Erdähnlicher Planet entdeckt

Einen Schritt näher zur Entdeckung von extraterrestrischem Leben?

Theoretisch gibt es endlos viele Planeten, die der Erde ähnlich sind und auf denen Leben entstehen könnte. Es ist nicht lange her, dass Astronomen erstmals überhaupt außerhalb unseres Sonnensystems Planeten entdeckt haben. Und nun erklären Astronomen der University of California, Santa Cruz, dass sie den ersten Planeten ausfindig gemacht haben, der auch in seinen Dimensionen erdähnlich ist und um einen Stern kreist, die wiederum unserer Sonne ähnlich ist.

Die bislang entdeckten 155 Planeten waren stets sehr viel größer als die Erde. Der jetzt gefundene Planet, der den von unserem Sonnensystem 15 Lichtjahre entfernten Stern Gliese 876 umkreist, ist nur doppelt so groß als die Erde. Er dreht sich in 1,94 Tagen einmal um sich selbst und soll auf der der Sonne zugewandten Seite eine Temperatur von 200-400 Grad Celsius haben. Für Leben, wie wir es auf der Erde kennen, wäre dies natürlich viel zu heiß. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es ein steiniger Planet ist. Daneben gibt es noch zwei weitere, aber größere Planeten. Aus deren Interaktion schlossen die Astronomen auf die Existenz eines dritten Planeten zurück. Gliese 876 ist ein roter Stern, der ein Drittel der Masse unserer Sonne besitzt.

Drei Planeten umkreisen die Sonne Gliese 876. Der erdähnliche Planet ist von Lynette Cook als winziger Punkt rechts vom roten Stern markiert worden. Bild: Lynette Cook

Der Astronom Steven Vogt sieht die am Keck-Observatoirum gemachte Entdeckung als Bestätigung dafür, dass die Grenzen der Erkenntnis immer weiter verschoben werden können und "wir der Möglichkeit immer näher kommen, erdähnliche Planeten zu finden". Immerhin war es bislang der kleinste Planet, der mittels der "Wobble"-Technik" gefunden wurde. Diese basiert darauf, dass die Gravitationskraft eines Planeten ein "Wackeln" des Zentralsterns verursacht (Wie man erdähnliche Planeten aufspürt). Geoffrey Marcy, der Astronomie an der University of California, Berkeley, lehrt, sieht mit der Entdeckung gleich Jahrtausende alte Fragen beantwortet:

Vor über 2.000 Jahren haben die griechischen Philosophen Aristoteles und Epikur sich gefragt, ob es erdähnliche Planeten gibt. Jetzt haben wir das erste Mal einen Beweis für einen steinigen Planeten, der um einen normalen Stern kreist.

Nicht wirklich, sondern nur in der wissenschaftlichen oder künstlerischen Imagination lässt sich der winzige Planet vergrößern, noch ist er unsichtbar. Bild: Lynette Cook

Die Hoffnungen, die geschürt werden, sind groß:

Ein Planet, der eine siebeneinhalb mal so große Masse wie die Erde besitzt, kann leicht eine Atmosphäre halten. Er würde als steiniger Planet gelten. Wahrscheinlich mit einem Kern aus Eisen und einem Mantel aus Silikat. Er könnte sogar eine dichte Wasserdampfschicht. besitzen. Was wir hier haben ist, denke ich, ein Mittelding zwischen einem wirklichen terrestrischen Planeten wie der Erde und einer heißen Version der Eisgiganten Uranus und Neptun.

Gregory Laughlin vom Lick Observatory an der University of California, Santa Cruz

Aber so verwegen, auf diesem Planeten Leben zu vermuten, sind die Wissenschaftler bei aller Entdeckerfreude nicht. Noch also sind wir allein im Universum. Und noch "sehen" wir den erdähnlichen Planeten gar nicht, sondern können wir nur indirekt auf ihn schließen. (Florian Rötzer)

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