F-16: "Teuerste Staubsauger"

F-16. Foto: Staff Sgt. Cherie A. Thurlby, U.S. Air Force

Bulgarien debattiert über den Kauf neuer Kampfflugzeuge

Die Woennowasduschni sili na Balgarija, die bulgarischen Luftstreitkräfte, verfügen derzeit über 20 MiG-29-, 14 Su-25- und drei MiG-21-Kampfflugzeuge aus sowjetischer Produktion, die zwischen 1964 und 1989 in Betrieb genommen wurden. Die NATO, der das Land am 29. März 2004 beitrat, ist damit nicht zufrieden. Sie übt Druck auf das Land aus, neue Jagdflugzeuge aus westlicher Produktion einzukaufen.

Die F-35 von Lockheed Martin gelten zwar als die derzeit besten verfügbaren Kampfjets, sind aber auch die teuersten (vgl. Lindsey Graham: NATO ist die "beste amerikanische Investition seit dem Zweiten Weltkrieg"). Günstiger zu haben wären die deutsch-britisch-italienisch-spanischen Eurofighter, deren Kauf aber vom bulgarischen Verteidigungsministerium ebenfalls nicht in Betracht gezogen wird.

Mit ihnen machte bereits Österreich so schlechte Erfahrungen, dass es die Flugzeuge nach mehreren parlamentarischen Untersuchungsausschüssen und Ermittlungen der Justiz ab 2020 nach und nach ausmustern und andere Maschinen kaufen wird, die kostengünstiger, besser ausgerüstet, weniger mängelbehaftet und "Tag und Nacht einsatzbereit" sein sollen (vgl. Österreichischer Verteidigungsminister zeigt Airbus an und Merkel und Macron planen Eurofighter-Nachfolger).

US-Staatsführung verbietet Gebrauchtverkauf modernisierter Maschinen

Für weniger Geld angeboten werden das schwedische Mehrzweckkampfflugzeug Gripen (für das sich Ungarn und Tschechien entschieden), der französische Mirage-Nachfolger Rafale (der bislang außerhalb seines Herstellerlandes nur außereuropäische Abnehmer fand - vgl. Später Erfolg für einen Ladenhüter), die chinesischen Chengdu (die man bei der NATO ähnlich ungern sehen würde wie russische Suchoi) und die F-16 von Lockheed Martin.

Bei Letzteren muss der Abnehmer allerdings in Kauf nehmen, dass die seit 1976 in Serie produzierten Maschinen nicht mehr unbedingt in jeder Hinsicht dem neusten Stand der Technik entsprechen. Kroatien wollte deshalb zwölf F-16 zum Ersetzen seiner zwölf MiG-21 nicht aus den USA, sondern gebraucht aus Israel kaufen. Dort hatte man die Maschinen bereits vor geraumer Zeit mit eigener moderner Elektronik nachgerüstet. Die US-Staatsführung verweigerte jedoch im Januar ihre Zustimmung zum Weiterverkauf der Flugzeuge (vgl. Gebrauchtkampfflugzeughandel zwischen Kroatien und Israel geplatzt).

Staatspräsident und Ex-Luftwaffenkommandeur: "Triumph des Lobbyismus"

Anders entschied das amerikanische Außenministerium diese Woche über den Wunsch der bulgarischen Staatsführung, acht neue F-16 für insgesamt drei Milliarden Lew direkt vom amerikanischen Hersteller zu erwerben. Dieser Preis soll auch die Bewaffnung und Wartung der Maschinen sowie die Pilotenausbildung beinhalten.

Mit diesem Geschäft sind allerdings nicht alle bulgarischen Politiker einverstanden. Manche sind der Auffassung, dass das mit einem Bruttoinlandsprodukt von umgerechnet nur etwa 57 Milliarden Dollar nicht unbedingt finanzstarke Land sein Steuergeld sinnvoller ausgeben könnte. Einer davon ist der parteifreie bulgarische Staatspräsident Rumen Radew, der vor seiner Wahl Kommandeur der bulgarischen Luftstreitkräfte war. Er sprach angesichts des deutlich höher als erwartet liegenden Preises für die acht Kampfflugzeuge von einem "Triumph des Lobbyismus".

"Niemanden einschüchtern können, sondern lediglich die US-Wirtschaft mit [fast] zwei Milliarden Dollar stützen"

Sein Vornamensvetter Rumen Petkov, der der Sozialdemokraten-Abspaltung Alternatiwa sa Balgarsko Wasraschdane, der "Alternative für bulgarische Wiedergeburt" (ABW) vorsteht, verglich die F-16 im Sender Kanal 3 mit den "teuersten Staubsaugern". Damit spielte er nicht auf die Leistung der Maschinen an, deren Ruf bei den jüngsten Kämpfen zwischen Indien und Pakistan etwas litt (vgl. Kaschmir: Abschüsse und Verkäufe), sondern auf das Verkaufsverhalten der Amerikaner. Die handeln seiner Meinung nach nicht wie Verbündete, sondern wie Hausierer. Mit den F-16 wird Bulgarien seinen Worten nach "niemanden einschüchtern können, sondern lediglich die US-Wirtschaft mit [fast] zwei Milliarden Dollar stützen".

Damit ist er sich in dieser Frage verhältnismäßig einig mit Wollen Siderow, dem Vorsitzenden der nationalistischen Ataka-Partei. Der nahm die amerikanische Genehmigungsbegründung, das Geschäft werde "zur Interoperabilität mit den USA und der NATO beitragen", zum Anlass, den Amerikanern vorzuschlagen, "uns diese Flugzeuge kostenlos zu überlassen - ebenso wie wir ihnen seit 13 Jahren vier Militärstützpunkte kostenlos zur Verfügung stellen". Außerdem, so Siderow, hätten sie das auch bei Ägypten und Indonesien so gehandhabt. (Peter Mühlbauer)