Erdogans Weg in eine islamische Türkei...

Millî Görüş im Aufwind

Millî Görüş ist bekannt durch ihre extrem konservative, antidemokratische bis militante Grundhaltung. Das Bundesamt für Verfassungsschutz vertritt die Auffassung, dass diese Organisation ein "antidemokratisches Staatsverständnis zeige sowie westliche Demokratien ablehne".

Der Besuch des CDU-Politikers Armin Laschet in der Fatih-Moschee in Bremen sorgte im April für einiges Aufsehen, weil die Moschee zur Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş gehört und wegen der Einstufung von Millî Görüş als verfassungsfeindlich von Verfassungsschützern im Bund und in einigen Bundesländern - allerdings eben nicht mehr in Bremen. Dort gilt die Föderation als harmlos, berichtete die Welt.

In Berlin ist die Organisation eng mit der Islamischen Föderation verbunden, die trotz vieler Proteste 2001 mit der Durchführung von Religionsunterricht betraut wurde. Hauptsitz war die Kreuzberger Mevlana-Moschee, aus deren Reihen im Januar 1980 eine Gruppe linker türkischer Flugblattverteiler angegriffen wurde und dabei der linke Aktivist Celallettin Kesim starb.

Während es in den letzten Jahren um Millî Görüş leiser wurde, scheinen sie jetzt mit Rückenwind aus der Türkei wieder in den Fokus zu rücken. Im April dieses Jahres übernahm Millî Görüş die Führung des niedersächsischen Landesverbandes der Muslime. Anstelle des langjährigen, als gemäßigt geltenden Vorsitzenden Avni Altiner wurde Recep Bilgen gewählt, der in Hannover im Vorstand von Millî Görüş sitzt.

Die niedersächsische Landesregierung ging daraufhin auf Distanz zum Landesamt für Muslime, mit denen sie einen Staatsvertrag zum Islam aushandeln wollte. Ein Mitglied des Landesverband der Muslime erklärte, dass mit dem Führungswechsel in Niedersachsen die IGMG in der Mehrzahl muslimischer Landesverbände das Sagen habe. "Dies könne eine mögliche Einflussnahme der Türkei auf das muslimische Leben in Deutschland erhöhen." (Elke Dangeleit)