Erfolgsrezept "Polnische Zonen" am Mittelmeer

Screenshot aus einem YouTube-Werbefilm von Rainbows über Polska Strefa.

Die Polen scheinen unter sich bleiben zu wollen, die günstigen Fernreisen wurden mit "500+", eine Art Kindergeld der PiS-Regierung, attraktiv

Polen ist heut für einen Isolationskurs in Europa bekannt - keine Flüchtlinge dürfen ins Land, die heimische Wirtschaft soll vor internationalen Konzernen geschützt werden. Dieser Trend schlägt sich anscheinend auch auf das Urlaubsverhalten nieder. Mit laut beworbenen "Polnische Zonen" am Mittelmeer hat der Reiseanbieter Rainbow einen Verkaufsschlager gestartet. Fast alle 40.000 Plätze für diesen Sommer in fünf Hotels in Griechenland und einem in Kroatien seien schon ausverkauft.

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Die Marketingchefin des Unternehmens gibt dabei ganz offen klischeehaltige Vorstellungen vom Sozialverhalten ihrer Landsleute zum Besten, das sich mit den Erfahrungen anderer nicht unbedingt deckt: "Polen wollen immer in einer Mannschaft spielen. Polen gegen den Rest der Welt. Das ist ihr natürliches Bedürfnis", behauptet Emilia Bratkowska.

In den Hotels werden polnische Filme am Strand, polnisches Karaoke, polnische Gesellschaftsspiele, Quiz sowie Disco Polo angeboten, vor allem bleiben den Gästen von der Weichsel Demütigungen aufgrund mangelnder Englischkenntnisse erspart.

An letzterem ist durchaus etwas dran. So erlebte der Autor dieser Zeilen, wie in Griechenland, dem Lieblingsreiseland der Polen, kein Empfangscocktail für polnische Gäste gereicht wurde, nur für Deutsche und Russen. Die Rezeption war bei mangelnden Englischkenntnissen polnischer Gäste verächtlich, bei der Abendunterhaltung wurde ein Pole aus dem Publikum herausgefischt und sein schlechtes Englisch geriet zum Amüsement der Zuschauer.

Dabei ist das Land mit knapp vierzig Millionen Einwohnern und einem respektablen Wirtschaftswachstum ein wichtiger Markt für die Reisebranche. Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben die Sommer-Fernreisen in Polen einen Zuwachs um 30 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr erfahren. Rainbow-Chef Grzegorz Baszczynski erklärt den Erfolg der "Polnischen Streifen" ganz offen mit der staatlichen Hilfe "500+", welche die seit 2015 regierende Partei "Recht und Gerechtigkeit" offeriert: eine Art Kindergeld, eine monatlichen Vergütung von umgerechnet 120 Euro (500 Zloty) ab dem zweiten Kind, was vor allem sozial schwächeren Polen neue Urlaubsfreuden beschert. Die Regierung schätzt, dass sie dieses Jahr 24,5 Milliarden polnische Zloty (5.9 Milliarden Euro) für diese Unterstützung ausgibt.

Die Angebote sind teils auch recht billig, so ist eine Woche bereits für 1119 Zloty (266 Euro) zu haben. Gerade nach Griechenland wurden neue Billigfluglinien angeboten. Damit ist der Urlaub oft erschwinglicher als an der überfüllten Ostsee.

Die Werbung von Rainbows, die ein wenig an "Man spricht deutsh" erinnert, zielt deutlich auf dieses Publikum: Ein polnisches Ehepaar zeigt sich an einem griechischen Urlaubsort über das griechische Essen wenig begeistert und wünscht sich sehnsüchtig "Kotlet Schabowy" (Schweineschnitzel) - überraschenderweise notiert sich der in schlechtem Polnisch lispelnde griechische Kellner diesen Wunsch und eilt eifrig davon.

Der Reiseanbieter muss sich nun durchaus von liberalen Medien Kritik anhören, man würde Polen von anderen Gästen isolieren wollen. "Es ist nicht wahr, dass die Leute ins Ausland fahren, um sich mit anderen Vertretern andern Ländern zu integrieren", verteidigt die Marketingspezialistin des Reiseanbieters den Ansatz. Bei anderen Nationen sei dies doch genauso. Auch wären bei den "Polnischen Zonen" auch Gäste anderer Herkunft willkommen. Bei einer experimentellen Einführung des Angebots in einem Hotel in Griechenland im vorigen Jahr habe das Konzept bei anderen Besuchern anderer Nationen auch Anklang gefunden.

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Rainbows will seine zehn Prozent "Polnische Zonen" im Angebot weiter ausbauen, und weiß bereits, dass die polnische Konkurrenz das Konzept kopiert. Wie sich dieses Konzept auf das Image Polens auswirkt, dessen politische Führung einen Konfrontationskurs fährt, ist freilich noch nicht abzusehen. (Jens Mattern)

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