Entwickeln die USA neue biologische Waffen?

REM-Aufnahme eines neutrophilen Granulozyten (gelb) beim Aufnehmen von Anthrax-Bakterien (orange). Bild: Volker Brinkmann/CC BY-2.5

Verschwörungstheorie oder berechtigte Sorge?

Ein wichtiger US-Think-Tank regte die Entwicklung von Biowaffen an, "die auf bestimmte Genotypen" abgerichtet sind und dadurch zu einem "nützlichen Werkzeug der Politik" werden können. Gleichzeitig blockieren die USA die Ächtung von biologischen Waffen, suchen mit Ausschreibungen Genproben von Russen und betreiben angeblich Biowaffenlabore in verschiedenen Ländern in der Nähe Russlands. Und schließlich gibt es sogar ein Patent für eine Drohne, mit der biologische Waffen über Feindesgebiet verbreitet werden können.

Leider waren die USA immer führend darin, neue und noch schrecklichere Waffen zu entwickeln, deshalb sollten uns solche Meldungen ernsthafte Sorgen bereiten. Denken wir an Kernwaffen und den Einsatz gegen zivile Ziele, die Uranmunition, die mit ihrem "tödlichen Staub" über lange Zeit für vermehrte Missbildungen bei Neugeborenen verantwortlich ist, Entlaubungsmittel im Vietnam-Krieg, unter dessen Folgen bis heute die Menschen Vietnams schrecklich leiden, oder Napalm im Vietnam-Krieg. Sollte nun wirklich eine biologische Waffe als neues "nützliches Werkzeug der Politik" entwickelt werden?

Im September 2000 wurde eine Studie mit dem Namen "Rebuilding America's Defenses - Strategy, Forces and Resources For a New Century" veröffentlicht. Ihre Unterzeichner waren wichtige politische Vordenker der Vereinigten Staaten, die teilweise heute noch als Berater für die Regierung tätig sind. Der vielleicht wichtigste Name könnte der von Paul Wolfowitz sein. Ehemaliger Weltbankpräsident, Berater von George W. Bush und Stellvertreter von Donald Rumsfeld, wichtiger Förderer des "Kriegs gegen den Terror", mit dem der Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, Libanon, Somalia, Sudan und der Iran dem Hegemonieanspruch der USA unterworfen werden sollten. Das Dokument wird von dem Ziel geleitet, zu verhindern, dass irgendein Rivale in die Lage versetzt wird, jemals die militärische Überlegenheit der USA in Frage zu stellen, oder die Anwendung von militärischer Macht der USA zu behindern.

Wer die Strategieempfehlung der Denkfabrik genauer betrachtet, wird feststellen, dass ein großer Teil der Empfehlungen Eingang in die Politik der USA gefunden hat. So zum Beispiel, was den Ausbau von Militärstützpunkten angeht, die Aufrüstung von Einheiten innerhalb der USA, die Modernisierung und Ausbau der Marine, den Raketenabwehrschirm und die Erhöhung der Ausgaben für das Militär allgemein. In dem Dokument, das die Strategie der US-Regierungen für das nächste Jahrhundert beeinflussen sollte, heißt es aber auch auf Seite 60:

Eine fortgeschrittene Form der biologischen Kriegsführung, mit der auf spezifische Genotypen 'gezielt' wird, kann die biologische Kriegsführung aus dem Reich des Terrors zu einem politisch nützlichen Werkzeug transformieren.

Im Jahr 2017 wurde bekannt, dass das US-amerikanische Kommando für Ausbildung und Training der Luftwaffe (AETC, Air Education and Training Command) eine Ausschreibung und einen Vertrag zum Kauf von RNA-Mustern veröffentlichte, in dem Gewebe von "russischer/europäischer Abstammung" gefordert wurde. Die Informationen waren öffentlich zugänglich in den US-Seiten für Regierungsausschreibungen. Die Probengeber mussten gesund sein, Muster aus der Ukraine wurden ausgeschlossen.

Nun kann man davon ausgehen, dass nicht die Trainingsabteilung der Luftwaffe der Endabnehmer der Genmuster war. Wohin sie letztlich gingen, ist jedoch unbekannt. Was das Ganze noch fragwürdiger macht, ist die angebliche Gründung eines Netzwerks von militärischen Biolaboren in Georgien, der Ukraine, Kasachstan, also alles Länder, die direkt an Russland angrenzen. Biologische Waffen sind für Politiker, die Kriege als Verlängerung der Politik betrachten, verlockend. Sie haben entscheidende Vorteile z.B. gegenüber Kernwaffen: Es werden nur die lebenden Ziele angegriffen, nicht aber Anlagen, Gebäude, Maschinen, Häfen, Flughäfen usw.

