III. Europa und Trump: Mäßigung gegen Maßlosigkeit

Wie geht es weiter?

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Vor allem eine alte politische Weisheit gilt für Europas Haltung gegenüber Trump für den Rest seiner Amtszeit: Mäßigung ist heilsam. Europäische Mäßigung ist das beste Mittel gegen Trumps Maßlosigkeit. Denn sie lässt ihn ins Leere laufen. Für Europa gilt im Umgang mit dem Trumpismus der alte Spruch Senecas [Seneca, de ira 2, 28, 6]: "Aequam memento rebus in arduis servare mentem!" Denke daran, in schwierigen Situationen einen ausgewogenen Geist zu bewahren!

Fakt ist: Trump ist seit seinem Amtsantritt dabei, sich mit allen Mitteln selbst zu unterminieren. Er macht sich nach allen Seiten hin Feinde - und demontiert sich auf allen Ebenen nicht nur hinsichtlich Kompetenzlegitimation mit scheinbar unendlichem Eifer selbst. Gerade hierin kann Trump für Amerika, die führende globale Demokratie, nach und nach zum historischen Beispiel werden, dass nationalistischer Rechtspopulismus nicht funktioniert. Wenn Trump sich weiterhin noch einige Zeit - wie noch nie ein Präsident vor ihm - selbst absägt, dann kann er auch zu einem abschreckenden Beispiel für die anstehenden Wahlen in Europa werden, darunter nach Frankreich in Italien und Deutschland. Er kann die Fleisch gewordene Verdeutlichung der Lehre sein, dass man Rechtspopulisten und Nationalisten trotz aller Verführungen am besten nicht wählt.

Deshalb kann sich der Trumpismus letztlich - und im historischen Rückblick - sowohl für Amerika wie Europa als jene typisch paradoxale Kraft erweisen, "die stets das Böse will und stets das Gute schafft". Trump kann, wie seine anglo-amerikanischen Kritiker mittlerweile unverblümt anhand von Fakten darstellen, "als der größte Ignorant aller Zeiten in die Geschichte eingehen".22 Er kann eben dadurch eine historische Lehre für die Wählerinnen und Wähler, für die Bürgerinnen und Bürger der westlichen Demokratien darstellen, was nicht wünschenswert ist, um es nach ihm zu vermeiden.

Und: Gerade verglichen mit Trumps USA scheint sich Jean-Claude Junckers Satz vom Juni 2017 zu bestätigen: "Wer in Europa geboren ist, hat in der Lotterie des Lebens gewonnen."23 Das kann den nachwachsenden Europäern eine Lehre zu mehr Selbstbewusstsein sein.

Roland Benedikter, Dr. Dr. Dr., ist Forschungsprofessor für Multidisziplinäre Politikanalyse am Willy Brandt Zentrum der Universität Wroclaw-Breslau, Global Futures Scholar an der Europäischen Akademie Bozen und Research Affiliate an der Global Studies Division der Stanford Universität. Kontakt: rolandbenedikter@yahoo.de.

(Roland Benedikter)

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