Entscheiden Kriterien der Partnerwahl über den politischen Erfolg?

Nach einer psychologischen Studien werden Frauen eher gewählt, wenn sie schön sind, Männer eher, wenn sie dominant wirken

Rational wird vermutlich bei Wahlen nur am Rande entschieden. Die Wähler entscheiden sich für Kandidaten oft nur aufgrund von deren Wirkung. Sieht das Gesicht so aus, als wäre jemand kompetent, kann dies schon ausreichen. Und natürlich spielt gerade das Aussehen eine große Rolle, wenn es darum geht, zwischen Männern und Frauen zu wählen, zumal Frauen in der Politik noch immer in Unterzahl sind. Zwischen 1960 und 2002 haben weltweit nur 44 Frauen höchste Regierungsämter innegehabt, von diesen waren 17 Präsidentinnen. 2006 gab es weltweit nur in sieben Ländern Regierungschefinnen. Nach einer Studie der Eindruck, den Gesichter von Politikern vermitteln, etwas mit der Benachteiligung von Frauen zu tun haben.

Sarah Palin. Bild: johnmccain.com/

Wenn Politiker sich zur Wahl stellen, geht es natürlich keineswegs nur um Kompetenz in politischen Fragen. Eine große Rolle spielt auch das Aussehen. Nicht umsonst hat sich Sarah Palin für 150.000 US-Dollar einkleiden lassen und für zwei Wochen ihrer Makeup-Spezialistin Amy Strozzi immerhin 22.800 US-Dollar gezahlt, mehr als jeder anderen Person im McCain-Palin-Wahlkampfteam, so die New York Times. Dazu kommt noch die Haarstylistin mit 10.000 US-Dollar.

Viel genutzt hat es bislang Palin nicht, vielmehr kam sie wegen der Luxusklamotten unter Kritik, war sie doch zuvor als einfache Normalfrau und –mutter vom Land aufgetreten. Zudem kam die Nachricht just zu der Zeit, als die Finanzkrise geplatzt war und die Aussicht auf eine Rezession deutlich wurde.

Nach einer aktuellen Umfrage finden sie 60 Prozent aller Amerikaner ungeeignet für den Job. Hier unterscheiden sich Männer nicht von Frauen. Unterschiede gibt es vor allem nach politischer Ausrichtung. Während nur 30 Prozent der Menschen, die sich als Republikaner bezeichnen, Palin für ungeeignet halten, sind dies bei den Demokraten 80 Prozent.

Eine in PlosOne veröffentlichte Studie von Psychologen der Northwestern University bestätigt, dass Kompetenz alleine vor allem bei einer Frau nicht reicht, um sich in Wahlen durchzusetzen. Frauen und Männer entscheiden sich zwar häufiger für Personen, die kompetent wirken. Männer haben aber mehr Erfolg, wenn sie offen wirken, Kandidatinnen hingegen, wenn sie attraktiv sind. Männer entscheiden sich eher für attraktive Frauen, Frauen eher für offen wirkende Männer. Männer wurden durchweg als kompetenter und dominanter beurteilt. Im Hinblick auf Attraktivität und Offenheit lagen die Frauen vorne.

Für die Studie wurden 76 studentischen Versuchspersonen Schwarz-Weiß-Fotos von Kongressabgeordneten vorgelegt, die lediglich ihre Gesichter zeigten. Bekannte Gesichter wie das von Nancy Pelosi hatte man herausgenommen. Die Versuchspersonen bewerteten im ersten Durchgang die Gesichter im Hinblick auf Kompetenz, Dominanz, Offenheit und Attraktivität. Im zweiten Durchgang sollten sie entscheiden, wem sie im Rahmen einer fiktiven Präsidentschaftswahl die Stimme geben würden. Dafür wurde ihnen eine Serie mit jeweils zwei Kandidaten vorgelegt.

Während Frauen sich eher für Männer entscheiden, die offen und competent wirken, und für Frauen, wenn sie competent und attraktiv sind, entscheiden sich die Männer eher für männliche Kandidaten, sofern sie nur kompetent wirken, sonst neigen sie eher zu Frauen, die kompetent und attraktiv aussehen. Da die Gesichter von gewählten Kongressabgeordneten stammten, überprüften die Psychologen die fiktive Wahl mit der tatsächlich erfolgten Wahl. Danach lassen sich auch wahrgenommener Kompetenz und Dominanz von Kandidaten am ehesten die wirklichen Wahlausgänge ableiten. Dabei spielt eben eine große Rolle, wie ein Gesicht wirkt. Geht es nur um wahrgenommene Kompetenz, so ist dies ein guter Indikator für den Wahlausgang bei Männern, aber nicht bei Frauen.

Allgemein werden die Gesichter von männlichen Politikern als kompetenter und dominanter als die von Frauen interpretiert. Das könnte ein Grund sein, warum immer noch mehr Männer als Frauen gewählt werden. Die Psychologen vermuten, dass durch überkommene Geschlechtervorurteile attraktive Männergesichter, die mit männlichen Charakteristiken verbunden sind, Hinweise auf Führungsqualitäten zu geben scheinen, was bei attraktiven Frauengesichtern weniger der Fall sein könnte. Zudem könnten auch bei politischen Wahlentscheidungen unbewusst Kriterien der Partnerwahl durchschlagen, was wiederum Geschlechtervorurteile und –rollen weiterführt, die "mit modernen Idealen der Gleichberechtigung in der politischer Repräsentation und Macht nicht übereinstimmen".

Aber wie man auch im Fall von Palin sehen kann, spielen bei Entscheidungen und Präferenzen im Rahmen politischer Wahlen neben dem Gesicht doch noch eine Menge anderer Aspekte eine Rolle, die bei solchen abstrakten Tests im luftleeren Versuchsraum nicht zur Geltung kommen können. Mag sein, dass im Fall von Huber und Beckstein weder Kompetenz und Attraktivität der Gesichter gewirkt haben. Warum Merkel in der Wahl über Schröder gepunktet hat, dürfte auch mit Attraktivität nicht so viel zu tun haben. Bei den US-Präsidentschaftswahlen wurde allerdings mit Biden scheinbare männliche Kompetenz und Dominanz mit Palins Attraktivität als junger Frau kontrastiert, während mit den Präsidentschaftskandidaten u.a. Schwarz gegen Weiß, Jung gegen Alt, Kontinuität gegen Wandel gestellt wird. (Florian Rötzer)

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