Fahrlässige Währungs-, Geldmengen- und Zinspolitik

Unter Bankstern - Teil 12

Es ist ziemlich lächerlich, wenn sich ein Staat Geld von sich selbst leiht und dafür auch noch Zinsen bezahlt. Dies widerspricht dem gesunden Menschenverstand, da ein auf Schulden aufgebautes System nie zu wahrem Wohlstand kommen kann. Dieser wird immer nur so lange auf Zeit geliehen, bis das System zusammenbricht. Genau dies geschah beispielsweise bei der Gründung der Bank of England, die zu den ältesten Banken der Welt zählt. Der 27. Juli 1694 gilt als ihr Gründungsjahr, entstanden aus einer Gläubigergemeinschaft, die dem englischen Königshaus aufgrund der schlechten Situation der Staatsfinanzen einen Kredit in Höhe von 1,2 Millionen Pfund zu einem Zinssatz von acht Prozent gewährte.

Damit der Kredit gewährt wurde, sollten die Kreditgeber das Recht erhalten, in Höhe des Darlehens Banknoten auszugeben und Bankgeschäfte zu betreiben. Die ersten Geschäftsräume der Bank lagen in den Mercer’s und Grocer’s Halls, den Zunfthäusern der Seidenwarenhändler und Krämer. Das Quasi-Privileg der Bank, dass außer ihr keine Bankgesellschaft in England Noten ausgeben dürfe, wurde mehrmals verlängert. Es war ein Quasi-Monopol, da in Schottland Kaufleute und Goldschmiede einfache Banken betrieben, mit denen sie neben der Kreditvergabe auch den Geldwechsel und Devisenhandel betrieben.

Im Jahr 1695 wurde die Bank of Scotland auf Beschluss des schottischen Parlaments gegründet, der es jedoch verboten war, der Regierung ohne Zustimmung des Parlaments Darlehen zu gewähren. Im Jahr 1727 entstand mit der Royal Bank of Scotland als zweiter Staatsbank ein Gegenspieler zur Bank of England, die eigene Banknoten herausgab. 1734 wurde der Hauptsitz der Bank an die Threadneedle Street verlegt. Das Institut führte die Konten der Regierung und gab auch Darlehen zur Finanzierung von Kriegen. Nachdem sich die Bank of England und die Royal Bank of Scotland bekämpften, einigte man sich im Jahr 1751, die Banknoten der Konkurrenz zu akzeptieren. Als sich im 18. Jahrhundert die Regierung immer mehr Geld lieh, wurde der Begriff der Staatsverschuldung geboren. Dadurch, dass die Bank of England auch Einlagen entgegennahm, konnte sie ihre Geldschöpfung ständig weiter ausbauen und so den Kapitalbedarf der Regierung befriedigen. Mit dem wachsenden Vertrauen in die Bank wurde die Bank of England 1781 zum staatlichen Schatzamt und es fiel ihr die Verantwortung zu, im Falle von Banken-Runs die Krise zu managen.

Die Bank of England hielt zu diesem Zweck genügend Gold, um es gegen Banknoten einzutauschen. Als durch den Krieg gegen Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts die finanziellen Mittel zusehends verbraucht waren und der Deckungsgrad der Barmittel zum Notenumlauf unter 15 Prozent fiel, wurde die Einlösbarkeit der Banknoten suspendiert. Anfang des 19. Jahrhunderts mussten Bankkunden, die Bargeld benötigten, ein Disagio von 30 Prozent hinnehmen, eine Form der Enteignung, die an Dreistigkeit kaum zu überbieten war. Damit es zu keiner weiteren Aufblähung der Notenausgabe gegenüber dem Eigenkapital der Bank kam, wurde im Bankprivileg-Gesetz von 1844 die Notenausgabe vom Goldbestand der Bank abhängig gemacht. Es wurde von der Bank of England gefordert, die Bücher zur Notenausgabe getrennt von jenen für die Bankgeschäfte zu führen. Damit hatte die Bank of England fortan das alleinige Recht zum Drucken von Banknoten in England und Wales und übernahm zusehends die Funktion einer Zentralbank, die im Falle von Finanzkrisen für Stabilität zu sorgen hatte.