In Russland kursieren Berichte, dass die Schweinepest, die 2012 in Südrussland umging, von einem Virus aus ging, das vom "R. Lugar Center for Public Health Research" in Tiflis in einer verdeckten Operation gegen Russland verbreitet worden war. 2013 meldeten russische staatliche Medien, dass Gennady Onishchenko, der damalige Leiter der Verbraucherschutzbehörde, den Verdacht habe, dass das Zentrum, das mit dem US Army Medical Department's Medical Research and Materiel Command (USAMRMC) verbunden ist und u.a. von der US Defense Threat Reduction Agency (DTRA) finanziert wird, biologische Waffe entwickle. Auch das russische Außenministerium äußerte Sorge über die "biologischen Aktivitäten des Pentagon nahe der russischen Grenze.

Genau dieses "Gesundheitszentrum" wurde nun im Jahr 2018 durch die bulgarische investigative Journalistin Dilyana Gaytandzhieva genauer unter die Lupe genommen. Eine mutige Frau, die bereits den Weg von Waffenlieferungen zu den syrischen Terroristen im Detail auf Grund bei den von Terroristen hinterlassenen Papieren rekonstruiert hatte (13), und dafür ihren Job verlor. Sie schreibt auf ihrer Internetseite:

Die US-Botschaft in Tblisi transportiert gefrorenes menschliches Blut und Pathogene als Diplomatenfracht für ein geheimes US-Militärprogramm. Interne Dokumente, denen zufolge US-Diplomaten unter diplomatischem Schutz Transporte und Experimente mit Krankheitserregern durchführen, wurden mir durch georgische Insider zugespielt. Diesen Dokumenten zufolge wurden Wissenschaftler des Pentagon in die Republik Georgien gebracht und ihnen diplomatische Immunität verschafft, um tödliche Krankheiten und stechende Insekten im Lugar Center - dem Biolabor des Pentagon in Georgiens Hauptstadt Tbilisi - zu erforschen.

Dilyana Gaytandzhieva

Der Bericht enthält Aussagen von Anwohnern, Behauptungen über Experimente, die angeblich in den Nachtstunden durchgeführt werden, Hinweise auf Abfälle und eine rigide Reaktion und Warnungen gegenüber der Journalistin. Die georgische Regierung dementierte und behauptete, dass das Labor unter seiner Kontrolle stehen würde. Was seltsam erscheint, kaufen die USA doch praktisch alle Bedarfsartikel der Anlage selbst ein und benötigt man zum Betreten der Anlage eine hohe Sicherheitsfreigabe .

Im Jahr 2014 patentierte S. Mill Calvert ein Luftfahrzeug zur Verbreitung toxischer Moskitos. Im Abstract heißt es:

Die Einrichtung zur Freilassung von Moskitos beinhaltet ein unbemanntes Luftfahrzeug, das über Fernbedienung gesteuert werden kann. Es befördert einen Container mit einer Prozessor-Einheit und einen Behälter mit Moskitobrut, das ein abgeschlossenes Gehäuse für Moskitos mit Moskito-Nahrung ist, die Gift enthält, das über Moskito-Bisse übertragen werden kann, nachdem die Moskitos die Nahrung aufgenommen haben. Eine ausreichend bemessene Röhre zum Freilassen ist mit dem Behälter verbunden, um die Moskitos aus dem Brutbehälter zu entlassen. Eine Klappe ist mit der Röhre verbunden und kann über Fernbedienung bedient werden, sodass, wenn sie geöffnet wird, die Moskitos freie Bahn haben, um den Container über die Röhre zu verlassen.

Ein deutschsprachiger Blogger eruierte, dass es einen/eine S. Mill Calvert in den USA nicht gibt. Allerdings wurden unter dem gleichen Namen bereits 42 andere militärische Erfindungen patentiert, darunter eine, die eine spezielle Munition zur Erzeugung von Schlaganfällen beschreibt (12). Er schließt daraus, dass der Name ein Pseudonym für eine Abteilung des US-Militärs sein könnte.

