Emirate testen weltweit einmaliges Überwachungsprojekt

Mit der Hilfe britischer Satelliten soll in Abu Dhabi und Dubai die Geschwindigkeit der Fahrzeuge kontrolliert und damit der Aufenthaltsort aller Wagen in Echtzeit erfasst werden

Die Emirate Dubai und Abu Dhabi gehen einen großen Schritt in Richtung Totalüberwachung voran, die vermutlich nach und nach auch in anderen Ländern umgesetzt wird. Erst einmal sind die Emirate aber Pioniere, die zusammen mit IBM das „modernste und umfassendste Verkehrsleit- und Sicherheitssystem der Welt“ realisieren, bei dem jedes Fahrzeug permanent überwacht wird.

Update: Das Centre of Excellence for Applied Research and Training (CERT) in Dubai, das zusammen mit IBM das Telematik-System entwickelt hat, bestreitet den Bericht der britischen Zeitung Telegraph und beruhigt: „Kein Big Brother für die Fahrer der Vereinigten Emirate“. Man wolle den teuren Bordcomputer nicht zwangsweise in alle Fahrzeuge einführen, wird der Direktor der IT-Abteilung der Polizei von Abu Dhabi zitiert. Die Technik sei primär für Unternehmen gedacht, die ihre Fahrzeugflotten überwachen wollen. In der Testphase würden 10.000 Bordcomputer, die mit GPS-Empfängern ausgestattet seien, in die Fahrzeuge von vier Unternehmen eingebaut, erklärte David Hall, Direktor von CERT. Mit staatlichen Behörden habe man noch keine Verträge.

Interessiert an dem Überwachungsprojekt ist auch die britische Regierung. In Großbritannien will man nicht nur auch den Verkehr kontrollieren, sondern auch ein landesweites Mautsystem realisieren, das mit einem Bord-Computer in den Fahrzeugen arbeitet. Ein solches System wäre auch ein ernsthafter Konkurrent zum deutschen Toll Collect-System, auch wenn dabei praktisch alle faktischen Datenschutzbegrenzungen fallen. Für die Testphase in den Emiraten, in der erst einmal in 10.000 Fahrzeugen Bordcomputer installiert werden, wird das britische Verteidigungsministerium, wie der Telegraph berichtet, Satelliten zur Verfügung stellen. Interessant sei, so ein Sprecher des Ministeriums, die Größe des Projekts. Wenn schließlich Hunderttausende von Fahrzeugen überwacht werden sollen, werde man erkennen können, ob ein solches System auch für die Maut möglich sei. Auf der Grundlage welcher Technik die Fahrzeuge lokalisiert und ihre Geschwindigkeit kontrolliert werden, geht aus dem Bericht nicht hervor. Die Telematik-Systeme sollen, wie es letztes Jahr hieß, "über GPS-, GSM-, GPRS-, Bluetooth- und optional auch über RFID-Funktionen verfügen".

Innerhalb der nächsten Jahre sollen 700.000 Fahrzeuge mit den Bordcomputern, die über GPS hinaus weitere Überwachungsmöglichkeiten bieten, ausgestattet werden. In den Emiraten geht es nicht um eine Maut, sondern um die Kontrolle der Geschwindigkeit. In den Emiraten fahren die Menschen wild entschlossen mit überhöhter Geschwindigkeit und schaffen es so, bei Verkehrsunfällen immerhin 21,6 Tote auf 100.000 Einwohner zu erzielen. Alle 15 Stunden soll in den Vereinigten Emiraten ein Mensch sterben, alle zwei Stunden wird eine Person bei einem Verkehrsunfall verletzt.

Die Bordcomputer sollen nach und nach eingeführt werden, beispielsweise dann, wenn ein Fahrzeug eine neue Fahrerlaubnis erhält. Mit dem neuen System können freilich nicht nur Fahrzeuge erfasst werden, die zu schnell fahren, sondern es lassen sich alle Fahrzeuge verfolgen. Wer zu schnell fährt, erhält zunächst eine Warnung über das Radio oder das Navigationssystem. Dann wird automatisch eine Strafgebühr erhoben.

Aber mit dem Überwachungssystem kann man mehr erreichen, als nur die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu senken. So interessiert sich auch Saudi-Arabien dafür, um die Bewegungen aller Fahrzeuge zu beobachten und „sichere Zonen“ einzurichten, in die nur bestimmte Fahrzeuge fahren dürfen, um Anschläge zu verhindern. (Florian Rötzer)

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