In solchen Zeiten wurde die Notendeckungspflicht von Darlehen immer wieder aufgehoben, um die Liquiditätslage in der Wirtschaft zu verbessern. Am 21. September 1931 wurde der Goldstandard endgültig aufgehoben, wobei der nationale Goldbestand und die Devisenreserven dem Schatzamt (Treasury) übertragen wurden. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Bank am 1. März 1946 verstaatlicht, wobei die Altaktionäre einen Abfindungsbetrag von etwa sechs Millionen Pfund in Regierungsanleihen erhielten. Was jedoch trotz dieser angeblichen Verstaatlichung ein Rätsel bleibt, ist, warum die Bank of England immer noch Zinsen für das Geld nimmt, das sie dem Staat leiht. Dies ist sicherlich die abstruseste Farce der englischen Wirtschaftsgeschichte.

Der Englisch-Amerikanische Krieg von 1812 endete für die USA durch die Wiederherstellung des Friedens von Gent am 24. Dezember 1814 glimpflich. Zwar konnten die USA auf dem Lande militärische Erfolge vorweisen, jedoch waren sie der britischen Seemacht hoffnungslos unterlegen. Die Aussicht auf Frieden führte zu einer Aufbruchstimmung im Land, welche die Börse seit 1814 deutlich anheizte. Zum Schutz der eigenen Industrie beschloss der Kongress überdies eine drastische Erhöhung der Zölle für ausländische Waren. Damit setzte ein wirtschaftlicher Boom ein, der zu einem massiven Anstieg der Geldmenge führte.

Nachdem das Geldmengenwachstum immer größere inflationäre Gefahren mit sich brachte, entschloss man sich im Kongress, eine neue Zentralbank zu gründen, die am 7. Januar 1817 als Second Bank of the United States ihren Geschäftsbetrieb aufnahm. Doch anstatt die Situation zu regulieren, verschlimmerte die neue Zentralbank die Gesamtlage. In diese Zeit fällt auch die Gründung der bekanntesten Wertpapierbörse der Welt, der New York Stock Exchange (NYSE). Der Grundstein für die New Yorker Aktienbörse wurde bereits Jahre zuvor am 17. Mai 1792 gelegt, als 24 Broker in der Wallstreet ein Abkommen für den Handel in Wertpapieren (damals lediglich zwei Aktien und drei Staatsanleihen) unterzeichneten. Die eigentliche Gründung einer formellen Organisation fand am 8. März 1817 statt, wobei zum ersten Mal ein Börsenreglement festgelegt wurde.

Da die korrupten Manager der Zentralbank keine restriktive Geldpolitik verfolgten, sondern weiter hohe Kredite ausgaben, nahm das Unheil seinen Lauf. Betrügereien, Bestechungsgelder, Korruption und das Eingehen abenteuerlicher Risiken gehörten zum alltäglichen Geschäftsgebaren. Als dann die Preise im Rohstoffbereich zu bröckeln begannen, kam die auf Krediten aufgebaute Wirtschaft ins Schlingern. Immer mehr Schuldner wurden zahlungsunfähig. Durch die erste Teil-Rückzahlung des Louisiana-Kaufs aus dem Jahr 1803, welcher mit Münzgeld und Gold bezahlt werden musste, wurde die Deckung des Papiergeldes massiv verringert. Beide Faktoren verstärkten den Zusammenbruch des Kreditkartenhauses, welcher 1818 zum Crash an der Börse führte. Die deflationären Kräfte wurden so groß, dass fast jede Branche und jedes Produkt von einem massiven Preisverfall betroffen war. So kollabierten beispielsweise in Pennsylvania die Preise für Land von 150 US-Dollar pro Morgen im Jahr 1815 auf 35 US-Dollar im Jahr 1819. Durch die Firmenpleiten stieg die Zahl der Arbeitslosen unaufhörlich an. Die Konsequenz: Bezogen auf die gesamten USA waren etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung von etwa neun Millionen Einwohnern massiv durch die Krise betroffen.

