Es wird immer enger für Trump

Bild Donald Trump: The White House (2020) / Bild Joe Biden: Gage Skidmore (2020) / CC-BY-SA-2.0

Dritter Bericht der Wahlbörse zur US-Präsidentschaftswahl

Nach dem zweiten Rededuell zwischen den beiden Kandidaten hat sich gut eine Woche vor der Wahl relativ wenig verändert.

In einigen Bundesstaaten, auch in mehreren Swing States, hat sich Trump um einige Zehntel Prozentpunkte verbessert und liegt zudem bei den allerdings bedeutungslosen, nationalen Umfragen im Mittel nur noch neun Prozentpunkte zurück. Aber das wird nicht reichen, wenn es in den letzten Tagen nicht noch sehr massive Verschiebungen gibt.

Immer noch besteht eine fast völlige Übereinstimmung bei den großen amerikanischen Wahlportalen darüber, dass Biden aus den Staaten, die praktisch immer die Demokraten gewählt haben, insgesamt die Stimmen von 212 Wahlleuten erringt. Analog sind Trump 125 Stimmen sicher. Damit bleiben noch 201 Stimmen in den nunmehr 13 Swing States, bei denen sich früher häufig wechselnde Mehrheiten ergeben haben. Nimmt man aktuell an, dass bei diesen Bundesstaaten ein Vorsprung von fünf Prozentpunkten als sicher gilt, so erreicht Biden mit 279 Stimmen die Mehrheit, selbst wenn Trump die Stimmen aller übrigen Staaten erhalten sollte.

Genau hier müsste Trump ansetzen und im Endspurt mindestens einen dieser Staaten für sich gewinnen, z.B. Pennsylvania mit 20 Stimmen. Diesen Staat hatte Trump 2016 Clinton überraschend abgenommen, und auch in diesem Jahr könnte ihm wieder eine Schlüsselrolle zukommen. Aber nach den Modellrechnungen von Wahlguru Nate Silver hat Biden dort aktuell einen Vorsprung von über fünf Prozentpunkten und in der Wettbörse predictit eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 63 Prozent. Es ist außerdem durchaus möglich, dass Biden von den drei Bundesstaaten Arizona (11), North Carolina (15) oder Florida (29,) in denen sein Vorsprung zwei bis drei Prozentpunkte beträgt, zusätzliche Stimmen gewinnt. Am besten sind derzeit die Chancen dafür in Arizona.

Mit den entsprechenden elf Stimmen erreicht Biden 290 Wahlleute. Das ist - wie im letzten Bericht - genau wieder der aktuelle Stand der Konsensprognose der großen Portale, und zwar 290 Stimmen für Biden, 163 Stimmen für Trump und 85 Unentschiedene. Unsere PESM-Wahlbörse hat sich ebenfalls nur wenig verändert: Biden 315 Stimmen, Trump 220 Stimmen und 3 sonstige Stimmen. Dabei sind die Kurse recht stabil mit täglichen Schwankungen von höchstens fünf Stimmen.

Es wird immer enger für Trump. Gut eine Woche vor der Wahl liegt er weiter zurück als bei der Vorwahl 2016. Bisher konnte er kein letztes Ass aus dem Ärmel ziehen.

Gastbeitrag von Prof. Dr. Walter Mohr, Leiter der Prognosys Bewertungs GmbH.

(Walter Mohr)