Entzauberte Alien-Formel

Das Epsilon-Eridani-System in den Augen eines Space-Art-Künstlers, das Frank Drake 1960 nach Funksignalen abhorchte. In ihm befindet sich mindestens ein bislang bestätigter Exoplanet. Bild: NASA/Caltech

Vor 55 Jahren entstand eine der populärsten Formeln, die heute Kultstatus hat, wissenschaftlich aber kaum verwertbar ist - Teil I

Die Logik besagt, dass auch außerirdische Geschöpfe samt und sonders Kinder ihrer Sonne sind und den Sternenstaub in sich tragen, der in unzähligen Supernovae-Explosionen in den Kosmos freigesetzt wurde. Diese sind ebenso wie wir Kinder des Wasserstoffs, der sich 380.000 Jahre nach dem Urknall bildete. Intelligentes Leben könnte daher im All weitverbreitet sein. Von dieser Prämisse ging auch Frank Drake aus, als er im April 1960 den ersten SETI-Suchlauf startete und eineinhalb Jahre später die erste SETI-Konferenz initiierte und dabei die Green-Bank-Gleichung vorstellte, die aber fast nur noch in der Popkultur wahrgenommen wird.

Es überrascht mich immer wieder, dass diese Gleichung als eine der großen Ikonen der Wissenschaft betrachtet wird, da sie mir weder großartige intellektuelle Anstrengungen noch Einblicke abverlangt hatte.

(Frank Drake, 1992)

Bis auf den heutigen Tag (Stand: 1. Dezember 2016) haben die Planetenjäger mit unterschiedlichen Observationstechniken sowie Boden- und Weltraumobservatorien 3544 Exoplaneten detektiert und katalogisiert, die sich auf 2659 Sternsysteme verteilen. Vorerst geben extrem heiße, teils aber auch abgekühlte Gasriesen in der Größenklasse von Neptun (17-fache Erdmasse) bis hin zu dem weitaus größeren Jupiter den Ton an. Sie rasen in geringer Distanz um ihre Heimatsterne oder umrunden diese in großer Entfernung auf exzentrischen Umlaufbahnen.

Langsam jedoch holen vor allem die Supererden auf, zu denen Welten von ein- bis zehnfacher Erdmasse zählen. Nur vereinzelt geraten erdgroße Felsenplaneten in Sichtweite. Und wenige davon geben sich in habitablen Zonen die Ehre, in den Grüngürteln ihrer Sternsysteme, in denen Exoplaneten dieser Klasse flüssiges Wasser zu konservieren vermögen. Nur eine echte zweite Erde verirrte sich nicht in die Fangnetze der Planetenfischer. Keine Zwillingswelt, die einen sonnenähnlichen Stern in einer bewohnbaren Zone umkreist, drängte sich auf. Keine echte Erde 2.0 in Sicht- und Fangweite. Trotz der gegenwärtig besten Teleskope und Suchtechniken entziehen sie sich dem Blickfeld der Astronomen.

Die Abbildung zeigt eine künstlerische Darstellung der Oberfläche von dem Planeten Proxima b, dem bislang erdähnlichsten. Der Planet umkreist den roten Zwergstern Proxima Centauri, den nächsten Stern zu unserem Sonnensystem. Der Doppelstern Alpha Centauri AB ist im Bild rechts oberhalb von Proxima Centauri abgebildet. Auch wenn der Gesteinsplanet in der Ökosphäre seines Systems liegt, ist er alles andere als eine Erde 2.0., umrundet er doch seinen Zwergstern binnen 11,2 Tage einmal. Bild: ESO/M. Kornmesser

Doch alles ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Planetenforscher nicht nur erdgleiche Exoplaneten finden, sondern mithilfe der Spektralanalyse auch deren Atmosphären nach Biomarkern abtasten. Längst sind sich die meisten Astronomen darin einig, dass die bislang aufgespürten fernen Welten nur die spitzeste Spitze eines exoplanetaren Eisberges bilden, dessen Breite und Tiefe noch völlig unabsehbar ist. "Ich erwarte in fast allen Sternsystemen massearme Planeten, ja sogar erdähnliche Welten, in manchen sogar mehrere", bestätigt kein Geringerer als der Entdecker des ersten Exoplaneten Michel Mayor aus Genf.

Sein Optimismus nährt sich vor allem aus Computersimulationen und mathematisch-statistischen Hochrechnungen, mit denen auch der australische Physiker Charles Lineweaver aus Canberra die potenzielle Anzahl erdähnlicher Planeten in bewohnbaren Zonen extrapolierte. Mit Blick auf die mindestens 200 Milliarden Sterne in der Milchstraße kam er 2015 auf einen fantastischen Wert. "Unserer Studie zufolge besitzt fast jeder einzelne Stern in der Galaxis einen oder zwei Planeten in einer habitablen Zone."

Frank Drake. Bild: SETI
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