Die wichtigste Rolle für die Einführung einer Zentralbank spielten die beiden Warburg-Bürder Paul und Felix, die 1902 von Deutschland aus in die Vereinigten Staaten einwanderten und durch ihre strategischen Hochzeiten schnell an Einfluss gewannen - Paul Warburg heiratete Nina Loeb (Tochter von Solomon Loeb des Bankhauses Kuhn-Loeb & Co) und Bruder Felix heiratete Frieda Schiff (Tochter von Jakob Schiff, der treibenden Kraft hinter Kuhn-Loeb). Paul Warburg setzte sich seit 1907 zusammen mit Nelson Aldrich (Morgans Lobbyist im Senat) für die Einführung einer Zentralbank ein. Im Jahre 1910 gab es ein Geheimtreffen auf der Jekyl-Insel in Georgia, zu dem Henry P. Davison (J. P. Morgan & Co.), Frank A. Vanderlip (National City Bank, im Besitz von Rockefeller), A. Piatt Andrew (Assistenzsekretär des Schatzamtes), Benjamin Strong (Morgans Bankers Trust Company) und Paul Warburg (Partner von Kuhn-Loeb) eingeladen waren. Dort wurde eine Gesetzesvorlage zur Einführung einer Zentralbank erarbeitet, wobei Warburg den Begriff Zentralbank nicht verwenden wollte, sondern den Namen Federal Reserve System (Bundesstaatliches Rücklagensystem) vorschlug.

Als Präsident Wilson zur Wahl stand, versprach er dem Land ein freies Geldsystem. Die Bankiers unterstützten seine Präsidentschaftskandidatur (zu den Geldgebern zählten unter anderem der Bankier Jakob Schiff, die Spekulanten Bernard Baruch und Thomas Fortune Ryan sowie Adolph Ochs, der damalige Herausgeber der New York Times). Als Strippenzieher im Hintergrund, vor allem, um das Projekt Federal Reserve im Parlament durchzuboxen, wirkte Edward Mandell House, der später wichtigste außenpolitische Berater von Präsident Woodrow Wilson und im Jahr 1919 Verhandlungsführer der US-Delegation bei den Versailler Vertragsverhandlungen. Am 23. Dezember 1913 wurde durch Präsident Wilson die größte Torheit der Wirtschaftsgeschichte begangen. Bankiers erlangten die Macht über die Währung der USA.

Ein Bankenkartell aus den damals dominierenden Bankhäusern Rothschild, Rockefeller, Morgan, Warburg und Kuhn-Loeb überlistete den amerikanischen Kongress und rief die Federal Reserve ins Leben. Das Gesetz wurde von der Abgeordnetenkammer beschlossen, als die meisten Parlamentarier schon im Weihnachtsurlaub waren. Der angesehene Kongressabgeordnete Charles A. Lindbergh Sr., Vater des berühmten Atlantiküberquerers gleichen Namens, bezeichnete die Gründung der Fed sogar als das größte Verbrechen in der Geschichte der USA. Die Fed besteht aus dem Board of Governors, zwölf regionalen Federal Reserve Banks und einer Vielzahl von Mitgliedsbanken und anderen Institutionen.

