Evangelikale Extremisten rufen am 11.9. 2010 zum "Burn a Koran Day" auf

Provozieren, um zu missionieren, ist das Geschäft des Dove World Outreach Center, dessen Leiter bis 2008 in Deutschland gewirkt hat

Christliche Fundamentalisten haben die aufkommende antiislamische Stimmung in den USA schon vorweggenommen, um sich in einem Kreuzzug gegen den Islam zu profilieren. Um ja genügend Aufmerksamkeit zu erregen und für Provokation zu sorgen, will das Dove World Outreach Center, eine evangelikale Kirche in Gainesville, Florida, den 11. September zum Burn a Koran Day machen und zwischen 6 Uhr und 9 Uhr Lokalzeit eine Bücherverbrennung durchführen, um der Opfer der Terroranschläge zu gedenken und "gegen das Böse des Islam" zu kämpfen.

Der Islam nämlich ist für den militanten Christen "des Teufels", eine "böse Religion", für die Anschläge vom 11.9. wird der Koran verantwortlich gemacht. Kritik gegen die Aktion kommt aber selbst von der National Association of Evangelicals.

Terry Jones, der den hassenden Islam hasst und damit für seine Kirche und sein Buch wirbt

Der Leiter der Kirche, Terry Jones, hat auch gleich ein Buch mit diesem Titel geschrieben: Islam is of the devil!, das er mit der geplanten Aktion auch gleich bewirbt. Aufgerufen wird, der christlichen Religion zu ihrer von Gott gewünschten dominanten Position zu verhelfen, was nur durch den Kampf gegen den vom Satan beherrschten Islam gehen könne. Man stehe dabei "an der Front des größten geistigen Kampfes unserer Zeit", dem man nicht nur mit dem Kauf des Buches, sondern auch von T-Shirts oder Bechern mit der Aufschrift "Islam is of the devil" unterstützen soll.

Der Islam wird von Terry Jones, der sich keineswegs als Vertreter einer "Religion des Friedens" geriert, als gewalttätig dargestellt. Dem muss man offenbar den christlichen Dschihad gegenüberstellen. Jones und seine Anhänger suchen die Provokation. So stellten sie ein Schild mit der Aufschrift "Islam is of the devil" vor der Kirche auf und schickten Kinder mit einem entsprechend bedruckten T-Shirt in die Schule. Das Schild vor der Kirche, so sagte Jones, sei nur ein Zeichen der Liebe für die Muslime, da man sie damit informiere, dass "das Christentum der einzige Weg zum Himmel" sei. Ähnlich rechtfertigt er die Bücherverbrennungsaktion.

Das Schild vor der Kirche

Terry Jones hat lange Zeit in Deutschland gelebt und bis 2008 in Köln ein religiöses Zentrum, die Christliche Gemeinde Köln, geleitet (Video). Angeblich hat ihn sogar Gott nach Deutschland geschickt, um dort eine Kirche aufzubauen. Dabei habe man, berichtet Jones, viel Widerstand erfahren. Die Ablehnung der Christenheit sei hier "sehr gewalttätig", allerdings gab sich Jones sicher, dass die apostolische Kirche die Politik beeinflussen können werde. Und er versichert, die apostolische Kirche, also die seine, müsse kämpfen, um das "Land, das der Teufel gestohlen hat, wieder zu erobern". Als Apostolischer miete man Land oder Immobilien nicht, man kaufe und besitze es.

Für ihn ist die Kirche im Kampf, sie müsse sich als "Armee" verstehen. 2002 musste Jones übrigens in Deutschland 3000 Euro Strafe zahlen, weil er einen in Deutschland nicht anerkannten, von einer kalifornischen Bibelschule verliehenen Ehrendoktortitel führte. 2008 hat sich die CGK von Jones getrennt und alle Hinweise auf ihn von der Website gelöscht.

Ausführlich führt Pastor Sapp aus, warum der Koran verbrennt werden muss, und führt dies dann auch vor

Die militante Kirche, die auch gegen Schwule mobilisiert und beispielsweise gestern einen Protest gegen den schwulen Bürgermeister von Gainesville organisiert hat ("No Homo Mayor Protest"), macht angeblich nicht nur dubiose Geschäfte und wird des Steuerbetrugs verdächtigt, sie zehrt davon, andere buchstäblich zu verteufeln, um ihre Militanz zu demonstrieren. Warum es die Pflicht der Christenmenschen sei, den Islam zu bekämpfen und den Koran zu verbrennen, begründet Pastor Wayne Sapp ziemlich eigenwillig etwa so:

Um Christ zu sein, muss man nicht in die Kirche gehen. Christ zu sein, bedeutet nicht, an Gott glauben. Christ zu sein, bedeutet, Christ ähnlich zu sein oder zumindest zu versuchen, in diese Richtung zu gehen. Und Jesus, der Christus, wurde geschickt oder ist erschienen, um die Werke des Teufels zu zerstören. Und das ist es, was wir tun werden.

Wayne Sapp

Allerdings ist für die wackeren Bibelmilitaristen nicht nur der Islam eine Ausgeburt des Bösen, sondern alles, was nicht christlich ist. Es gebe nur einen einzigen Weg zur Erlösung, sagt die Kirche bzw. Sekte, und die sei "durch das Blut von Jesus". So heißt es auch: "Abtreibung ist Mord. Homosexualität ist Sünde." Man müsse seine Sünden bereuen und ein Wiedergeborener werden: "Jede Religion, die etwas anderes als diese Wahrheit verkündet, ist des Teufels." Schön auch die Formulierung von Jones: "The Koran: a book of hate from a god of hate. We hate the Koran!" (Florian Rötzer)

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