Die meisten Staaten der Welt haben die Chemiewaffenkonvention unterzeichnet. Auch die USA. Sie verpflichtet die Unterzeichnerstaaten zur vollständigen Beseitigung aller Chemiewaffenvorräte und Anlagen zur Herstellung solcher Waffen. Die USA hatten den Vertrag am 13. Januar 1993 unterzeichnet und am 25. April 1997 ratifiziert.

Allerdings machte das Land bis heute keine Anstalten, seine Vorräte und Anlagen zu vernichten. Offizielle Begründung: Kein Budget dafür verfügbar. Das heißt, seit über 20 Jahren kommen die USA ihren Verpflichtungen aus dem Vertrag nicht nach. Ähnliches gilt für den Atomwaffensperrvertrag, der eine Verpflichtung zur Abrüstung vorsieht. Stattdessen soll das nukleare Arsenal modernisiert, zielgenauer und schlagkräftiger gemacht werden.

Wenn man diese Erfahrungen mit unterzeichneten Verträge bzw. Konventionen sieht, kann der Eindruck entstehen, dass die Blockierung einer Biowaffenkonvention durchaus aus Gründen erfolgte, die mit der Entwicklung von Biowaffen zusammen hängen.

Der Einsatz biologischer oder chemischer Waffen wurde durch das Genfer Protokoll völkerrechtlich seit 1925 verboten, solche Waffen kamen aber im 2. Weltkrieg durch die Armee Japans zum Einsatz. Auch die Nutzung von Entlaubungsmitteln durch die USA im Vietnamkrieg, die zu Erbschädigungen im großen Ausmaß führten, können als Einsatz von Chemiewaffen angesehen werden, was von USA jedoch bestritten wird. Nach der Chemiewaffenkonvention beschloss die UN-Generalversammlung, auch eine Konvention gegen Biologische Waffen auf den Weg zu bringen. Diese kann seit 1972 unterzeichnet werden und trat 1975 in Kraft. Allerdings sieht der Vertrag keinerlei konkrete Vereinbarungen zur Rüstungskontrolle vor, Zusatzprotokolle, die das heilen sollten, kamen nicht zustande. Um es noch einmal deutlich zu machen: Verhandlungen über eine international bindende Überwachung des Protokolls der Biowaffenkonvention, die internationale Inspektionen von Anlagen durch eine unabhängige Organisation vorsieht, fanden zwischen 1995 bis 2001 statt. Die USA weigerten sich, die Anstrengungen zu unterstützen. Ihre Weigerung, Teil des Verifikations-Mechanismus zu werden, macht jeden Versuch, die Konvention zu aktivieren, zwecklos (USA lehnen Zusatzprotokoll zur Biowaffenkonvention ab). Die USA sollen inzwischen angeblich in 25 Ländern Biowaffenlabore unterhalten. Ob das eine Verschwörungstheorie ist oder nicht, könnte sehr leicht verifiziert werden, wenn die USA die Biowaffenkonvention ernst nehmen und einem Zusatzprotokoll zur Verifizierung zustimmen würden.

Im Jahr 2013 beschuldigte der chinesische Luftwaffenoberst Dai Xu die US-Regierung eine neue Variante der Vogelgrippe erschaffen zu haben, die China befallen hatte. Seiner Meinung nach hatte das US-Militär die Variante H7N9 des Vogel-Virus bewusst in China frei gelassen. 2014 wurde berichtet (Übersetzung), dass die Quelle des Ebola-Virus in Westafrika ebenfalls aus US-Waffenlaboren stammen sollte. Und der Interviewpartner, der damals die Behauptungen aufstellte war durchaus kein Verschwörungstheoretiker, sondern ein Hochschullehrer und ein führender Spezialist für Biologische Kriegsführung und Terrorismus, Professor Francis A. Boyle.

Im Jahr 2015 warnte Nikolai Patrushev, Kopf des russischen Sicherheits-Rates, vor der Bedrohung, die aus biologischen Waffenlabors resultiert, die auf den Gebieten der CIS (Commonwealth of Independent States) eingerichtet wurden, wobei er besonders das Richard G. Lugar Center in Georgien hervorhob.