Die Mitgliedsbanken sind zwar Eigentümer der Federal Reserve, jedoch wird das Direktorium vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt. Das wichtigste Gremium der Fed ist das Federal Open Market Committee, welches die Geld- und Währungspolitik der Vereinigten Staaten lenkt. Die Hauptziele der auf Wachstum fokussierten Geldmarktpolitik der Fed sind die Sicherung eines hohen Beschäftigungsstandes, die Preisstabilität sowie moderate langfristige Zinsen. Als Steuerungsinstrumente stehen der Fed Offenmarktgeschäfte (An- und Verkauf von Wertpapieren der Geschäftsbanken), Diskontkredite sowie das Festlegen der Mindestreservesätze zur Verfügung.

Der amerikanische Staat kauft der Zentralbank ihr bedrucktes, wertloses Geld zu hohen Zinsen ab. Bei diesem durch den Zinseszinseffekt sich selbst aufschaukelnden Geldvermehrungssystem ist es kein Wunder, dass die Staatsverschuldung immer weiter ausufern muss. Seit ihrer Gründung vor etwa 100 Jahren hat die Fed es geschafft, den Wert des US-Dollar um mehr als 90 Prozent zu vernichten. Mit der Einführung der amerikanischen Zentralbank wurde die mächtigste Wirtschaftsorganisation der Welt geschaffen. Die Fed manipuliert seit fast hundert Jahren die Wirtschaft nach ihrem Belieben. So können die im Hintergrund agierenden Privatbankiers nach Belieben Inflation oder Deflation, Boom oder Rezession mit den damit verbundenen Haussen oder Crashs erzeugen.

Der systematische Ansatz, durch Inflationierung und Deflationierung des Geldes den Mittelstand auf Kosten der Reichen und Superreichen zu drangsalieren, funktioniert in einem auf Zinsen und Zinseszinsen basierenden System besonders gut, da sich die Schuldenberge immer weiter auftürmen und somit viele Konsumenten in die Abhängigkeit von Banken gebracht werden. Die Umwandlung der Gesellschaft in eine streng disziplinierte Arbeitsarmee von Schuldnern ist ein Bruch mit den Errungenschaften der heutigen Zivilisation, weil es die Konsumenten dem Despotismus der Geldverleiher unterordnet.

Die Fed ist für ihre Besitzer die reinste Gelddruckmaschine, kann sie doch so viel Scheine drucken, wie sie will, und diese dem Staat gegen Zins leihen. Seit ihrer Entstehung kann die Fed nahezu unkontrolliert agieren und hat bisher erfolgreich verhindert, dass man ihr das Monopol zum Gelddrucken wieder wegnimmt. Ihre Aktivitäten sind systematisch gesteuert. Immer wenn Paniken in den Märkten auftreten, flutet die Fed die Banken mit Geld, so dass diese billig Aktien einkaufen können. Wenn sich der Sturm dann wieder gelegt hat, haben sich die Banken auf Kosten des allgemeinen Publikums saniert und das Spiel kann von neuem beginnen. Wenn in einem solchen Kasino der Steuerzahler auch noch für Bankverluste aufkommen soll, haben deren Erfinder das finanzielle Perpetuum Mobile geschaffen. Dass natürlich einige Banken Pleite gehen und in den Fängen anderer Großbanken landen, gehört zum Spiel mit der Angst. Pleiten sind notwendig, um Panik zu schüren, die dann zu einer Überflutung des Marktes mit Liquidität führt.

Damit sind Banken in der Lage, zu Schnäppchenpreisen in ausgebombte Werte einzusteigen und diese später wieder der Schar von Anlegern zu höheren Kursen zu verkaufen. Wer immer dieses System zerstören oder es gar ändern wollte, legt sich mit den mächtigsten Bankern der Welt an. Einer, der die Banker hasste und ihnen ihre Grenzen aufzeigte, war Andrew Jackson, der 7. Präsident der Vereinigten Staaten, der auf der 20-US-Dollar Note abgebildet ist. Jackson wurde zum Nationalhelden, nachdem er die Briten in der Schlacht von New Orleans 1815 besiegte. Als Jackson 1829 Präsident wurde, wickelte er die Bank of the United States (BUS) ab, die 1791 von Alexander Hamilton gegründet worden war, um die staatlichen Fiskalgeschäfte durchzuführen. Für Jackson, der Banker verachtete, war die BUS verfassungswidrig, außerdem übte diese für ihn zu viel Druck auf die Kongressabgeordneten aus. Er bezeichnete Banker als eine Schlangenhöhle, die es auszurotten galt: Möglicherweise wurde deshalb auf ihn 1835 ein Anschlag im Kongress verübt, der jedoch scheiterte.

