzüge" durch Konzerthallen, das Netz, die Straßen New Yorks oder durch sein eigenes Unterbewusstsein in Notizbücher oder seinen MP3-Player diktiert, als "rätselhaft" oder "erratisch" zu bezeichnen, wäre IMHO schon zu viel der Ehre. Dies würde nämlich bedeuten, dass es da tatsächlich etwas zu enträtseln oder zu entwirren gäbe. Weil man nach diesem verstecktem Sinn aber vergeblich fahndet, dürfte es daher viel wahrscheinlicher sein, dass der Schreiber dieser Gaga-Lyrik nicht "ganz bei Trost" ist und versucht, sich mit Hilfe des Schreibens irgendwie selbst zu therapieren. An dieser Operation ist beileibe nichts anstößig. Im Umkehrschluss bedeutet das aber wiederum nicht, dass er private Obsessionen, die mittlerweile als creative writing gehandelt werden und das schon in der Grundschule gefördert wird, unters Volk bringen muss. Kostproben gefällig?

Dilettierender Wirrkopf

In einem mit "Der Zivilist" überschriebenen Gedichtkonglomerat, deren Sätze Adam Green aus nicht nachvollziehbaren Gründen nummeriert (vielleicht um in all dem Wust von Sätzen und Einfällen nicht den Überblick zu verlieren), lesen wir in der "Fünften Strophe", die der Autor mit: "Wir waren hart" überschreibt:

1. Wir hatten einen Drachen, zu schmeißen nach ihm Sachen

2. Ein Eichhörnchen rannte vorbei, ich weiß, was es denkt (Ich bin okay wie die Welt)

3. Du willst deine Lehrer ficken

4. Mario kann fliegen!! (Ich setze meinen Glücksrucksack auf)

5. Wir brauchen nicht mehr nach oben zu gucken, um Gott zu danken

6. Ich ließ meine Drogenschachtel am Fuß der Striptease-Stange liegen"

In dem sich bewusst der Autorität und Marke Baudelaire versichernden Zyklus "Die Blumen des Kapitalismus" finden wir diesen Textkorpus, jetzt allerdings unnummeriert:

Lesbischer Leichnam in einem Meer aus Schlagzeugschleifen begraben ...

Mal dir den vampiristischen Ochsenfrosch aus, der den prähistorischen Tumor der 9th Street auslutscht

Glotz das Königshaus von Las Vegas an - dessen Ökonomie übergeschnappt ist ...

Der Flugzeugtreibstoff versengt unsere Ochsenfroschzungen

So bitter wie Crystal Meth ohne Gewissensprüfung

In diesem Stil und Ton geht es munter weiter - ganze fünfzig beinharte Seiten lang. Wer hinter solchen Zeilen ein kluges erzählerisches Kalkül entdecken will; wer sich da an den Dadaismus erinnert fühlt oder an das intuitive Schreiben der Surrealisten (écriture automatique); und wer obendrein aus diesen schlüpfrigen Aphorismen eines Postpennälers noch (wie Die Zeit) den "Zustand der Jugend am Anfang des 21. Jahrhunderts herauslesen" möchte, dem ist nicht mehr zu helfen.

Der Verdacht liegt nahe, dass Green, der sich selbst als Hobby-Surrealist und "Gedanken-Kubist" bezeichnet, als "Kunsthandwerker, der Wörter arrangiert, Rhythmen ausprobiert und Pop-Stile benutzt, wie ein Maler Farbe auf der Leinwand", mit seiner gespielten Schüchternheit und Höflichkeit, jugendlichen Naivität und Kauzigkeit, die er in Interviews zelebriert, etliche Leute aus den Medien auf den Leim gegangen sind. Dass ihm dieses Buch Spaß gemacht hat, nehme ich ihm noch ab; dass man es jedoch "bei verschiedenen Gelegenheiten lesen" kann, beispielsweise "beim Zahnarzt, auf der Toilette oder abends im Bett" dagegen nicht. Da gibt es Anderes, Besseres.

