Entweder Atomkraftwerke oder Erneuerbare Energien?

Die britische Regierung will beides, der Industrieverband CBI fordert ebenso wie Eon und EDF mehr Atomkraftwerke und weniger Förderung für die Erneuerbaren

Bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts will Großbritannien 40 Prozent des Strombedarfs mit erneuerbaren Energien, Atomenergie und "sauberen" Kohlekraftwerken produzieren, um bis dahin die CO2-Emissionen beim Stand von 1990 um 34 Prozent zu reduzieren, bis 2050 müssen die Emissionen um 80 Prozent reduziert sein. Der britische Energieminister Ed Miliband stellte gestern den Low Carbon Transition Plan vor und versprach mehr als eine Million "grüne" Arbeitsplätze sowie die (bescheidene) Möglichkeit für 1,5 Millionen Haushalte, Strom aus Solar- oder Windanlagen in das Stromnetz gegen Geld einspeisen zu können, und intelligente Zähler. Deutlich ist, dass die britische Regierung dabei stark auf neue Atom- und Kohlekraftwerke setzt, nur 30 Prozent des Stroms aus CO2-armen Quellen sollen von erneuerbaren Energien stammen, Atom und Kohle sollen die restlichen 70 Prozent liefern. Die Stromrechnung soll bis 2015 angeblich nicht teurer werden, dann aber bis 2020 um 15 Prozent jährlich ansteigen. Die Zahlen sind allerdings wenig verlässlich.

Der von der Labour-Regierung vorgesehene Energiemix geht allerdings der Industrie und manchen Energiekonzernen schon zu weit in Richtung der erneuerbaren Energien, zumal die Regierung stark auf Windkraft und Gezeitenkraftwerke setzt. Die Industrielobby in Großbritannien, die Confederation of British Industry (CBI), fordert den Bau neuer Atom- und sauberer Kohlekraftwerke und kritisiert die Bemühungen der Regierung, die Windkraft zu fördern. 30 Prozent Anteil der erneuerbaren Energie am Mix sei zu hoch, besser wäre es, den Anteil auf 25 Prozent zu kürzen und mehr als ein Drittel aus der Atomkraft zu beziehen. Dazu sollten bis zu 15 neue Atomkraftwerke gebaut werden.

Der deutsche Energiekonzern E.On hatte sich mit dem französischen Konzern EDF zusammen getan und der Regierung klar zu machen versucht, dass sie sich zwischen dem Ausbau der Atomkraftwerke und dem von Windkraftanlagen entscheiden müsse. Beide Konzerne begrüßten die Stellungnahme der CBI, wie man die CO2-Emissionen senken könne. E.On übt weiter Druck auf die Regierung nach Bekanntwerden des Energieplans aus, der den Bau von 12 neuen Atomkraftwerken und 4 CCS-Kohlekraftwerken vorsieht, die Genehmigungen zu beschleunigen. Zusammen mit RWE will E.On vier neue Atomkraftwerke in Großbritannien bauen.

E.On und EDF sind für Atomkraftwerke – die jeweils mindesten vier Milliarden Euro, wahrscheinlich mehr kosten werden. Das sind riesige Investitionen und vor allem zentrale Anlagen zur Stromproduktion, die wesentlich besser künftige Einnahmen sichern als Windparks und andere erneuerbare Energien. Die können von einer Vielzahl von Anbietern gebaut werden und zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen, während Atomkraftwerke, die Milliarden kosten, die Konkurrenz von vorneherein minimieren.

Der deutsche und der französische Energiekonzern, die beide in Großbritannien Atomkraftwerke bauen wollen, warnen in einer ziemlich durchsichtigen Strategie, dass der von EU vorgesehene Anteil der erneuerbaren Energien von mindestens 15 Prozent am Energiemix – Großbritannien hat gerade einmal einen von 3 Prozent – nicht realistisch sei – und den Bau der geplanten Atomkraftwerke gefährde, weil für beides nicht Geld vorhanden sei. Man müsse dann als Überbrückung neue Kohlekraftwerke bauen. Zudem müssten, wenn man zu stark auf Windkraft setze, wie dies die britische Regierung tut, möglicherweise Atomkraftwerke herunterfahren, so EDF-Chef Vincent de Rivaz, wenn zu viel Strom von den Windenergieanlagen ins Netz käme.

Vertreter der erneuerbaren Energien wenden hingegen ein, dass sich die Zuwachsraten für Wind- und Sonnenenergie in den letzten Jahren verdoppelt und verdreifacht haben, dass hier zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden sind und die Kosten für erneuerbare Energien sinken, während die für Atomenergie steigen und für den Bau von Atomkraftwerken weiterhin staatliche Unterstützung notwendig ist, In 20-40 Jahren könnte der Strombedarf bereits von erneuerbaren Energien abgedeckt werden, die nuklearen Dinosaurier, die nicht nur beim Bau, sondern vor allem auch beim Abbau teuer sind, würden aus dieser Sicht den Ausbau der erneuerbaren Energien und eines dezentralisierten Energiemarktes verhindern, der nicht zuletzt die Demokratie stärke, so Jeremy Leggett, Gründer und Chef von Solarcentury.

Allerdings wurden Anfang Juli noch vor dem Baubeginn der vier Atomkraftwerke durch EDF Sicherheitsmängel gerügt und eine Nachbesserung verlangt. Die französischen Druckwasserreaktoren der 3. Generation sind verfolgt von Pannen. Sowohl in Finnland als auch in Frankreich können Termine nicht eingehalten werden und verteuern sich die Baukosten immens. (Florian Rötzer)

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