Erste Trägerrakete von Privatunternehmen erfolgreich gestartet

Mit dem gelungenen Flug der Falcon 1-Rakete von SpaceX wurde ein weiterer wichtiger Schritt zur Kommerzialisierung der Weltraumfahrt gemacht

Die Kommerzialisierung der Weltraumfahrt hat mit dem nach drei missglückten Versuchen nun gelungenen Start der Rakete Falcon und deren Erreichen der Umlaufbahn in Höhe von 500 km nach der erfolgreichen Demonstration von SpaceShipOne (Scaled Composites) im Jahr 2004 einen zweiten wichtigen Schritt gemacht. Die erste privat finanzierte Rakete wurde damit von der kalifornischen Firma SpaceX in den Weltraum gebracht.

Start der Falcon 1 am Sonntag. Aus einem Video von SpaceX

Falcon 1 wurde von SpaceX von Grund auf entwickelt und gebaut. Die Firma wurde 2002 von Elon Musk gegründet, der nach dem Verkauf der Software-Firma Zip2 an Compaq und von PayPal an eBay, andere Interessen verfolgte: "Space is really fun", sagte Musk damals. Lange hat es gebraucht, bis nach den drei gescheiterten Versuchen 2006, 2007 und August 2008 nun am letzten Sonntag der erste Erfolg eingetreten ist.

Gestartet wurde die zweistufige Rakete, die erst einmal dazu dienen soll, Satelliten billiger als die Konkurrenz in eine Umlaufbahn zu bringen, von einem US-Stützpunkt auf dem Kwajalein-Atoll im Südpazifik. Zum Test hatte die Falcon 1 eine Satellitenattrappe mit einem Gewicht von 165 kg an Bord. Geplant ist, dass die erste Stufe wieder verwendbar sein soll, weswegen sie einen Fallschirm mit sich führt. Getestet wurde dies aber bislang noch nicht. Die Raketentriebwerke der beiden Stufen arbeiten mit einer Mischung aus Kerosin und flüssigem Sauerstoff.

Musk hofft allerdings darauf, Falcon auch der Nasa als Ersatz für deren Space Shuttle andienen zu können, das ab 2010 nicht mehr verwendet werden soll. SpaceX entwickelt neben Falcon 1 als Gewinner des Nasa-Programms Commercial Orbital Transportation Services (COTS) mit Unterstützung der Nasa auch die größere Falcon 9, mit der sich auch Lasten zur Internationalen Raumstation bringen lassen könnte. Geplant ist, dass mit der Trägerrakete auch eine Raumfähre für sieben Astronauten oder für eine Nutzlast, genannt Dragon, in den Weltraum gebracht werden kann. Da das jetzt von der Nasa entwickelte Orion-Raumschiff, das von einer Ares-Trägerrakete gestartet werden soll, frühestens 2014 einsatzbereit sein soll, besteht eine wirkliche Chance, dass die Nasa privatwirtschaftlich entwickelte Raketen kauft – und dann möglicherweise auch dabei bleibt, wenn dies billiger sein sollte.

Abtrennung der ersten Stufe. Aus einem Video von SpaceX

SpaceX will mit Falcon 1 und Falcon 9 auch gegen anderen Anbieter auf der ganzen Welt weit unter den Preisen für Weltraumtransporte und –flüge bleiben. So könnte ein Ausflug mit Falcon 9/Dragon in den Weltraum für Passagiere nicht 30 Millionen US-Dollar kosten, wie dies jetzt von den Russen angeboten wird, sondern nur 10 Millionen. Und mit Falcon 1 will SpaceX in das Geschäft mit Auftraggebern kommen, die es sich bislang nicht leisten können, Satelliten in eine Umlaufbahn zu bringen. Den bislang geltenden Preis von 10.000 US-Dollar pro Pfund Nutzlast will man halbieren. 7,9 Millionen US-Dollar werden als Preis für das Bringen einer Nutzlast bis zu 420 kg in eine LEO-Umlaufbahn (185 km) genannt, eine Tonne soll 9,1 Millionen kosten. Daher ist nicht nur die Nasa interessiert, sondern natürlich auch das Pentagon. Neben der Darpa hat auch die US-Luftwaffe 100 Millionen Dollar in SpaceX investiert.

So könnte sich Dragon von der zweiten Stufe von Falcon 9 lösen. Bild: SpaceX

Falcon 9/Dragon soll im nächsten Jahr das erste Mal fliegen. Dabei soll die leere Raumkapsel Dragon sich von der Rakete lösen, selbständig navigieren, zur Erde zurückkehren und dort geborgen werden. Der zweite Flug ist ebenfalls 2009 vorgesehen, bei dem das Andocken an die Internationale Weltraumstation ISS getestet werden soll. 2010 soll dann wirklich an diese angedockt werden. Sollte dies alles gelingen, hätte SpaceX vermutlich das Ticket in der Hand, als erstes kommerzielles Unternehmen Raketen und Raumfähren an die Nasa verkaufen zu können, wodurch das Zeitalter der staatlichen Raumfahrt an sein Ende kommen würde. Der nächste Flug von Falcon 1 ist bereits für Januar geplant, weitere Tests sollen bald darauf folgen.

Sollte SpaceX tatsächlich drastische Preisminderungen für den Transport von Nutzlasten in Umlaufbahnen ermöglichen, dann wird dies nicht nur für Universitäten und Unternehmen oder für das Pentagon und US-Alliierte interessant, sondern auch für kleinere Staaten, die bislang aus Kostengründen keine Chance hatten, eigene Satelliten auch zu militärischen oder Überwachungszwecken in den Weltraum zu bringen. Mit SpaceX als Pionier könnte sich daher auch militärisch und sicherheitspolitisch die Weltraumnutzung noch einmal drastisch ändern, nachdem die ersten kommerziellen Satelliten mit Kameras ab 1999 mit den militärischen Spionagesatelliten in Konkurrenz getreten sind (Hochaufgelöste Satellitenbilder zu verkaufen). (Florian Rötzer)