Europäer erwarten Lebensqualitätssteigerung durch autonome Autos

Bild: Ford

Weg zur Arbeit wird häufig als Stress empfunden

Einer vom Automobilhersteller Ford in Auftrag gegebenen Umfrage der Meinungsforscher von Penn Schoen Berland mit 5.000 Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Spanien nach haben viele Europäer bereits Pläne, wie sie autonome Automobile zur Verbesserung ihres Lebens einsetzen wollen: 80 Prozent der Befragten würden sich während einer automatischen Autofahrt entspannen, 72 Prozent würden telefonieren (was jetzt verboten ist) und 62 Prozent würden während der Fahrt essen (was nicht verboten, aber ebenfalls gefährlich ist, wenn man selbst fährt).

Besondere Erleichterung erhoffen sich Eltern, von denen jedoch lediglich 16 Prozent angeben, ihre Kinder unbegleitet in einem autonomen Auto zur Schule fahren zu lassen. Der Rest will sich während der Fahrt stärker um die Kinder kümmern.

Durchschnittlich verbringen Europäer etwa eine Stunde am Tag im Straßenverkehr und eine halbe Stunde im Auto. Der mit Abstand größte Teil davon entfällt auf den Weg zur Arbeit und zurück, der in Rom durchschnittlich 111, in London 104 und in Madrid 100 Minuten dauert. In einer Umfrage aus dem letzten Jahr stresste dieser Arbeitsweg durchwegs mehr Teilnehmer als die Arbeit selbst. In London und Rom erzielte das Pendeln sogar höhere Anteile als die ebenfalls zur Auswahl stehenden Ereignisse Zahnarztbesuch und Umzug.

Besonders stressig empfanden das Pendeln mit 49 Prozent Menschen, die drei oder mehr verschiedene Transportmittel nutzen und umsteigen mussten. Das zeigt, dass der oft unpünktliche und überfüllte öffentliche Nahverkehr nur bedingt geeignet ist, dieser Belastung abzuhelfen (vgl. Was gegen "Manspreading" und Grippewellen wirklich hilft). 38 Prozent der Befragten hatten den Eindruck, dass der Verkehr zunehmend unberechenbarer wird. Fast alle stehen deshalb früher auf, als sie müssten – 15 Prozent sogar 30 Minuten früher. Und 63 Prozent kommen wegen des unberechenbaren Verkehrs mindestens einmal im Monat zu spät zur Arbeit.

Thomas Lukaszewicz, der Europachef der Ford-Abteilung für automatisiertes Fahren, sieht die in der Umfrage ermittelten Vorstellungen einer Lebensqualitätssteigerung durch Roboterautos als Beleg dafür, dass auch Europa reif für die Einführung solcher Fahrzeuge ist, die in den USA bereits 2021 im Rahmen eines Ride-Sharing-Services regulär angeboten werden sollen. Auf dem alten Kontinent möchte das Unternehmen im nächsten Jahr mit Testfahrten beginnen.

Für Lukaszewicz ist das unter anderem deshalb eine “anspruchsvolle Herausforderung”, weil die Straßenverkehrsordnungen in Europa auch dann noch voneinander abweichen, wenn man das linksfahrende Vereinigte Königreich herausrechnet. Deshalb müssen Roboterautos hier eine Vielzahl verschiedener Regeln beherrschen und wissen, wo diese gelten.

Wird der Autoverkehr, wie vom Bundesrat gefordert, tatsächlich von benzin- und diesel- auf batteriebetriebene Fahrzeuge umgestellt, kommt man an deutlich stärker autonomen Fahrzeugen kaum vorbei: Da die Elektrofahrzeuge leiser sind, werden sie von Fußgängern und anderen Verkehrsteilnehmern weniger gut gehört, was die Unfallgefahr deutlich erhöht. Will man nicht einen der größten Vorteile von Elektromobilen aufgeben – dass sie leise sind – und die neuen Autos mit belästigenden Warntönen ausstatten, dann muss man ihnen Sensoren mitgeben, die andere Verkehrsteilnehmer frühzeitig erkennen und schneller (und gelassener) darauf reagieren, als es Autofahrer können.

In vorhergehenden Umfragen hatte Ford herausgefunden, dass etwa die Hälfte der Befragten glaubt, dass automatische Automobile den Straßenverkehr sicherer machen. Eine wichtige Rolle spielte bei dieser Einschätzung die verbotene (aber trotzdem häufig praktizierte) Gewohnheit, sich nach dem Ausgehen alkoholisiert oder (was ähnlich gefährlich ist) übermüdet ans Steuer zu setzen. (Peter Mühlbauer)

Anzeige