Eukalyptus: Brotbaum, Problembaum

Eukalyptuswald. Bild: Bernd Schröder

Wird die Tragödie von Pedrógão Grande zu einem Überdenken des besonderen Verhältnisses der Portugiesen zu ihrem wirtschaftlich wichtigsten Baum führen?

Dieser Tage beschäftigt die Portugiesen vor allem eine Frage: Wie konnte es zum Unglück des 17. Junis 2017 kommen? Viele vermutete Ursachen werden diskutiert. Es herrscht ein Konsens, dass zumindest einige dieser Ursachen im Zusammenwirken das Ausmaß der Brandkatastrophe erst möglich machten, der bisher 64 Menschen zum Opfer fielen.

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Bei einem Punkt der Diskussion jedoch scheiden sich regelmäßig die Geister: beim Eukalyptus. Dabei ist die ihm oft zugeschriebene Gefährlichkeit weniger eine Folge des Baums selber als vielmehr der Art und Weise seiner intensiven Nutzung. Die Melange aus wirtschaftlichen Interessen großer Unternehmen und der Hoffnung kleinerer Waldbesitzer auf schnelle Amortisierung ihres Plantagenbetriebs hat mit der ungezügelten Verbreitung des Baums Probleme geschaffen, die über Fragen des Brandschutzes hinausgehen.

Zwischen 1797 bis 1801 bereisen die deutschen Botaniker Johann Centurius Graf von Hoffmannsegg und Heinrich Friedrich Link Portugal. Am Ende wird mit der "Flore Portugaise" eine umfassende Beschreibung der Vegetation des Landes stehen - sowie eine Schilderung der abenteuerlichen Reise. Hoffmannsegg verschlägt es dabei auch in jene Gegend, in der am vergangenen Wochenende die verheerendste Feuersbrunst der jüngeren portugiesischen Geschichte wütete, in das Gebiet um die Serra da Lousã, den Südwestzipfel der Cordilheira Central.

Am Fuße der Serra gibt es zwar vor allem See-Kiefern, Kastanien und hin und wieder Eichen zu sehen, doch die bergige Schieferlandschaft weiter oben erscheint dem Grafen in botanischer Hinsicht nicht sehr ergiebig - von der Sonne ausgedörrte, mit Heidekraut überzogene Berghänge. Vom Eichenwald, der einst die Serra bedeckte, ist nichts mehr zu erahnen.

Die Kargheit der Landschaft fällt nachfolgenden Besuchern auch 70 Jahre später noch auf. Zu diesem Zeitpunkt hat die Bewaldung des Landes aufgrund der vorangegangenen Nutzungsformen des Terrains einen historischen Tiefstand erreicht. Eine Folge: die in weiten Teilen des Landes zu beobachtende Verarmung und erosive Degradierung der Böden.

In der Gegend um Pedrógão Grande ist ein erster Streitfall zu Nutzungskonflikten bereits aus dem 15. Jahrhundert belegt. Auslöser ist der Mangel an Weideland; Anzeichen einer Übernutzung begrenzter Ressourcen bis hin zur Entwaldung sind bereits um diese Zeit zu spüren. Seit dem Baumgesetz von 1565 wird über Wiederbewaldungsmaßnahmen nachgedacht, die jedoch erst um 1880 einsetzen. Die Bemühungen nehmen mit dem Estado Novo unter Salazar an Fahrt auf und verwandeln die ehemalige Laubwaldregion in den größten zusammenhängenden Kiefernforst Europas.

Unmittelbar vor Hoffmannseggs Wanderung durch die Serra findet eine andere Reise statt, die für die Vegetation der Gegend wichtig werden soll: eine französische Expedition unter Bruni d'Entrecasteaux bricht 1791 trotz der Wirren der Revolution in die Neue Welt auf, um den im Pazifik vermissten Entdecker La Pérouse zu finden. Unter anderem an Bord: der Botaniker Jacques Labillardière, der später nicht nur wegen seiner Beschreibung der Reise bekannt wird. 1792 klassifiziert er auf Tasmanien unter anderem den Blauen Eukalyptus oder Tasmanischen Blaugummibaum, dessen Samen später nach Europa gelangen - auch nach Portugal.

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