Export von russischem Rohöl in die USA auf Rekordhöhe

Bild: Rosneft

Da Ölkonzerne schweres Rohöl benötigen, das bislang aus Venezuela kam, springt ein von den USA sanktioniertes Land für ein gleichfalls sanktioniertes Land ein

Mitunter folgen Sanktionen einer seltsamen Logik. Im Januar und Februar importierten die USA aus Venezuela noch mehr als 26 Millionen Barrel Rohöl, täglich zwischen 500.000 und 700.000 Barrel. Das war bereits etwas weniger als ein Jahr zuvor. Im Februar waren es noch 239.000 Barrel täglich. Ende Januar verbot die US-Regierung Importe vom staatlichen venezolanischen Konzern PdVSA, woraufhin die Förderung in Venezuela von fast 1,2 Millionen Barrel im Januar auf unter 740.000 im März zurückging. Im April wurden noch 139.000 Barrel pro Tag in die USA exportiert, Ende April mit dem Eintritt des Embargos nichts mehr.

Allerdings sind letzte Woche doch wieder 49.000 Barrel pro Tag eingeführt worden. Wenn die Käufe noch vor dem Januar erfolgt sind, dürfen sie noch in die USA importiert werden. Allerdings sollen die Zahlungen nicht mehr an PdVSA, sondern nur auf Sonderkontos gehen.

Für den Ausfall aus Venezuela sind aber ausgerechnet die Importe von schwerem sibirischem Rohöl in die USA plötzlich angestiegen. Einige Konzerne in den USA, darunter Citgo, haben bislang fast ausschließlich schweres Rohöl aus Venezuela verarbeitet und sind davon abhängig, einen Ersatz dafür zu finden. Daher stiegen auch die Importe aus dem Irak, aus Nigeria, Brasilien und Angola an. Dagegen gerät PdVSA immer mehr unter Druck, da immer weniger Öl gefördert und auch verschifft werden kann, während die Schulden steigen.

So versucht gerade die deutsche Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM), die einige PDVSA-Tanker betreibt, drei davon wegen der noch nicht gezahlten Schulden einzukassieren. Sie sollen sich auf 16 Millionen US-Dollar belaufen. BSM hat PDVSA bereits vier Tanker zurückgegeben und will das mit weiteren neun machen. Aber PDVSA hat wegen der Sanktionen und Schulden Schwierigkeiten, einen anderen Betreiber und Personal zu finden. Angeblich sollen Kapitäne von PDVSA-Tankern, die zwischen Venezuela und Kuba unterwegs sind, aufgefordert worden sein, die Transponder auszuschalten, um nicht mehr von den USA entdeckt zu werden.

Wie Bloomberg berichtet, liefern jetzt 13 Tanker aus Russland fast 5 Millionen Barrel Rohöl in die USA. Man geht davon aus, dass die USA, deren Regierung Deutschland wegen der Abhängigkeit von russischem Gas und dem Bau von Nord Stream 2 unter Druck setzt, die monatlichen Ölimporte verdreifachen wird, um den Ausfall venezolanischen Rohöls zu kompensieren: "Russische Lieferungen in die USA sind auf Speed", sagte Russ Dallen von Caracas Capital Markets. Im ganzen letzten Jahr wurden aus Russland 7,5 Millionen Barrel sibirisches Öl importiert. 2014 und 2015 gab es keine Importe, 2016 und 2017 waren es 2,9 bzw. 1,6 Millionen Barrel.

Sputnik zitiert Russ Dallen, der sagte, es sei ironisch, dass nun für Rohöl-Importe ein von den USA sanktioniertes Land profitiert. Zudem zeigte sich die US-Regierung wegen der Präsenz russischer Soldaten in Venezuela empört und fordert mit Verweis auf die wiederbelebte Monroy-Doktrin deren Abzug. US-Außenminister Pompeo hatte Ende März gewarnt, dass die USA nicht untätig zusehen würden, wenn Russland Venezuela unterstützt. Die russischen Soldaten würden die Spannungen verstärken.

Da auch wegen des Ausfalls durch die Sanktionen gegen den Iran und Venezuela in europäischen Ländern ein Bedarf an Rohöl entstanden ist, konnte Russland auch hier mehr zu höheren Preisen exportieren. Nach Angaben von Sputnik "verdienten russische Ölunternehmen im März 140 Mio. Dollar mehr als im Oktober, vor der Einführung der Ölsanktionen gegen den Iran und vor dem Verbot für Öllieferungen aus Venezuela durch Trump". (Florian Rötzer)