Evolutionäre Beziehungen und Spuren

Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Paläo-Genetiker vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie belegen, dass die Denisova-Menschen über einen sehr langen Zeitraum im Altai-Gebirge lebten und dort zehntausende Jahre lang die Nachbarn des Neandertalers waren. Mit ihm waren sie weit näher verwandt als mit dem Homo sapiens, obwohl sich auch in heutigen Menschen ihre genetischen Spuren finden lassen (vgl. Von Sibirien bis Papua-Neuguinea).

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Die Abstammungslinie zwischen Neandertaler und modernem Menschen hat sich vor etwa 500.000 Jahren getrennt, der letzte gemeinsame Vorfahr der beiden mit dem Denisova-Menschen lebte vor einer Million Jahre. Wann genau sich die evolutionären Wege von Neandertaler und Denisova trennten, darüber wird noch diskutiert.

Die Forscher gehen davon aus, dass sie lange gemeinsam einen Zweig des phylogenetischer Baum der Menschheit darstellten. Sie werden als "Schwestergruppen" im menschlichen Stammbaum eingeordnet.

Der Denisova-Mensch teilt sich mit dem Neandertaler eine gemeinsame Herkunft, aber im Gegensatz zu ihm hat er nicht in allen heutigen Nicht-Afrikanern seine Erbgut-Spuren hinterlassen. Stattdessen verbindet ihn eine größere Anzahl von genetischen Varianten nur mit heutigen Menschen in Asien.

Es sind vor allem die Einwohner Australiens, Papua Neu-Guineas, den Philippinen, auf Fidschi und anderen melanesischer Inseln, die vor allem DNS-Sequenzen des Denisova-Menschen in sich tragen. Dieses Erbteil macht drei bis zu fünf Prozent des Erbguts der Ureinwohner dieser Gebiete aus.

Aber die Denisovaner haben auch zu speziellen Überlebensvorteilen in heutigen Menschen beigetragen, ihre Gene sollen es sein, die den Tibetern das Atmen in großen Höhen erleichtern.

Allerdings stellte sich bei der aktuellen Studie des Forscherteams um Viviane Slon auch heraus, dass es auch über den langen Zeitraum unter den Denisovanern keine große genetische Vielfalt gab. Es scheint eine kleine Gruppe von Menschen gewesen zu sein, die über hunderttausend Jahre im Altai-Gebirge unterwegs war.

Ob das für alle Denisva-Menschen gilt, ist noch ebenso offen wie ihr Aussehen. Weitere Funde werden nötig sein. Längst recherchieren die Experten in ganz Asien nicht nur nach neuen Fundorten, sondern auch nach Knochen oder Zähnen mit ungewöhnlichem Aussehen.

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Es ist möglich, dass rund um die Denisova-Höhle ein kleiner, isolierter Stamm dieser Menschen lebte - vielleicht zu weitab im südlichen Sibirien, um sich mit anderen ihrer Gruppe zu treffen und fortzupflanzen.

Ähnliches könnte auch für die Neandertaler in der Region gegolten haben, eine wissenschaftliche Studie zeigte, dass es wohl häufig vorkam, dass rund um die Denisova-Höhle enge Verwandte gemeinsam Nachkommen zeugten. (Andrea Naica-Loebell)

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