Im Februar 2018 hatte "The Commonwealth" berichtet, dass das Lugar Center schon 2014 mit einer speziellen Anlage ausgerüstet wurde, in der Insekten gezüchtet werden konnten, um das Sandfliegen-Projekt in Georgien und dem Kaukasus zu ermöglichen. In den Jahren 2014 und 2015 hatten die Bisse der Sandfliegen, die Blut saugen, Fieber verursacht. Der Quelle zufolge hatte das Pentagon außerdem ein großes Interesse daran, Tularämie, eine häufig tödlich verlaufende ansteckende Erkrankung bei Nagetieren, zu untersuchen. Die Erkrankung ähnelt der Pest und befällt häufig Hasen und Wildkaninchen.

Im Januar 2016 starben 20 ukrainische Soldaten in Charkow, wo eines der Bio-Laboratorien des Pentagon ansässig ist, in nur zwei Tagen an Schweinepest. 200 wurden im Krankenhaus behandelt. Die Regierung der Ukraine berichtete nicht über die Todesfälle. Bis März des gleichen Jahres starben 364 Menschen in der Ukraine an Influenza (81,3% der Fälle waren durch den Virus (H1N1) pdm09) verursacht, eine Variante, die die Schweinegrippe-Epidemie von 2009 verursacht hatte.

Im Jahr 2017 bestätigte das Gesundheitsministerium der Ukraine 90 neue Fälle, von denen 8 durch Vergiftung mit dem Toxin Botulinumotoxin, eines der gefährlichsten biologischen Toxine überhaupt, tödlich verliefen. Den örtlichen Gesundheitsbehörden zufolge sind Nahrungsmittelvergiftungen die Ursache für die Epidemie.

The Commonealth

Im Jahr 2018 schließlich meldete sich Georgien nach einem Bericht von Peter Korzun zu Wort.

Der ehemalige Minister für die Sicherheit des Staates Georgien, Igor Giorgadze sprach darüber während einer Nachrichtenkonferenz in Moskau und drängte US-Präsident Donald Trump eine Untersuchung auf den Weg zu bringen. Er hat eine Liste von Georgiern, die nach einer Behandlung in der Anlage in den Jahren 2015 und 2016 an Hepatitis erkrankten. Viele verstarben am selben Tag. Die aus der Geheimhaltung entlassenen Dokumente enthalten weder Hinweise auf die Art des Todes noch die Namen der Verstorbenen. Dem Ex-Minister zu Folge wurde das Geheimlabor, das von den USA betrieben wird, während der Amtszeit des ehemaligen georgischen Präsidenten Michael Saakaschwili eingerichtet. Igor Giorgadze warnte, dass die Viren sich auf benachbarte Länder, auch Russland verbreiten könnten.

Peter Korzun

Der Artikel von Peter Korzun weist auch darauf hin, dass ausschließlich US-Personal mit Geheimhaltungsfreigabe Zugang zu der Anlage hätte und dieses laut einem Verteidigungs-Vertrag zwischen Georgien und den USA von 2002 unter diplomatischer Immunität arbeiten würde.

Das Nervengift "Nowitschok", das angeblich als Mordwaffe Russlands in England im Skripal-Fall verwandt wurde, war in der ehemaligen Sowjetunion entwickelt worden, jedoch nicht in Russland. Die USA waren beim "Aufräumen" der Chemiewaffen der Sowjetunion maßgeblich beteiligt, auch bei den Anlagen, in denen das Gift zum ersten Mal entwickelt worden war. Dann wurde ist es 2009 in den USA patentiert (US-Patent 9.132.135 B2) und anscheinend dort auch produziert.

Einer der Miterfinder, der in die USA migrierte, schrieb ein Buch darüber, mit allen Details, die meisten Geheimdienste, auch Deutschland (und offensichtlich auch Großbritannien) besaßen Muster des Giftes. Trotzdem behauptete die britische Regierung und echote die deutsche Bundesregierung, dass nur Russland für den "Giftangriff" in Betracht kommen könnte. Eine Verschwörungstheorie, die auf wackligeren Beinen steht, als die These der Biowaffenproduktion der USA. Trotzdem wurden Sanktionen gegen Russland verhängt, nicht gegen die USA.

Russland scheint ernstlich besorgt zu sein. Das Thema wird im russischen Fernsehen thematisiert und fast wöchentlich findet man in russischen internationalen Medien einen Artikel über die These. Sputnik, eine staatliche russischen Nachrichtenagentur, schreibt am 25. September wieder über "US-Biolabors in Georgien: Geheime Diplomatenpost und kein Zugang selbst für Georgier". (Jochen Mitschka)

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