In all dem gedanklichen Schwachsinn, den Green da aus seinem Unterbewusstsein herausholt und auf Papier verewigt ("'magazine' besteht teilweise aus Hunderten nummerierter Textzeilen, aus denen ich niemals einen Song basteln würde, die ich aber auch nicht einfach wegschmeißen will"), kann es nicht ausbleiben, dass ihm ab und zu auch mal ein paar annehmbare Sprachbilder gelingen. Etwa in dem Einzeiler: "Britney Spears stieg vom Himmel herab und erstickt mit ihren muskulösen Schenkeln eine Kobra". Oder die Zeilen in dem Zyklus "Gefrorene schwule Schildkröte": "Die Technik der weichen Zunge. Oh wie das Wasser im Mund vor Verlangen nach mehr Mund zusammenläuft." Das passt, das ist schräg, widerborstig und gelungen. Oder schließlich auch noch das Bild, das ihm, nachdem er drei Anthrax-Briefe versendet, Bio-Terrorismus als einen Akt der Reinigung betrachtet, Michael Jackson zerbröselt und kurz (oh Gott) über Selbstmord nachgedacht hat, in "8 Seiten für Allah" einfällt: "Ihre leeren Taschen durchfeuchtet von heißem menschlichem Blut."

Das war's aber auch schon. Mehr ist einfach nicht. Das hätte er auch in einer seiner Songs irgendwie verwursteln können. Den Rest, über den man besser den Mantel des Schweigens legt, hätte er lieber (wie wir damals) wirklich wegschmeißen sollen, statt ihn in Hunderten von durchnummerierten Textzeilen zu bündeln.

Blinde Verehrung

Warum dem Sänger, dessen Songs in Amerika wegen der Textinhalte aus leicht nachvollziehbaren Gründen kaum oder gar nicht gespielt werden, gerade in Deutschland eine mittlerweile fast schon kultisch zu nennende Verehrung widerfährt und er über Nacht zu Everybody's Darling vieler Leute, von Sarah Kuttner über Heike Makatsch bis hin zu Maxim Biller, aber auch von ernstzunehmenden Popkritikern geworden ist, ist schwer zu sagen.

Während die einen ihn für "hochtalentiert" halten, ihn als "genialen Songschreiber" und "Pop-Visionär" feiern, der "nicht von dieser Popwelt zu sein" scheint, titulieren ihn andere als "kleinen Prinzen" oder "lasziven Engel" und vergleichen ihn bereits mit anderen Wunderkindern der Branche wie Bob Dylan und Stevie Winwood, mit Entertainern vom Schlage Frank Sinatras oder gestandenen Popheroen wie Jim Morrison.

Wie sie zu dieser Einschätzung kommen, entzieht sich unserer Kenntnis. Ein Instrument beherrscht der Jungspund nicht; sein Gitarrenspiel, das er bei Konzerten immer öfter vorführt, ähnelt dem eines dreizehnjährigen Schülers. Die Combo, die ihn auf seinen Konzerten begleitet und unter dem Namen "The Gnomes" das Vorprogramm bestreitet, genügt kaum höheren musikalischen Ansprüchen. Und auf der Bühne hampelt er meist vor sich hinblödelnd wie ein Pennäler herum und gestikuliert ungelenk wie ein Spastiker.

Angesichts dieser Faktenlage war es kein Wunder, dass Legenden und Mythen gestrickt werden mussten, um das Phänomen "Adam Green" zu erschaffen, an dem der Sänger selbst großen Anteil hat. Gern bedient er die gierigen Nachfragen der Medien. Berichterstattern etwa bietet er wahlweise seine jüdische Herkunft an, seine zufällige Verwandtschaft mit Felice Bauer, der berühmten Brieffreundin und Verlobten von Franz Kafka, oder die Erinnerung an Kurt Weill an. Sie, die im WK II verschwunden war, kehre, so der Sänger, durch seine Musik wieder nach Deutschland zurück. Mehr als dieser Verweis auf das Jüdische, auf die Tradition oder Urgroßmama dürfte jedoch sein Aussehen eine wichtige Rolle spielen, die hippe 1960er Hippiefrisur, die andere an Jim Morrison, uns eher an einen Boy der Tremeloes erinnert, sowie sein, wie Kritiker bemerkt haben, "treuherziger Dackelblick", der die Herzen romantisch veranlagter Mädchen im Sturm erobert und sie an einen "lasziven Engel" denken lässt.

