Europäische Umweltagentur: Luftverschmutzung in Europa weiterhin zu hoch

Bild: Foto-Rabe/Piabay.com/CC0

Belastung durch Ozon, Stickstoffoxide und Feinstaub vielfach über den EU- und WHO-Grenzwerten

Die Europäische Umweltagentur hat einen neuen Bericht zur Luftqualität bzw. Luftverschmutzung in der EU und anderen europäischen Ländern vorgelegt. Sie ist weiter beunruhigend. So lag die Feinstaubbelastung 2016 in den meisten Ländern über den Grenzwerten der EU und der WHO.

Zwar geht die Belastung zurück, doch in den Städten sind 13 Prozent der Menschen einer Feinstaubbelastung durch PM10 über den EU-Grenzwert und 42 Prozent über den WHO-Grenzwert ausgesetzt, für PM2,5 sind es 6 Prozent dem EU-Grenzwert und 74 Prozent nach dem WHO-Grenzwert. Bei der Belastung durch Stickstoffoxide sieht es ähnlich aus. Und an 96 Prozent der Messstellen wurden die WHO-Grenzwerte für Ozon überschritten, nach den niedrigeren EU-Maßstäben an 17 Prozent.

Allein durch Feinstaubbelastung werden nach den Schätzungen der Umweltagentur jährlich 391.000 vorzeitige Tode verursacht, in den 41 europäischen Ländern sind es 422.000. Besonders hohe Belastungen gibt es in Norditalien, Polen, auf dem Balkan und in der Türkei. An der Belastung durch Stickstoffoxide und Ozon sollen 79.000 bzw. 17.700 in allen europäischen Länder vorzeitig sterben.

Die höchste Ozonbelastung gibt es in Norditalien, Deutschland, Schweiz und Spanien, die höchste Stickstoffoxidbelastung in Deutschland, den Benelu-Ländern,Oberitalien und der Nordtürkei sowie in Großstädten wie Oslo, London, Paris. Madrid etc. Von 1990 bis 2015 soll aber nach Auswertung verschiedener Datenquellen die Feinstaubbelastung median um 60 Prozent in Europa zurückgegangen sein.

Auch die Belastung durch Stickstoffoxide ist zwischen 2010 und 2016 in der EU um 9 Prozent zurückgegangen, allerdings in der Landwirtschaft um 3 Prozent angestiegen. Hier blieben auch die Methan-, Stickoxid-, Ammoniak- und Feinstaubemissionen weitgehend konstant. Insgesamt aber ist trotz Anstiegs des BIP der EU die Luftverschmutzung zurückgegangen, am wenigsten bei Kohlenstoffmonoxid.

Nach dem Bericht sind freilich durch die Luftverschmutzung nicht nur Menschen gefährdet, sondern auch die Umwelt kann geschädigt werden: die Vegetation und die Ökosysteme, vor allem der Boden und das Wasser. Hier seien Ozon, Stickstoffoxide und Ammoniak (NH3) am gefährlichsten. Die Grenzwerte für Ozon wurden auf 31 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Europa und auf 61 Prozent der Waldflächen überschritten. 61 Prozent der Ökosysteme in Europa und 72 Prozent in der EU waren 2015 einer Luftverschmutzung ausgesetzt, die die Grenzwerte für Eutrophierung überschritten.

Die Umweltagentur weist darauf hin, dass die negativen Folgen der Luftverschmutzung allmählich zurückgehen. Das sei zurückzuführen "auf die Umsetzung europäischer Strategien zur Verbesserung der Luftqualität sowie auf die Einführung von Maßnahmen auf nationaler und lokaler Ebene, die beispielsweise Kraftfahrzeuge, die Industrie und die Energieerzeugung umweltfreundlicher gemacht haben". Immer noch aber sei sie zu hoch. Besonders hingewiesen wird auf die Verkehrsemissionen:

In Bezug auf die Luftverschmutzung sind Straßenverkehrsemissionen oft besonders schädlich, weil sie in Bodennähe und überwiegend in Städten in unmittelbarer Nähe zu den Menschen ausgestoßen werden. Deshalb ist es so wichtig, dass Europa sich noch stärker bemüht, die Emissionen aus Verkehr, Energieerzeugung und Landwirtschaft zu senken und diese Bereiche sauberer und nachhaltiger zu gestalten.

Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die für das Recht auf saubere Luft kämpft und die Fahrverbote durchgesetzt hat, sieht den Bericht als "alarmierend" an und fordert von der Bundesregierung Sofortmaßnahmen, nachdem die "Dieselpolitik von Autokanzlerin Angela Merkel" gescheitert sei:

Die größten umweltbedingten Beeinträchtigungen für die menschliche Gesundheit gehen von Feinstaub (PM2,5), Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon (O3) aus. Im dritten Jahr in Folge musste die EEA die Zahl der vorzeitigen Todesfälle durch das Dieselabgasgift NO2 in Deutschland und Europa heraufsetzen: 13.100 vorzeitige Todesfälle lautet die aktuelle Anzahl für Deutschland. Ebenfalls gestiegen ist die Anzahl vorzeitiger Todesfälle durch die Belastung mit Ozon, um mehr als ein Drittel auf 3000. Weiterhin auf hohem Niveau sind die über 60.000 vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub in Deutschland.

DUH

Die DUH verweist nicht nur auf den Verkehr, sondern auch auf die Luftverschmutzung durch die wieder modisch gewordenen Kaminöfen, die, vor allem wenn sie nicht richtig befeuert werden, für Feinstaubbelastung in den Städten sorgen. (Florian Rötzer)

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