Exzentrischer Geozentriker

Saudischer Theologe leugnet Drehung der Erde

Wenn Dänen oder Franzosen die islamische Religion zum Gespött machen, dann sind Fanatiker schnell mit der Kalaschnikow bei der Hand. Blamieren dagegen saudische Theologen diesen Glauben, dann bleiben solche Reaktionen bislang aus. So kann beispielsweise der Scheich Bandar al-Khaibari ohne Gefahr für Leib und Leben die Behauptung aufstellen, dass sich die Erde nicht nur nicht um die Sonne, sondern überhaupt nicht dreht.

Um diese merkwürdige Ansicht zu untermauern, führte der exzentrische Geozentriker vor der Kamera ein noch merkwürdigeres Schauspiel mit einem Becher Wasser auf, mit dem er darlegen will, dass man mit einem Flugzeug von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus entweder in der Luft stehend [sic] oder nie in China ankommen müsste, wenn sich die Erde dreht. Der Auftritt, über den selbst antike Griechen gelacht hätten, machte schnell in sozialen Medien wie Twitter die Runde - auch unter kopschüttelnden moslemischen Nutzern.

Bandar al-Khaibari erklärt, warum sich die Erde seiner Ansicht nach nicht dreht

Scheich Bandar al-Khaibaris ergänzte seine Bechershow mit dem Hinweis, andere wahabitische "Gelehrte" hätten schon vor ihm festgestellt, dass sich die Sonne um die Erde dreht, während diese stillsteht. Damit bezog er sich unter anderem auf den 1999 verstorbenen saudischen Großmufti Abd al-Aziz ibn Baz, der die Vorstellung, dass die Erde um die Sonne kreist, als mit dem Koran unvereinbaren Unglauben verdammt hatte.

Wer versucht ist, so etwas zu glauben, der kann sich im Kirchhoff-Institut für Physik an der Universität Heidelberg und in zahlreichen Museen ein Focaultsches Pendel ansehen - ein langes Seil, an dem eine schwere Kugel hängt, deren Ausschlag sich im Laufe eines Tages im Uhrzeigersinn dreht. Mit einem etwas kleineren Instrument dieser Bauart hatte der französische Physiker Léon Foucault 1851 auch für Laien sehr anschaulich bewiesen, dass sich die Erde drehen muss.

Foucaultsches Pendel am Kirchhoff-Institut für Physik an der Universität Heidelberg

(Peter Mühlbauer)

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