Energie-Rochaden am Persischen Golf

Asaluyeh, Pars Special Economic Energy Zone (PSEEZ). Bild: Tasnim News Agency / CC-BY-SA-4.0

Wie der Energiesektor des Irans versucht, den neuerlichen US-Sanktionen zu begegnen

Die staatlich kontrollierte China National Petroleum Corporation (CNPC) hat die Investitionen im South Pars-Gasfeld im Iran ausgesetzt - nach einer Einflussnahme der Vereinigten Staaten. Das hatte Reuters Mitte Dezember 2018 gemeldet. Es ist ein Versuch der Chinesen, die Spannungen zwischen den USA und China während der laufenden Handelsgespräche zu minimieren. China betrachte demnach die Beziehungen zu den USA als vorrangig. Sie sollen durch eine Vermeidung unnötiger Probleme nicht zusätzlich belastet werden.

Erst Ende November 2018 hatte der iranische Ölminister Bijan Zanganeh bekanntgegeben, dass CNPC den französischen Energieriesen Total im South-Pars-Feld ersetzen würde.

Die Arbeiten zur Erschließung von South Pars konzentrieren sich vor allem in Asaluyeh. In einer eigens geschaffenen Sonderwirtschaftszone (PSEEZ - Pars Special Energy / Economic Zone) sind hier 100 Quadratkilometer Land für die zu schaffenden Industrie-Infrastruktur reserviert - je nach Bestimmung zur Gasgewinnung oder als petrochemischer Komplex in "Phasen" aufgeteilt.

2017 war Total das erste Großunternehmen der Energiebranche, das nach Aufhebung der vorherigen Sanktionen in den Iran zurückkehrte. Nach dem US-amerikanischen Ausstieg aus dem Atomabkommen hatte Total im Mai 2018 erklärt, dass man sich nicht im Stande sähe, das Engagement im Gasprojekt South Pars (Phase 11) fortzusetzen, deshalb würden alle diesbezüglichen Operationen vor dem 4. November 2018 abgewickelt.

Bevor Total den Iran verließ, hielt das französische Unternehmen 50,1 Prozent am Projekt und fungierte als dessen Betreiber, während CNPC 30 Prozent und Petropars als hundertprozentige Tochtergesellschaft der National Iranian Oil Company (NIOC) die restlichen 19,9 Prozent hielt.

Eine Aussetzung der CNPC-Investition wäre ein Schlag für den Iran, der gehofft hatte, das South Pars-Projekt nun mit chinesischer Beteiligung statt mit französischen Investitionen fortzusetzen. Der Iran hat 120 Tage Zeit, um die Rolle von CNPC in South Pars zu überdenken und zu entscheiden, ob die chinesische Firma als ruhender Investor bleiben oder die Transaktion stornieren soll.

CNPC-Offizielle haben nun zwar zugesagt, die chinesischen Investitionen in South Pars auszusetzen. Gleichzeitig haben sie US-Vertreter davon überzeugt, sich weiterhin im Ölsektor des Irans engagieren zu können, um dort bereits seit Jahren investierte Milliarden von US-Dollar zu amortisieren.

Das betrifft zum einen Azadegan-Nord, eins der beiden Projekte, die mit Azadegan das größte in den vergangenen 30 Jahren im Iran entdeckte Ölfeld erschließen. Zum anderen hat CNPC das in die Jahre gekommene Ölfeld von Masdsched Soleyman (https://www.nrgedge.net/project/masjid-i-sulaiman-oil-field) übernommen. Hier hatte der Ölboom im Nahen und Mittleren Osten einst seinen Anfang genommen.

Lage der bekannten Öl- und Gaslagerstätten am Persischen Golf, Daten nach Petrodata v1.2. Bild: Bernd Schröder / Karte: QGIS / CC-BY-SA-3.0

Iran (South Pars) und Katar (North Dome) teilen sich die im Persischen Golf gelegene und größte bisher bekannte Gaslagerstätte der Welt. Nach NIOC-Planungen soll das riesige Feld auf iranischer Seite mit 24 bis 30 Phasen erschlossen werden, um dann pro Tag zwischen 710 - 850 Millionen Kubikmeter Erdgas zu fördern. Jede der Phasen hat einen geschätzten durchschnittlichen Investitionsbedarf von 1,5 Milliarden US-Dollar, Geld, das meist von ausländischen Ölfirmen kommt, die mit lokalen Unternehmen vor Ort zusammenarbeiten.

Persian Gulf Star: Mit neuen Raffinerien die Folgen von US-Sanktionen abfedern

Die Iraner machen sich Gedanken, wie sich die Folgen der Sanktionen der USA puffern lassen. Eine Option: der Ausbau der eigenen Petrochemie.

Denn obwohl der Iran ein wichtiger Ölproduzent ist, mussten Treibstoffe bisher vor allem importiert werden, um die Lücke zwischen Binnen-Angebot und Nachfrage zu schließen. Die Importe hatten die strategische Verwundbarkeit des Irans sichtbar gemacht, nachdem der Westen 2012 Sanktionen gegen das Land verhängte.

Der Iran arbeitet deshalb am Ausbau der Selbstversorgung mit Treibstoffen, und die neue Persian Gulf Star-Raffinerie in Bandar Abbas bringt das Land diesem Ziel einen großen Schritt näher. Die Raffinerie wird mit Kondensat von South Pars gespeist. Wie iranische Medien zum Jahresbeginn 2019 berichteten, wurde die nationale Produktionskapazität damit auf 105 Millionen Liter Benzin täglich erhöht.

Die Raffinerie hatte 2017 ihren Betrieb aufgenommen. Zwei anschließende Erweiterungen haben sie auf eine tägliche Kapazität von mittlerweile 36 Millionen Litern Benzin gebracht. Die Anlage, die als größte Kondensat-Raffinerie im Nahen und Mittleren Osten gilt, wird örtlichen Medien zufolge helfen, den Iran vor den Folgen der US-Sanktionen zu wappnen, da nun im Vergleich zu bloßem Rohöl und Gaskondensat auch höherwertigere Produkte exportiert werden können, die vor allem in Asien nachgefragt werden.

Gleichzeitig investiert der Iran in eine weitere Raffinerie: in Nagapattinam, im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu gelegen. Indien ist vor allem angesichts der US-Sanktionen ein Schlüsselmarkt für den Iran. Der Iran wird einen Teil der 4-Milliarden-US-Dollar-Investition übernehmen, die erforderlich ist, um die jährliche Verarbeitungskapazität der Anlage auf neun Millionen Tonnen Rohöl zu erhöhen. Betreiber der Raffinerie ist die staatseigene indische Chennai Petroleum Corporation.

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