Auch der berühmteste Präsident der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, wollte sich dem Druck der Banken nicht fügen, was 1865 zu seiner Ermordung führte. Weil er die hohen Zinsen der Banken zur Finanzierung des Bürgerkrieges nicht bezahlen wollte, ließ er 450 Millionen US-Dollar vom Staat drucken, die der Kontrolle der Banken entzogen waren. Es war sein erklärtes Ziel, die Macht der Bankiers einzuschränken.

War das Geld noch bis 1914 und teilweise auch zwischen den beiden Weltkriegen noch durch Gold gedeckt, hatte Europa nach dem 2. Weltkrieg fast kein Gold mehr. Am 22. Juli 1944 wurde auf der Konferenz von Bretton Woods beschlossen, für die Ära nach dem Krieg ein neues Währungssystem einzuführen und die neuen Währungen mit dem US-Dollar als Reserve zu unterlegen. Gemäß dem White-Plan lag der Wert des US-Dollar bei 35 Dollar je Feinunze. Die Zentralbank der USA war verpflichtet, jeden Dollar in Gold einzulösen. Durch dieses System waren die USA völlig autonom in ihrer Währungs- und Geldpolitik, während alle anderen Mitglieder ihren Wechselkurs gegenüber dem Dollar durch Devisenmarktinterventionen sicherstellen mussten. Nur wenn sich dauerhafte Ungleichgewichte ergeben sollten, konnte im Rahmen einer internationalen Vereinbarung der Wechselkurs verändert, also auf- oder abgewertet werden (Realignment). Als internationales Instrument, falls das System in eine Schieflage geraten sollte, wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) gegründet. Ebenfalls in diesem Zusammenhang wurde die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) ins Leben gerufen, die Kredite für Entwicklungspolitik bereitstellen sollte.

Solange die USA keine großen Handelsbilanzdefizite aufwiesen, der Dollar also international knapp war, arbeitete dieses System reibungslos. Als die USA jedoch begannen, die Welt mit Dollars zu überfluten, insbesondere verstärkt durch die Kriegsausgaben in Vietnam, war die Bindung des Dollars an das Gold nicht mehr aufrecht zu halten. Als Frankreich 1969 seine Dollarreserven in Gold einlösen wollte, waren die USA international zahlungsunfähig. 1971 wurde die Goldhinterlegung des US-Dollars wegen Goldmangels von Präsident Nixon gekündigt. So war es folgerichtig, dass das Bretton-Woods-System im Jahr 1973 endgültig zusammenbrach. Seit dieser Zeit hat keine Währung der Welt mehr eine Golddeckung und der weltweite Kaufkraftverfall des US-Dollars nahm seinen Lauf. Dass man aus der Geschichte bei Währungshütern nichts gelernt hat, zeigt die feste Bindung des US-Dollars an den chinesischen Yuan seit dem Jahr 2001. Damit wurde eine Art Bretton-Woods-II etabliert, was maßgeblich zu den heutigen Ungleichgewichten in der Welt der Finanzmärkte geführt hat, die ihre Hauptursache in den zu hohen Handelsbilanzüberschüssen Chinas haben. Eine Alternative hierzu hatte jedoch Keynes schon 1944 vorgeschlagen.

