Empfehlung für gesunde Ernährung ist weltweit nicht nachhaltig

Bild: USDA

Auch wenn eine deutlich kalorienärmere Ernährung wie im Westen weltweit zum Standard würde, gäbe es dafür nicht genügend landwirtschaftlich nutzbaren Flächen

2010 hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium für die Amerikaner Ernährungsempfehlungen für gesundes Essen mit wenigen Kalorien und gesättigten Fettsäuren veröffentlicht, in denen auch zu vermehrter körperlicher Aktivität aufgerufen wird. Kanadische Wissenschaftler haben nun versucht abzuschätzen, wie viel landwirtschaftliche Flächen benötigt werden, wenn alle Menschen nach diesen Empfehlungen leben würden bzw. könnten. Das ernüchternde Ergebnis: Mit den aktuellen landwirtschaftlichen Methoden reichen die weltweit vorhandenen landwirtschaftlich nutzbaren Flächen nicht aus.

Das geschah noch während der Präsidentschaft Obamas, der deutlich gesundheits- und ernährungsbewusster war als sein Nachfolger, der wie 70 Prozent seiner Landsleute mit einem BMI von 29,9 übergewichtig ist, aber noch nicht ganz fettleibig - ab einem BMI von 30 - wie 36 Prozent der Amerikaner. Sportlich betätigt sich Trump nur auf dem Golfplatz, wo er aber mit einem Wagen unterwegs ist, ansonsten ist bekannt, dass er gerne Fastfood verzehrt und Cola light trinkt, angeblich 12 am Tag. Aber Trump trinkt keinen Alkohol und raucht nicht.

Die Landwirtschaft nutzt jetzt etwa 38 Prozent der Erdoberfläche, 62 Prozent sind nicht geeignet, weil der notwendige Erdboden fehlt oder weil die klimatischen Bedingungen es nicht erlauben, weil die Flächen bebaut oder mit Wald bedeckt sind. Eine Ausweitung der landschaftlichen Nutzung ist ohne weitere Zerstörung von Naturland kaum möglich. Dabei sind noch 12 Prozent der Erdbevölkerung unternährt. Nach der FAO müsste wegen des zu erwartenden Bevölkerungswachstums die Lebensmittelproduktion bis 2050 um 70 Prozent gesteigert werden. Um die Situation nachhaltig zu machen, müsste sich auch die Ernährungsweise ändern - und das vor allem in den reichen Ländern, wo durchschnittlich 3.430 kcal täglich pro Person konsumiert werden.

Aber weil die Entwicklungsländer aufholen und auch ihre Ernährung dem westlichen Lebensstil annähern, ist die Frage interessant, welche Folgen die empfohlene kalorienärmere Ernährung mit viel Gemüse und Obst und wenig Fett und Zucker in den USA als globaler Standard haben würde. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt, dass bei einem mittlere Body Mass Index (BMI) von 22 "eine tägliche Energiezufuhr von 2.300 kcal für Männer und 1.800 kcal für Frauen im Alter von 25-50 Jahren bei geringer körperlicher Aktivität" ausreichend sei. Die britische Gesundheitsbehörde NHS geht von durchschnittlich 2.500 für Männer und 2000 für Frauen aus. Das US-Landwirtschaftsministerium geht für Frauen im Alter von 31-50 Jahren und mäßiger körperlicher Bewegung von 2000 kcal täglich aus, bei Männern von 2.400-2.600. Die kanadischen Wissenschaftler legten in ihrer Studie, die in PLOS ONE veröffentlicht wurde, wie die WHO 2000 kcal täglich pro Tag in der empfohlenen Lebensmittelauswahl zugrunde, um den Landverbrauch für die Lebensmittelgruppen der Länder zu berechnen. Berücksichtigt wurde, wie viel jeweils in einem Land produziert wird und wie viel eingeführt werden muss.

