Entsteht in Zentralafrika gerade eine neue Seuche?

Ebola-Bekämpfung im Kongo. Foto: CDC Global, CC BY 2.0

Der Kongo meldet neben Corona und einem erneuten Ebola-Ausbruch auch 15 Menschen, die an einer "nicht identifizierten" Krankheit gestorben sind

Laut Jean-Marie Peti-Peti, dem Gouverneur der südwestkongolesischen Provinz Kwango, sind im letzten Monat 15 Menschen aus dem Bezirk Kasongo-Lunda an einer "noch nicht identifizierten Krankheit" gestorben. Sie beginnt seinen Angaben nach mit Kopfschmerzen und setzt sich über Schmerzen am ganzen Körper, Fieber und Atemprobleme bis hin zum Tod fort. Nun habe man Proben aus den Körpern der Verstorbenen an das Institut National pour la Recherche Biomedicale (INRB) in Kinshasa geschickt, wo sie genauer untersucht würden.

Seuchenherd

Handelt es sich tatsächlich um eine neue Seuche, wäre das nicht die erste, die im Kongo entdeckt wird: Bereits 1976 schickte der Mikrobiologe Jean-Jacques Muyembe Tamfum von dort aus Blutproben nach Belgien und in die USA, in denen sich ein wurmförmiges Virus aufhielt, das später nach einem Fluss in der Nähe seines Fundorts benannt wurde: Ebola. Dieses Virus sprang nach heutigem Kenntnisstand von der Fledermaus oder dem Flughund auf den Affen oder den Menschen über.

Bei den ersten Ebola-Ausbrüchen starben noch bis zu 90 Prozent der Infizierten. Inzwischen beträgt das Sterberisiko bei einer rechtzeitigen medizinischen Versorgung in einer gut ausgestatteten Behandlungseinrichtung nur mehr zehn bis 30 Prozent. Darüber hinaus gibt es nun auch Impfstoffe der Pharmaunternehmen Merck und Johnson & Johnson.

Trotzdem starben bei einem neuen Ebola-Ausbruch im Kongo im Februar mindestens vier Menschen – die Meldung der kongolesischen Regierung aus dem November, dass man die Ebola-Epidemie überwunden habe, scheint deshalb verfrüht gewesen zu sein. Zwischen Juni und November 2020 waren im Kongo von 120 in diesem Zeitraum entdeckten Ebola-Infizierten 55 ums Leben gekommen.

Eingedämmt, aber nicht ausgerottet

Auch die beiden ältesten Blutproben, die einen Kontakt mit HI-Viren belegen, stammen aus dem Kongo. Dieser Auslöser der später durch Geschlechtsverkehr in der ganzen Welt verbreiteten Immunschwächekrankheit Aids sprang voraussichtlich von kleineren Affen, die von Schimpansen gefressen wurden, auf letztere über - und da auch der Schimpanse nicht am Ende der Nahrungskette stand, fand das Virus nach mehreren Mutationen unter Menschen Wirte.

Nicht zwangsläufig aus dem Kongo, aber sehr wahrscheinlich aus Afrika, stammt das Gelbfieber. Durch den transatlantischen Dreieckshandel mit Sklaven, Zucker, Kaffee und Baumwolle begünstigt breitete es sich ab 1648 in Amerika und später sogar in Teilen Europas aus. Obwohl es bereits seit 1937 einen Impfstoff dafür gibt, konnte die Krankheit bislang lediglich eingedämmt, aber nicht ganz ausgerottet werden.

Vektortiere

Das Gelbfieber wird durch Mücken übertragen - ebenso wie das in den 1950er Jahren in Afrika entdeckte Chikungunyafieber. Diese Krankheit scheint sich in Europa seit den Nullerjahren zusammen mit der asiatischen Tigermücke auszubreiten, die auch durch Kleidungsstücke hindurchstechen kann und neben Gelbfieber und Chikungunyafieber das Denguefieber und das Westnilfieber überträgt.

Eine komplette Ausrottung gelang bislang lediglich bei den Pocken, deren letztes bekanntes Todesopfer 1978 die Medizinfotografin Janet Parker war. Sie hatte sich bei der Arbeit in einem britischen Labor angesteckt. In freier Wildbahn infizierte sich zuletzt ein Jahr davor der somalische Koch Ali Maow Maalin.

Die Pocken waren auch die erste Seuche, gegen die man Impfungen einsetzte: Die alten Chinesen schnupften dazu Pustelschorf, die Inder gaben ihn in die geritzte Haut, und ihre englischen Kolonialherren nutzten infizierte Kühe, von deren lateinischem Gattungsnamen sich das inzwischen auch in die deutsche Sprache eingegangene Vakzin ableitet. (Peter Mühlbauer)