Erneuerbare ausgebremst

Symbolbild: TP

Die Energiewende sollte dafür sorgen, dass Erneuerbare Energien wie Wind- und Wasserkraft sowie Photovoltaik die fossilen Brennstoffe ersetzen - Deutschland tut sich mit dem Wandel schwer

Für den Ausstieg aus der Kernkraft hat der Staat die Folgekosten übernommen, so dass die Kraftwerksbetreiber sich der Lasten entledigen konnten.

Die Ewigkeitsaufgaben der Ruhrkohle wurden in die RAG-Stiftung ausgelagert. Nur die Regulierung der Bergschäden verblieb bei der RAG Aktiengesellschaft. Der Ausstieg aus der Braunkohle soll mit etwa 40 Milliarden Euro vom Steuerzahler abgefedert werden. Soweit die Kosten der Vergangenheitsbewältigung. Deutlich unsicherer sind derzeit die Aussichten bei den Erneuerbaren Energien.

Wasserkraft wird oft durch Umweltauflagen behindert

Wasserkraftanlagen benötigen grundsätzlich ein Gefälle und ein möglichst gleichmäßiges Wasserdargebot. Abgesehen von mehr oder weniger erfolgreichen Versuchen mit Gezeitenkraftwerken werden Wasserkraftwerke daher in der Regel im Mittel- oder Hochgebirge errichtet. Und da konkurrieren sie vielmals mit touristischen Ambitionen oder mit den Vorstellungen von Naturschützern.

Dass bei neuen Wasserkraftanlagen eine höhere Restwassermenge im Gewässer verbleiben muss und dass das Gewässer für Lebewesen durchgängig sein muss und daher eine sogenannte Aufstiegshilfe, meist eine rauhe Rampe und/oder eine Fischtreppe errichtet werden muss, gehört heute zum Standard der Wasserkraftnutzung. Dennoch kommen zahlreiche Wasserkraftwerke letztlich nicht zur Ausführung. Wenn man Glück hat, verzögert sich nur das Genehmigungsverfahren.

Im Berchtesgadener Land wird über fünf neue Kraftwerke diskutiert. Der Landkreis und seine 15 Städte und Gemeinden hatten im Jahre 2017 einen Energienutzungsplan verabschiedet, der auch die Nutzung der Wasserkraft vorsah und stießen damit auf den entschiedenen Widerstand von Umweltschützern, die jetzt gegen die Zerstörung der Landschaft kämpfen wollen.

Der Bund Naturschutz will alle fünf Kraftwerksstandorte verhindern. Dort glaubt man, dass ein weiterer Ausbau der Wasserkraft weder für die Stromerzeugung, noch für das Erreichen der Klimaschutzziele von Paris notwendig seien. Einer Klimakatastrophe könne man nur mit einer drastischen Verringerung des Energieverbrauchs entgegenwirken und nicht durch die Zerstörung der letzten Fließgewässer und Wildflusslandschaften.

Dabei wird jedoch gerne außer Acht gelassen, dass nur 20 -25 Prozent des Stroms von privaten Endverbrauchern bezogen wird und bei den verbleibenden 75 - 80 Prozent Industriestrom zumeist gleich die Frage nach der Sicherung der Arbeitsplätze gestellt wird. Was derzeit noch gar nicht ernsthaft diskutiert wird ist die Frage, ob sich Gemeinden nicht dazu verpflichten sollen, einen bestimmten Anteil des auf ihrer Gemarkung von privaten Endkunden benötigten Stroms auch auf dieser zu erzeugen.

Windkraft leidet an Land unter der geplanten Abstandsregel

Die Betriebserlaubnis für Windkraftanlagen wurde zumeist für 20 Jahre erteilt, Für diesen Zeitraum erhielten die WKAa auch eine Einspeisevergütung nach dem EEG. Man hoffte zumeist, dass die Entwicklung der Technik in den 20 Jahren soweit sei, dass man den Standort im Rahmen eines Repowerings in Zukunft mit einer größeren Anlage nutzen könnte. Daher war eine Begrenzung der Betriebserlaubnis auf 20 Jahre auch kein wirkliches Problem.

Die geplanten neuen Abstandsregelungen sorgen jedoch dafür, dass die alten Standorte nicht mit einer neuen Anlage genutzt werden können, denn für diese benötigt man eine neue Genehmigung und die wird aufgrund der geänderten Bedingungen nicht erteilt. Somit haben die vielfach von Einzelinvestoren oder Genossenschaften dezentral an Land betriebenen WKA-Anlagen so gut wie keine Zukunft.

Fehlende Stromtrassen verhindern den Stromtransport

Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass die konventionellen Kraftwerke, welche bislang die Kunden im Süden und Westen der Republik mit Strom versorgten, abgeschaltet werden und die neuen Anlagen, welche Erneuerbare nutzen, meist im Norden und Osten entstehen. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Anlagen, die auf Industriebrachen errichtet werden sollen, bevorzugt werden.

Da die für einen Transport der Energie aus den Regionen mit hoher Erzeugung in die Regionen mit hoher Stromnachfrage benötigten Leitungen nicht zuletzt aufgrund von Einsprüchen nicht im benötigten Umfang in der notwendigen Zeit realisiert werden konnten, sucht man jetzt nach Möglichkeiten, wie man mit dieser Situation umgehen kann.

Wie lange wird Deutschland nur eine Strompreiszone kennen?

Die Tatsache, dass es in Nord- und teilweise auch in Ostdeutschland ein Stromüberangebot aus Erneuerbaren gibt und sich im Süden eine zunehmende Unterdeckung abzeichnet und der Ausbau der Verbindungsleitungen stockt, wirkt sich in der Hauptsache deshalb nicht auf die Strompreise aus, weil der Börsenpreis von der Annahme ausgeht, dass Deutschland eine Kupferplatte sei und daher der Strompreis grundsätzlich bundesweit gleich.

Würde Deutschland jetzt in unterschiedliche Preiszonen aufgeteilt werden, so wie es die EU in der Vergangenheit forderte und auch das Forschungsinstitut Agora Energiewende inzwischen vorgeschlagen hat, würden die Börsenstrompreise in Süddeutschland wohl steigen und die EEG-Umlage dort sinken. Die Erwartung, dass eine solche Entwicklung zu höheren Industriestrompreisen in Süddeutschland führen würde, sorgt bislang dafür, dass sich die Bundesregierung gegen eine solche Aufteilung der Republik ausspricht. (Christoph Jehle)