Bild: Gunnar Richter/CC BY-Sa-3.0

Weltweit würde die Umsetzung der amerikanischen Ernährungsempfehlungen bedeuten, dass es einfach nicht genug landwirtschaftlich nutzbares Land gäbe, wenn alle sich so ernähren würden. Zusätzliches Land müsste für Früchte, Öle und Milchprodukte geschaffen werden, aber es könnte auch Land beim Fleisch, bei Gemüse und Getreide eingespart werden. Das kann aber nicht mehr den Mehrbedarf kompensieren. Es würde 1 Gigahektar an Land fehlen, das entspricht etwa der Landfläche von ganz Kanada. Die Ernährungsempfehlungen des US-Landwirtschaftsministeriums, die schon eine ziemliche Umstellung der amerikanischen Ernährung erfordern würden, gehen nach den Wissenschaftlern "nicht weit genug, um eine global nachhaltige Ernährungsweise" zu ermöglichen.

Es gibt selbstverständlich zwischen einzelnen Kontinenten und Ländern gewaltige Unterschiede. Nordeuropa und die USA würden aufgrund von Importen mehr Land brauchen. Nord- und Südamerika zusammen könnten allerdings durch den Übergang zu einer kalorienärmeren Ernährung sogar etwas weniger Fläche beanspruchen, während dies für Afrika, Osteuropa, die EU und Ozeanien zu einem großen Landmangel führen würde. Afrika bräuchte am meisten zusätzliches Land, weil die Zahl der unterernährten Menschen hier am größten ist. In Asien bliebe es neutral, aber das werde nicht so bleiben, da sich auch dort der westliche Lebensstil durchsetzt. Und wenn es für die EU, wo es keine Mangelernährung gibt, beim Übergang auf die Ernährungsempfehlungen zu einem Landdefizit kommen würde, heiße das, "dass die Empfehlungen nicht nachhaltig sind, was landintensive Lebensmittel wie Fleisch betrifft". Am meisten zusätzliches Land würde für Milchprodukte und Früchte gebraucht werden.

In Nordamerika wird weltweit am meisten Land für Fleisch genutzt. Würden die Amerikaner sich nach den Empfehlungen ernähren, könnte eine Menge an Land eingespart werden, das jetzt für Fleisch, Gemüse und Getreide genutzt wird. Insgesamt würde bei einer Umstellung auf die Empfehlungen die Landnutzung am stärksten in den USA, Brasilien und Australien zurückgehen, während sie am stärksten in Mosambique, Saudi-Arabien und Indien steigen würde.

Die Autoren zeichnen letztlich ein schwarzes Bild, da die Welt inmitten einer "Ernährungsumstellung" sei, die zu mehr Konsum von Fleisch, Zucker und gesättigten Fette führt. Das sei verbunden mit einem Anstieg der Fettleibigkeit und von Diabetes, aber eben auch mit einer exzessiven Landnutzung, steigenden Treibhausgasemissionen, nicht nachhaltiger Wassernutzung und dem Verlust der Biodiversität. Allerdings sehen die Autoren in der EU eine Möglichkeit für eine nachhaltige Ernährung für die ärmsten Länder, da hier mit der Vermeidung der Ernährungsrichtlinien Land gespart wird, die aber keineswegs zur Unterernährung führt.

Bei allen Vereinfachungen, die den Berechnungen zugrundeliegen, sei es nach deren Ergebnissen zwingend, dass die Länder ihre Ernährungsempfehlungen nicht nur auf die Gesundheit ausrichten, sondern auch eine globale nachhaltige Landnutzung, Gleichheit und den Schutz natürlicher Ökosysteme berücksichtigen. Ähnlich wie bei den Treibhausgasemissionen müsste auch eine internationale Koordination der Lebensmittelproduktion und der Ernährungsgewohnten stattfinden, um die Landnutzung zu senken, damit man dem drohenden Landdefizit begegnen kann. (Florian Rötzer)

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