Er ist wieder da!

Bild: Alexas_Fotos/Pixabay

Warum diesmal alles anders und besser wird als beim letzten Mal und warum der Lockdown jetzt Circuit Breaker heißt

Er hat uns wieder, der Lockdown, oder LD, gesprochen mit einem weichen "Di", wie auch der Entertainer Larry David in seiner Show Curb your enthusiasm von Freunden genannt wird. Nun ist der Lockdown alles andere als ein guter Unterhalter, aber auch nicht mehr der große Schrecken, der er noch vor sechs Monaten war.

Erinnern wir uns, wie wir andächtig den Polizeiautos lauschten, die in den Straßen herumfuhren und uns per Megafon verboten, das Haus zu verlassen. Für die Empfindlichen unter uns war das schon dystopisch. Aber stopp - diesmal gibt es keine Ausgangssperre, zumindest noch nicht.

Diesmal haben wir es mit einem Softie von einem Lockdown zu tun, Lockdown light, passend zu einem bewussten, modernen Lebensstil, naturverbunden und mit hellen Hölzern. Quasi ein skandinavischer Lockdown. Manche sagen Shutdown, dieser kleine Bruder des Lockdowns mutet allerdings eher rüpelhaft an und lässt an shot down oder shut up denken.

Viel besser und richtig elektrisierend ist der Circuit Breaker. Unser guter alter Lockdown heißt jetzt Circuit Breaker. Eine Formulierung, die zum Träumen einlädt: Wir sehen unterbrochene Stromkreise, Modelleisenbahnen, die in letzter Sekunde heldenhaft vor Zusammenstößen geschützt werden - im Marvel-Universum gibt es sogar eine gleichnamige Comicfigur.

Circuit Breaker, das klingt nach echter Wissenschaft und echter gesellschaftlicher Vereinbarung, den machen wir gemeinsam und weil wir uns auskennen, ganz anders als beim letzten Lockdown, der von oben kam, ohne dass wir ein Wörtchen mitreden durften.

Ok, so richtig mitgeredet haben wir diesmal auch nicht, das ist aber kein Grund, sich den November-Lockdown vermiesen zu lassen. Vielmehr haben wir die Gelegenheit zu beweisen: Wir können Lockdown. Endlich wieder hamstern oder lustige Videos versenden mit Flugzeugen, die Klopapierrollen auf Städte fallen lassen. Endlich wieder Quarantäneclips versenden mit Schafherden, die von zuhause arbeiten. Endlich wieder in der Küche WC-Enten füttern und ein lustiges Video davon machen. (Obwohl wir ja durchaus noch vor die Tür gehen dürfen. Aber ein bisschen Übertreibung bzw. Dramatisierung hat noch keinem geschadet, die Medien leben uns das täglich vor.)

Endlich wieder Arzttermine bekommen, auch wenn wir nicht privat versichert sind. Endlich diese fiese Neurodermitis auskurieren, an der wir seit dem letzten Lockdown leiden. Endlich alles nachholen, was wir beim letzten LD nicht geschafft haben. Alle Wände, die noch ungestrichen sind, alle Katzen, die ungebürstet sind, dies ist Eure Chance auf neuen Glanz.

Und all die Gedichte, die wir lesen werden, während die Fitnessstudios stille stehen. Die stille, die stade Zeit, sie kommt dieses Jahr schon im November. Ein passender, ein guter, wahrscheinlich der beste Monat für einen Lockdown. "Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr", schrieb Rilke, "Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben."

Bevor wir nun doch melancholisch werden, muss ein Circuit Breaker für unseren Lockdown-Pep-Talk her. Am besten eine Liste, denn Listen sind beliebt, im Internet und im Lockdown. Hier ist sie, drei Gründe, warum dieser November-Shutdown-Wellenbrecher-Mini-Lockdown-Light unbedingt notwendig ist, obwohl die Politik ihn unbedingt vermeiden wollte. Er ist unbedingt notwendig,

1. weil wir auf keinen Fall wollen, dass es wieder so schlimm wird, wie es noch nie war.
2. weil wir von Worten wie "drastisch", "verschärft", "hart", "massiv" und "einschneidend" gar nicht genug bekommen können.
3. weil Christian Drosten gesagt hat, dass wir "'ne Pause" machen sollen.

Und jetzt kommts: Der weltberühmte Virologe hat uns eine ganze Serie von Lockdowns/Pausen in Aussicht gestellt. Wir würden das künftig alle paar hundert Meter machen. Das ist echt mal fair: Falls wir diesen Lockdown doch wieder nur dröge rumhängen wie im Frühjahr, kriegen wir bald eine dritte Chance. Versprochen! (Michaela Simon)