Anstatt des White-Planes gab es noch die Alternative des britischen Ökonomen John Maynard Keynes. Dieser schlug vor, eine internationale Zahlungsunion zu gründen: die International Clearing Union (ICU). Die Zentralbanken sollten bei dieser Organisation Konten unterhalten, über welche die wechselseitigen Zahlungsflüsse zwischen den Währungen ausgeglichen werden sollten. Länder mit Devisenüberschüssen hätten ein Haben auf ihrem Konto, Länder mit mehr Ausgaben als Einnahmen hätten ein Soll auf ihrem Konto. Für die Kontoführung wäre eine eigene Weltwährung, der Bancor, eingeführt worden, die jedoch nur als Buchgeld geführt worden wäre. Keynes Idee war es, Überschuss- und Defizitländer dazu zu bewegen, die Ungleichgewichte in ihren Zahlungsbilanzen abzubauen.

John Maynard Keynes

Dazu sah er vor, jedem Land eine maximale Quote zuzugestehen, die sich am Anteil des Landes am Welthandel bemessen sollte. Hätten Haben oder Soll eines Landes über dessen Quote gelegen, hätte das Land Zinsen zwischen fünf und hundert Prozent an die ICU zahlen müssen, womit eine Umlaufsicherung des Geldes erreicht werden sollte. Diese Idee eines internationalen Buchgeldes wurde von der Europäischen Gemeinschaft 1975 mit der Einführung des ECU (European Currency Unit) als reine Verrechnungseinheit wieder aufgegriffen, jedoch ohne eine Abgabe auf hohe Überschüsse zu erheben.

Seit der Gründung des Federal Reserve System 1913 hat der Dollar mehr als 95 Prozent seines Werts eingebüsst. Das Aufblähen der Geldmenge an US-Dollars durch die amerikanische Zentralbank hat weltweit zu einem massiven Anstieg der Inflation geführt. Dies wird so lange anhalten, wie der US-Dollar die internationale Leitwährung ist. Der Anstieg der Nahrungsmittelpreise hat jedoch zur Folge, dass er für viele Menschen in der Dritten Welt den Tod bedeutet. Jean Ziegler weist darauf hin, dass Hunger in Haiti, Simbabwe oder Bangladesh zur Normalität gehört. Während ein Haushalt in Deutschland etwa zehn bis 15 Prozent seines Einkommens für Lebensmittel ausgibt, sind es in Ländern der Dritten Welt oftmals 80 bis 90 Prozent.

Es sind dringend Veränderungen im weltweiten Geldsystem notwendig. Statt der Dritten Welt wirklich zu helfen, vernichten Manager von Großbanken lieber 40 bis 60 Milliarden in maroden US-Hypotheken. Auch die Chinesen haben mittlerweile erkannt, dass man Afrika vor allem ausbeuten kann, ohne die Existenzgrundlagen der dort lebenden Menschen nachhaltig zu sichern. Die Milliardengewinne vieler Großkonzerne wären ohne die Ausbeutung von Dritte Welt-Ländern gar nicht möglich. Auch Banken haben mit ihren Krediten an Entwicklungsländer immer wieder maßgeblich dazu beigetragen, dass diese Länder in der Schuldenfalle landeten und Währungskrisen immer wieder zu gewaltigen Umverteilungen des Vermögens in diesen Ländern führten. Statt in unsinnigen Kriegen Hunderte von Milliarden US-Dollars zu verpulvern, sollten sich amerikanische Politiker und Zentralbanker fragen, ob es nicht besser wäre, weltweit einen Krieg gegen den Hunger zu führen.