Hinzu kommen dürfte, neben des aktiv zur Schau getragenen Anti-Bushismus, dass Greens vermeintliche Authentizität, die seine natürliche, scheinbar aus dem Inneren kommende Gute-Laune-Musik ausstrahlt, einen Großteil seines inzwischen ergrauten, "grün-alternativen" Publikums fasziniert. Dieses neue Juste Milieu sehnt sich im Zeitalter garstigen Garagenrocks, launigem Unterschichten-HipHop und computergenerierter Arrangements nach dem Einfachen, Nahen und Heimeligen trauter Gemeinsamkeit, das der wirklich schöne Bariton seiner Stimme, der ihn in der Pop-Szene bislang tatsächlich unverwechselbar, einmalig und unvergleichlich macht, noch extra unterstreicht.

Projektionen und Sehnsüchte

So zusammengeschraubt wie seine sprunghaften Einfälle, die in "Magazine" versammelt sind, wirken auch seine Songs und die dazugehörigen Texte. Musikalisch wird dort alles kunterbunt miteinander verwurstelt, was der Musikmarkt derzeit so im Angebot führt: Blues und Country, Boogie und Folk, Rock'n'Roll und Revue, Chanson und Musical. Durchzogen wird diese Camouflage von ständigen Tempi-Änderungen, Rhythmuswechseln oder glatten Stilbrüchen.

Thematisch beinhalten die Songs bizarre oder absurde Geschichten, die von David Lynch oder David Cronenberg stammen könnten und um Selbstmord oder Inzest, Anthrax oder eingebildeten Krankheiten, das Erwachsenwerden oder den Einwurf synthetischer Drogen kreisen. Mal will er Sex mit pummeligen Prinzessinnen ("Chubby Princess") machen oder mit Mädchen, die keine Beine haben ("No Legs") haben und folglich nicht davon laufen können; mal erzählt er, dass er gern die Hand von Georg W. schütteln würde, um danach oralen Sex zu haben ("Choke On A Cock"), auch auf die Gefahr hin, daran zu ersticken.

Dies alles ist nicht wirklich besonders aufregend oder mitreißend, sie turnt aber offenbar eine in die Jahre gekommene literarische Jugend an, die auf vermeintliche Intellektualität abfährt und in den Feuilletons inzwischen ein Spielfeld gefunden hat, um ihre verloren gegangenen Träume und Sehnsüchte zu konservieren. Seit ihr aber über die Jahre ihre einstigen literarischen Vorbilder und popkulturellen Heroen nach und nach abhanden oder "weggestorben" sind, sind sie, wie Benjamin von Stuckrad-Barre in seinen Büchern oder Marius-Müller Westernhagen aktuell in "Nahaufnahme", gezwungen, den verpasst-verpatzten Gelegenheiten ihrer verblichenen Jugend nachzuweinen. Adam Green kommt da gerade recht, bereitwillig bedient er diese Wünsche, augenscheinlich eignet er sich auch besonders gut für solche Projektionen.

Probe aufs Exempel

Seine Performance in der Münchner Muffathalle letzte Woche bestätigte genau dieses Bild. Bevor der Meister auf die Bühne kam, ließ er, wohl um seinem Ruf, einen hintergründigen Humor zu pflegen, gerecht zu werden, Michael Jacksons "Heal The World" vom Band spielen. Ein etwa fünfzigminütiger Auftritt schloss sich dem "Weltheilungsaufruf" an. Nicht gerade lustvoll spulte er sein Programm herunter, das sich im Wesentlichen aus "Gemstones" und dem hochgelobten "Friends of Mine" Vorgängeralbum zusammensetzte.

