Endspiel Abchasien gegen Padanien?

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Bei der CONIFA-Fußballweltmeisterschaft in London treten die Teams an, die die FIFA nicht zulässt

Am 14. Juni beginnt in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft. Genauer, die Weltmeisterschaft des Weltfußballverbandes FIFA, der inzwischen nicht mehr unbedingt den besten Ruf hat (vgl. Fifa-Funktionäre: Weil sie es (sich) wert sind). Welche Mannschaften an dem Ereignis teilnehmen, ist insofern noch offen, als es der Syrienkonflikt und die Skripal-Affäre möglich erscheinen lassen, dass die britische Regierung - und mit ihr andere europäische Regierungen - ihre Verbände noch dazu drängen könnten, abzusagen.

In solch einem Fall könnten Fußballfans auf eine Konkurrenzveranstaltung ausweichen, die zwischen dem 31. Mai und dem 9. Juni im Großraum London stattfindet: Den World Football Cup CONIFA. Die 2013 gegründete Confederation of Independent Football Associations (CONIFA) ist die Weltfußballorganisation jener Länder, Regionen und Volksgruppen, die nicht Mitglied der FIFA sind. Häufig hängt das mit der diplomatischen Anerkennung durch andere Länder zusammen: etwa bei Abchasien, Südossetien oder Transnistrien.

Diese drei Länder haben sich bei beziehungsweise nach der Auflösung der Sowjetunion von den ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien und Moldawien abgespalten und werden bislang nur von Russland und einer Handvoll anderer Staaten anerkannt. Für die CONIFA-Weltmeisterschaft 2018 konnte von diesen drei Teams nur Abchasien qualifizieren. In seiner Gruppe B trifft es unter anderem auf das nur von der Türkei anerkannte Team aus Nordzypern.

Eine zweite Kategorie von Teams kommt aus Staaten, die zwar allgemein anerkannt, aber zu klein sind, um bei der FIFA mitspielen zu dürfen. Bei der diesjährigen CONIFA-Weltmeisterschaft sind das die Teams aus den Pazifikinseln Tuvalu und Kiribati.

Andere Mannschaften kommen aus Regionen, denen die FIFA nur in den Fällen Schottland, Wales und Nordirland Nationalteams gewährt. Das Team der Region Yorkshire, die ebenfalls ein eigenes Regionalparlament haben möchte, darf bei der FIFA nicht mitspielen. Für die Weltmeisterschaft 2018 gilt das allerdings auch für die CONIFA, weil es dort zu spät beigetreten ist. Das keltisch "Ellan Vannin" benannte Team von der britischen Isle of Man darf dagegen mitspielen.

Ein Favorit aus dieser Kategorie ist das Team von Padanien. Der Begriff "Padanien" wurde in den 1990er Jahren von der Lega Nord geprägt und bezeichnet eine kulturell stark fußballgeprägte Region aus der Lombardei, Venetien, dem Friaul, dem Piemont, der Toskana und Umbrien. Es ist deshalb wenig überraschend, dass das Team von Padanien bereits zwei CONIFA-Europameisterschaften gewann. Andere Regionalteams, die teilnehmen, kommen aus dem Matabeleland (dem Teil Zimbabwes, der von Ndebele besiedelt ist, die von den südafrikanischen Zulus abstammen), der algerischen Kabylei (in der Berber leben), dem ungarisch dominierten rumänischen Széklerland und der ebenfalls ungarisch dominierten Südslowakei (Felvidék).

Eine Besonderheit ist das Team "Cascadia", dessen Spieler aus den US-Bundesstaaten Oregon und Washington und aus der daran anschließenden kanadischen Provinz British Columbia kommen. Sie sehen in ihrem Gebiet mehr kulturelle Gemeinsamkeiten als sie mit den Bewohnern anderer Regionen in ihren Staaten haben. Wer die Fernsehserie Frasier kennt, der weiß, was sie damit meinen.

Eine dritte Kategorie von Teams bei CINIFA World Cup sind die der Exilanten: Zum Beispiel die Somalis in England, die ihr Team nach einer somalischen Hafenstadt "Barawa" genannt haben und dieses Jahr als Gastgeber gelten. Ebenfalls aus Exilanten besteht das Team der Tamilen aus Sri Lanka, obwohl diese mit Tamil Eelam auch gerne einen eigenen Staat hätten. Gleiches gilt für die Tibeter, das Team aus dem indischen Punjab und die aus der Türkei vertriebenen "Westarmenier". Keinen eigenen Staat streben dagegen die in Japan lebenden Koreaner an, die mit "Efu Shi Koria" praktisch als Verein teilnehmen.

Sie konkurrieren in ihrer Gruppe D mit den Punjabis, den Westarmeniern und den Berbern. In Gruppe C gilt Padanien als Favorit gegen Tuvalu, das Széklerland und das Matabeleland. In Gruppe B kämpfen Abchasen, Zyperntürken, slowakische Ungarn und Tibeter um das weiterkommen. Und in Gruppe A stößt die nordamerikanische Frasier-Kultur auf Somalis, Tamilen und Man-Kelten.

Anders als der FIFA World Cup findet die CONIFA-Weltmeisterschaft nicht alle vier, sondern alle zwei Jahre statt. Das erste Mal, 2014, gewann im schwedischen Östersund die französische Region Nizza im Endspiel gegen die Man-Kelten. Dritter wurden die syrischen Aramäer, vierter die Südosseten. Padanien wurde damals zwar Gruppenerster, schied aber im Viertelfinale gegen das 2018 nicht teilnehmende Team aus Nizza aus. Die Man-Kelten besiegten dort überraschend die Mannschaft des irakischen Kurdistan mit 4 zu 2 im Elfmeterschießen. 2016 errang Abchasien im Endspiel einen Heimsieg gegen den Punjab. Dritter wurde Nordzypern, Vierter Padanien. (Peter Mühlbauer)

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