F-35-Abgabe an Vereinigte Arabische Emirate?

F-35. Foto: U.S. Air Force / Master Sgt. Donald R. Allen

USA und Israel verhandeln

Diese Woche war der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz zu Besuch in Washington. Bei seinen Gesprächen dort ging es unter anderem um die Lieferung von F-35-Kampfjets, die Donald Trumps Berater Jared Kushner den Vereinigten Arabischen Emiraten als Gegenleistung für eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel in Aussicht gestellt hatte.

Qualitativer militärischer Vorsprung

Bislang werden diese mit Abstand teuersten Kampfflugzeuge der Welt nicht an arabische Länder verkauft. Ein Grund dafür ist ein nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 abgegebenes amerikanisches Versprechen, darauf zu achten, dass Israels qualitativer militärischer Vorsprung gegenüber der arabischen Welt erhalten bleibt. Bei seinem Besuch in Jerusalem am 24. August versicherte der amerikanische Außenminister Mike Pompeo dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu noch einmal, dass an dieser Zusage nicht gerüttelt wird.

Medienberichten nach werden deshalb Möglichkeiten einer technischen Lösung debattiert, die es erlaubt, F-35 an die Emirate zu liefern, ohne das gegenüber Israel abgegebene Versprechen zu brechen. Eine potentielle Möglichkeit wäre, Israel mit Fähigkeiten auszustatten, die es den Streitkräften des Landes erlauben würden, die Tarnkappenflugzeuge schneller und besser zu erkennen.

Softwarelösung?

Eine andere Option wäre eine Einschränkung der Fähigkeiten der F-35 für die Vereinigten Arabischen Emirate, so dass diese nicht ganz so leistungsfähig sind wie die zwei Dutzend an Israel gelieferten Maschinen. Doug Birkey vom Mitchell Institute for Aerospace Studies in Washington zufolge wäre das auch als Softwarelösung denkbar. Seinen Angaben nach gibt es das bereits: "Wenn Piloten aus anderen Ländern an amerikanischen F-35 trainiert werden, dann geben sie beim Start eine Kennung ein, die bestimmte Fähigkeiten der Maschine freigibt und andere nicht."

Aktuell setzt sich die Kampfjetflotte der Emirate aus 54 amerikanischen F-16E, 25 F-16F und 66 französischen Dassault Mirage 2000E/-9 zusammen. Mit letzteren scheint das Land eher bedingt zufrieden zu sein: Es möchte stattdessen etwa 60 neuere Rafale mit AESA-Radar. Verhandlungen bezüglich so einer Modernisierung scheiterten bislang daran, dass Frankreich seine alten Mirage nicht in Zahlung nehmen wollte.

Diese Verhandlungen könnten sich im Falle einer F-35-Lieferung durch Lockheed Martin ebenso erledigt haben wie Versuche, das Land vom Eurofighter zu überzeugen. Auch für andere amerikanische Rüstungsunternehmen ist die Golfmonarchie, die 2016 23,5 Milliarden US-Dollar ihres insgesamt 113 Milliarden US-Dollar umfassenden Staatshaushalts für Verteidigung ausgab, ein interessanter Markt: Zum Beispiel zum Absatz von Kampfpanzern, die die Emirate bislang in Frankreich kauften.

Gemeinsamer Feind Iran

Die ehemalige "Piratenküste" ist erst seit 1971 von Großbritannien unabhängig. Aus damals etwa 240.000 Einwohnern wurden in weniger als 50 Jahren zehn Millionen. Fast neunzig Prozent davon sind keine Staatsbürger, sondern Arbeitskräfte aus Indien, Ägypten, Bangladesch, Pakistan, den Philippinen und anderen Ländern. Um den Autoverkehr einzudämmen, bekommt dieser Teil der Bevölkerung nur ab einem Mindesteinkommen einen Führerschein ausgestellt. Anders als in Saudi-Arabien gibt es aber christliche Kirchen und Hindu-Tempel.

Vom wahhabitischen Nachbarn trennt das Land auch eine Grenze, die umstritten ist: Diese Grenze verläuft zwar im Sand, führt aber trotzdem immer wieder zu Spannungen. Zuletzt in den Nullerjahren, als die Saudis einen Korridor zu Katar besetzten. Die Saudis und die Emirate haben allerdings einen gemeinsamen Feind, der diese Spannungen in den Hintergrund treten lässt: den Iran. Mit Hinweisen auf diesen Feind machte Pompeo Israel auch eine Genehmigung von F-35-Lieferungen schmackhaft.

Die Normalisierung der Beziehungen, die die beiden Länder am 15. September offiziell besiegelten (vgl. "Vorbote einer neuen Friedensdämmerung"), könnte für die Emirate nicht nur militärische, sondern auch andere Vorteile bringen: Derzeit erwirtschaftet die Wüstenmonarchie ihre etwa 70.000 US-Dollar Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nämlich hauptsächlich mit Öl und Gas - Brennstoffe, die sich nicht unbegrenzt lange fördern lassen.

Außer auf den Tourismus (der inzwischen jährlich 19,4 Milliarden US-Dollar in die Kassen spült), auf Fluggesellschaften, auf Investitionen in anderen Ländern (vgl. Arabische Franken besiegen französische Schwaben), auf Kernkraft und auf die Aluminium- und Zementherstellung setzt man deshalb auch auf die Entsalzung von Meerwasser, mit der das aktuell nur zu etwa einem Prozent besiedelte Wüstenland Obst, Gemüse und Tabak bewässern will. Ein Vorhaben, zu dem israelische Firmen viel Know-How beisteuern könnten. (Peter Mühlbauer)