Eros ist überraschend attraktiv

Die auf dem Asteroiden gelandete Sonde NEAR-Shoemaker lieferte zahlreiche neue Erkenntnisse

Im Februar 2001 ist die NASA-Sonde NEAR-(Near Earth Asteroid Rendezvous) Shoemaker nach jahrelangem Flug auf dem Asteroiden Eros (Vgl. Near auf Eros) und mehreren Umrundungen gelandet. NEAR-Shoemaker ist mit feinster Elektronik ausgestattet, um möglichst viel Messergebnisse an die Erde übermitteln zu können. Dazu gehören ein Magnetometer, ein Röntgen-Spektrometer und eine hoch empfindliche elektronische Kamera. Hauptziele der Mission waren die physikalischen und geologischen Eigenschaften dieses erdnahen Asteroiden zu erkunden, mehr über die Entstehung von Planten zu erfahren und die Verwandtschaft zwischen Asteroiden, Kometen und Meteoriten zu untersuchen.

Landestelle von NEAR-Shoemaker

NEAR-Shoemaker war bei der Erhebung von Daten extrem erfolgreich. Nie zuvor ist ein kleiner Himmelskörper so genau und detailliert untersucht worden. Auf den 160.000 Bildern, die von der Mission übersandt wurden, ist eine unerwartet vielfältige Oberflächenbeschaffenheit zu erkennen. Eigentlich waren die Astronomen davon ausgegangen, dass der kartoffelförmige und von Kratern vernarbte Asteroid kahl sein würde. Es erwies sich aber, dass Eros, der auch Asteroid 433 genannt wird, neben mehr als 100.000 Kratern auch mehr als eine Million riesige Felsblöcke aufweist, von denen viele größer als ein Haus sind. Zudem gibt es Lagen von Geröll, die Trümmer unzähliger Einschläge auf der Oberfläche, die Regolith genannt werden. Regolith besteht aus feinkörnigen Partikeln von Mineral-, Glas - und Gesteinsfragmenten, die eine mittlere Teilchengröße von 0,05 - 0,1 mm haben.

In der neuen Ausgabe von Nature setzen sich insgesamt über 40 US-Wissenschaftler in 3 Artikeln mit den Erkenntnissen über Eros auseinander, die durch die NEAR-Shoemaker-Mission gewonnen wurden. Eros erweist sich als sehr viel komplexer als angenommen. Joseph Veverka von Cornell University, Ithaca, und seine Kollegen anderer US-Universitäten stellen die Auswertung der 70 Bilder vor, die während der Landung der Sonde auf dem Asteroiden entstanden sind. Der Landeplatz ist charakterisiert durch kleine Krater und große Felsbrocken. Ein Artikel in Nature setzt sich speziell mit diesen Kratern, die an ausgetrocknete Teiche erinnern, auseinander, einer mit den Felsklumpen, die vermutlich aus einem riesigen, relativ jungen Krater stammen. Er wurde "Shoemaker- Krater" getauft.

Das letzte und nächste Bild von NEAR am 12.2.2001. Die Streifen am unteren Rand rühren daher, dass bei der Landung die Übertragung beeinträchtigt wurde.

Besonders verblüffend für die Fachwelt ist die Tatsache, dass Eros Oberfläche auch bewegliche Bestandteile verschiedenster Größe aufweist. Die Felsbrocken sind wahrscheinlich beim Einschlag eines großen Objekts abgesprungen und aus dem Krater katapultiert worden. Außerdem gibt es sehr fein zermahlenes Material, das wie bläulicher Staub in kleinen Vertiefungen liegt. Die Wissenschaftler vermuten, dass es durch elektrostatische Phänomene dort gehalten wird. Seismische Erschütterungen, kleine Beben könnten ebenfalls für Bodenveränderungen verantwortlich sein.

