Erkennung und Abwehr kleiner Drohnen: Der Markt boomt

Anti-Drone System, Airbus. Bild: Airbus

Unerwünschte Drohnenflüge können durch Geräusche, Bewegungsmuster oder die Silhouette erkannt werden. Ein kleines Startup wird nun von Airbus mit einer Technologie zum Unterbrechen der Funkverbindung unterstützt

Die mittlerweile in San Francisco angesiedelte Firma Dedrone kooperiert mit dem Rüstungskonzern Airbus beim Verkauf von Abwehrsystemen für kleine Drohnen. Laut einer Pressemitteilung schlossen Dedrone und die Airbus-Abteilung Electronics and Border Security ein Kooperationsabkommen für eine Sensor-Plattform mit Störsenderfunktionen, die in städtischen und ländlichen Gebieten eingesetzt werden kann. Die Plattform wurde nach Angaben der Unternehmen bereits umfangreich getestet. Ab Ende 2016 sollen die Drohnenabwehrsysteme lieferbar sein.

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Beide Firmen bieten Systeme an, die das Eindringen von Drohnen in bestimmte Lufträume erkennen und verhindern. Das erst 2014 in Kassel gegründete Startup Dedrone entwickelte den "DroneTracker", der im November letzten Jahres bereits in einer täglichen Stückzahl von acht Exemplaren produziert wurde und mittlerweile unter anderem in Gefängnissen und Stadien zum Einsatz kommt. Erst Anfang diesen Jahres zog Airbus mit einem eigenen Drohnenabwehrsystem nach.

Der "DroneTracker" basiert auf akustischen und visuellen Sensoren, die unter anderem Geräusche, Bewegungsmuster oder die Silhouette der Fluggeräte verarbeiten. Hierzu werden handelsübliche Drohnenmuster genutzt, die in einer Datenbank hinterlegt sind. Ein Frequenzscanner erkennt außerdem die Verbindung der Drohne mit einer Fernsteuerung, ein Peilgerät soll die Position der Piloten ermitteln.

Bislang war der "DroneTracker" auf einen Radius von einem Kilometer begrenzt. Airbus steuert nun ein Radarsystem bei. Auf diese Weise können Drohnen in einem Umkreis bis zu zehn Kilometern erkannt werden. Die gemeinsame Plattform wird außerdem mit der im letzten Jahr von Airbus vorgestellten SMART Responsive Jamming Technology zum Unterbrechen der Funkverbindung ergänzt. Benachbarte Frequenzbereiche sollen dabei nutzbar bleiben.

Der Markt boomt, mehrere große Rüstungsfirmen haben bereits entsprechende Anwendungen in Programm. Boeing überraschte mit einer Laserkanone. Beim G7-Gipfel im bayerischen Elmau wurde ein System des deutschen Militärzuliefers ESG getestet, das auf der Technik des deutschen Rüstungskonzerns Diehl Defence und der niederländischen Firma ROBIN Radar Systems basiert.

Der Raketenhersteller MBDA führte letztes Jahr den Abschuss einer Mikrodrohne mit einem Hochenergielaser vor. Europäische Rüstungskonzerne forschen an Strahlenwaffen, um die Elektronik mit elektromagnetischen Impulsen lahmzulegen.

Als Einsatzmöglichkeiten gelten öffentliche und private Sicherheitsaufgaben. Laut des Geschäftsführers von Airbus DS Electronics and Border Security stellten Kleindrohnen etwa bei kritischen Anlagen oder bei Großveranstaltungen eine Sicherheitslücke dar. Unbemannte Fluggeräte würden außerdem zum Schmuggel, zur Spionage und "schlimmstenfalls sogar für Terroranschläge" genutzt. Die ESG vermarktet ihre Abwehrsysteme gegen unbefugte Nutzung kleiner Drohnen "zum Zweck der Ausspähung oder Provokation" (siehe auch: Pentagon: Kleine Drohnen als "neue asymmetrische Bedrohung").

Auch Bundes- und Länderpolizeien prüfen die Abwehr von Quadrokoptern. Aufgrund seiner Zuständigkeit für den Personenschutz leitet das Bundeskriminalamt zwei internationale Arbeitsgruppen, auf Ebene der bundesweiten Innenministerkonferenz (IMK) wurde eine Bund-Länder-Projektgruppe eingerichtet. Für Handlungsempfehlungen wurden Erfahrungsberichte bei niederländischen und britischen Polizeibehörden eingeholt. (Matthias Monroy)

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