Zwischen den kurzen Songs versuchte er das Publikum mit A cappella geträllerten Knüttelversen von der Art: "Everybody loves Jesus, but nobody likes my penis" oder das Simulieren von Hasengehoppel, das er einst bei den "Moldy Peaches" gelernt hat, bei Laune zu halten. Ein vielstimmiges Mitsingen wollte sich während all der Zeit nicht einstellen. Entweder kannten die Leute die Textzeilen nicht oder die Stimmung war einfach nicht danach. Nur bei "Jessica", neben "Emily" - einer von Buddy Hollys "Peggy Sue" geklauten Nummer - und vielleicht "We're Not Supposed To Be Lover", "Losing on a Tuesday" und "He's My Boyfreind", einem der wenigen wirklich guten Songs, die Adam Green komponiert hat, konnten einige offensichtlich nicht widerstehen. Die zwanzigminütige Zugabe, die dann folgte, geriet anschließend zu einer Art Standup-Wunschkonzert.

Auf Zuruf sang er die vom Publikum verlangten Nummern, wohl um sich und anderen seine musikalische Spontaneität und Flexibilität zu beweisen. Das Konzert beendete er mit "Cocomo", einem Sonne und Lebensfreude versprühenden Song der Beach Boys. Dieser Schlussakkord legte die Assoziation an eine "Karaoke-Show" nahe, die Bill Murphy vermutlich besser hingekriegt hätte. Passender hätte er seine Botschaft: The Sixties meet the Postmodern Age, alles ist mit allem verwurstbar, nicht untermalen können.

Nicht immer kam sein gespielter oder tatsächlicher Infantilismus bei den Leuten an. Einmal schnäuzte er sich in ein Papiertaschentuch, zeigte den "gelben Schleim" und warf ihn anschließend unters Volk. Das aber wollte von dem körpereigenen Saft des neuen Pop-Messias nichts wissen. Postwendend warf man das Elaborat dem Künstler vor die Füße, dem danach nichts anderes übrig blieb, als mit gequältem Lächeln das Ganze selbst zu entsorgen.

Forget Green

Nein, gern haben oder lieben muss man den Kerl, wie der Tagesspiegel allen Ernstes meint, bestimmt nicht. Und ein Konzert von ihm besuchen muss man auch nicht. Das, was er musikalisch ablieferte, war bestenfalls Hausmannskost. Uns erinnerte der Auftritt an Abitur-Partys, wie sie in den Sixties häufig in der Provinz abgehalten wurden. Von den vielen jungen schmachtenden Mädels, die, wie andernorts berichtet wird, sich vor der Bühne drängeln, um dem Songwriter zu huldigen, war nichts zu bemerken. Viele Mitvierziger im dunkelgrünen Anorak mit ihren Partnern erschienen, wippten zu den trotz aller Stilbrüche meist simpel arrangierten Songs, die man auch im sonntäglichen Nachmittagsradioprogramm spielen könnte, mit dem Fuß oder, gelegentlich, mit ihren Hüften. Wer will, kann sich das Ganze am Samstag, 5. März, auf der Nachtschiene des "Zündfunks" im zweiten Programm des BR von 23 bis 24 Uhr nochmals anhören.

Wir jedenfalls verließen danach fluchtartig den Ort des Geschehens. Beim Gang über die Praterinsel sannen wir, nicht wirklich enttäuscht, aber in unserer Meinung bestätigt, weiter darüber nach, was denn den Erfolg bzw. die Aura dieses "genialen Dilettanten" beim deutschen Publikum ausmacht. Diese süßliche Performance und das Zeugs, das er bot, stellt alles andere als, so Die Zeit, "eine Art ästhetisches Gesamtprogramm" dar. Dafür steckt darin viel zu viel Revival, zu viel Retro und verblasst-verblasene Sixtie-Leutseligkeit.

Das Gedichtbuch ist seit dem 26. Januar unter dem Titel "magazine" in der edition suhrkamp zum Preis von 7,50 € zu haben

News, Fotos, Discografie usw. über den neuen Pop-Messias finden sich auf seiner Website.

Eine Sammlung der Songtexte des Künstlers gibt es hier.

(Maria und Rudolf Maresch)

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