Der Asteroid, der 34 mal 13 mal 13 Kilometer groß ist, ist mit Felsblocken bedeckt, fast 7.000 wurden rund um den Landeplatz entdeckt, manche davon haben einen Durchmesser von mehr als 15 Metern. Eros war zurzeit der Landung 258 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, er ist einer der erdnächsten Asteroiden und unter ihnen einer der größten. Er kreist hinter dem Orbit des Mars. Der verbeulte Himmelskörper stammt aus der Entstehungszeit der Erde, ist also ungefähr 4,5 Milliarden Jahre alt und hat sich seither vermutlich nicht substanziell verändert. Wie es aussieht, war er nie Teil einer größeren Elternformation, es kann aber sein, dass sich seine Masse durch die Wucht der Einschläge anderer Gesteinsbrocken deutlich verringert hat. Unklar ist bisher, ob Eros ein in sich massiver Körper ist oder durchgehend aus Bruchstücken, bzw. porösem Material besteht.

Die Gravitation auf Eros ist gering, eine Person, die auf der Erde 100 Kilogramm wiegt, würde dort gerade mal 60 Gramm auf die Waage bringen. Es ist also erstaunlich, dass der Asteroid Partikel auf seiner Oberfläche halten kann und sie nicht einfach in den Weltraum davon segeln. Durch seine lang gezogene Form variiert dazu die Gravitation noch sehr stark. Die Temperaturschwankungen sind extrem: tagsüber herrscht durch das Sonnenlicht eine Hitze von 100 Grad Celsius, nachts eisige Kälte von minus 150 Grad.

Seit langem gibt es Befürchtungen, dass ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde fürchterliche Verwüstungen auf unserem Planeten anrichten könnte. Die Gefahr, dass Eros die Erde treffen könnte, ist zumindest in nächster Zeit gering. Wie Erik Asphaug von der University of California, Santa Cruz, erklärt, gibt es ein Risiko von fünf Prozent, dass Eros irgendwann die Erde treffen wird. In absehbarer Zeit wird auch kein anderer naher Asteroiden die Erde bedrohen, das meinen jedenfalls die Wissenschaftler, die ihre Bahnen berechnet haben. Trotzdem stimmen sie darin überein, dass wir so viel wie möglich über alle Arten von Himmelskörpern heraus finden sollten, die uns potenziell auf den Kopf fallen könnten.

Asphaug stellt fest, dass wir trotz der Erfolge und Analysen der NEAR-Shoemaker-Mission immer noch sehr wenig über Asteroiden wissen, aber wir sollten zügig dazu lernen, denn auch wenn die berechnete Wahrscheinlichkeit gering ist, so könnte doch unser Überleben davon abhängen.

"Die Kosten und die politische Komplexität unser Verteidigung gegen erdnahe Objekte [die auf Kollisionskurs sind], verlangen nach der Gewissheit, dass eine gewählte Verteidigungstechnik auch funktioniert, besonders eine mit weltraumtauglichen thermonuklearen Sprengköpfen - eine vorgeschlagene Lösung, die ihre eigene besondere Gefährlichkeit haben könnte. Im Moment ist die Welt mit anderen Bedrohungen beschäftigt, aber wir sollten nicht vergessen, dass unser zukünftiges Wohlbefinden davon abhängen kann, das Innenleben von erdnahen Asteroiden zu kennen."

Interessant sind Asteroiden auch als potenzielle Rohstofflager, die durch Bergbau im Weltraum ausgebeutet werden könnten. Erze, spezielle Mineralien oder andere gesuchte Stoffe könnten im All abgebaut und mit Sonden zur Erde gebracht werden. Bisher klingt das noch nach Science Fiction, aber die ersten Visionäre und kommerziellen Interessenten machen sich Gedanken (Vgl. Permanent oder SpaceDev) und entwerfen Pläne. Bisher gibt es keine gesetzliche Regelung, theoretisch könnte sich also jeder seinen eigenen Claim auf einem Himmelskörper abstecken und alles abbauen, bis nichts mehr von dem natürlichen Satelliten übrig ist.

Der jetzt entdeckte Asteroiden-Staub könnte allerdings jede derartige Nutzung verunmöglichen, denn die geringste Erschütterung würde ihn in Bewegung setzen und das Equipment damit zusetzen. Es sind sogar Szenarien von Staubwolken in der Mikrogravitation denkbar, die eine Art vorübergehende "Atmosphäre" schaffen würden, also z.B. sehr viel weniger Licht auf die Oberfläche durchlassen. Für künftige kommerzielle Nutzung von Asteroiden ist es also ebenfalls unentbehrlich, möglichst genau die Risiken zu kalkulieren, die einen dort erwarten könnten. (Andrea Naica-Loebell)

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