Wenn der frühere Zentralbank-Präsident Alan Greenspan sagt, dass das Schwerste an seiner Aufgabe das Erlernen einer Sprache gewesen sei, die viel sage, aber nichts aussage, ist es nicht verwunderlich, dass es für viele Anleger besser wäre, das Orakel von Delphi zu befragen, wenn es dies heute noch gäbe. Greenspan hat mit seiner Niedrigzinspolitik die amerikanische Verschuldungsspitze in die Hybris getrieben. Mit dem Amtsende von George W. Bush wird das Vermächtnis von Alan Greenspan ultimativ mit einer Verspätung von nahezu zehn Jahren das Ende des "amerikanischen Jahrhunderts" einleiten. Der Marktfundamentalismus frisst seine Kinder, zuerst die Immobilienfirmen, dann die Hypothekenfirmen, dann die Banken und zuletzt den gesamten Rest der Ökonomie. Amerikanische Zentralbanker wollen einfach nicht begreifen, dass eine expansive Geldpolitik nicht die Lösung, sondern die Ursache vieler Probleme ist.

In der Finanzwirtschaft gibt es eine goldene Regel: Höhere Renditeerwartung bedeutet auch höheres Risiko. Dieses Risiko wurde allerdings von den Banken outgesourct, indem man zunächst die Kredite selbst und später das Kreditrisiko an ausländische Banken, Hedgefonds, Kreditversicherer und abstruse Finanzvehikel ausgelagerte. So lange die Volatilität gering blieb, konnte ein Platzen der Blase vermieden werden. Als die Volatilität jedoch plötzlich Mitte des Jahres 2007 anstieg, geriet das gesamte Finanzsystem in die Gefahr, komplett zu kollabieren. Es zeigt sich immer wieder, dass die Marktteilnehmer scheinbar nicht lernfähig sind. Die Geschichte der großen Tulpenmanie aus dem 17 Jahrhundert wiederholt sich in schöner Regelmäßigkeit immer dann, wenn Zentralbanken das Geld zu billig machen. So gesehen hat Greenspan bei seinem Risk-Management völlig versagt, da er eine Hausbau-Titanic vom Stapel ließ, die so schwer mit Schulden beladen wurde, dass sie ab einem bestimmten Zeitpunkt untergehen musste. Greenspan ließ die Banken gewähren und kümmerte sich nicht um deren gefährlich niedrigen Eigenkapitalquoten.

Die Folge des Derivate-Hiroshimas, welches die USA derzeit erlebt, wird die baldige Einverleibung in die Staatfonds aus dem Fernen Osten, der OPEC-Staaten, Singapurs, Russlands und Chinas sein. Während die Amerikaner aus Renditegier agierten, haben die neuen Herren geopolitische Ziele. Es ist abzusehen, dass China und Russland langfristig die größten Profiteure aus dem amerikanischen Finanzdebakel sein werden. Der russische Einmarsch in Georgien ist deshalb nichts anderes als ein erstes Austesten der neuen Rolle. Man wollte sehen, wie weit man gegen die angeschlagenen Amerikaner gehen kann. Die neuen Poker-Profis aus Russland sind jedoch sehr lernfähig und werden nicht immer bluffen, irgendwann werden sie durch ihre Rohstoffeinnahmen das Royal Flash zücken, dann wird der Westen vielleicht aufwachen, wenn es bis dahin nicht zu spät ist. Der "Bubble-Traum" ist vorläufig ausgeträumt - Welcome in the real world!

Dipl.-Ing. Artur P. Schmidt studierte Luft- und Raumfahrttechnik in Stuttgart und Berlin. Für die Promotion entwickelte er ein kybernetisches Marktanalyse-Verfahren am Beispiel der Strategischen Planung von Airbus Industries. Nach einer Beratungstätigkeit bei Anderson Consulting sowie als Leiter der Strategischen Analyse der Ruhrgas AG war Dr. Schmidt Stipendiant der Stiftung zur Förderung der systemorientierten Managementlehre und Schüler von Prof. Hans Ulrich, dem Begründer des St. Galler Management-Ansatzes. Während dieser Zeit begann Dr. Schmidt seine publizistische Laufbahn, aus denen Bücher wie "Endo-Management" und "Der Wissensnavigator" sowie Wirtschaftsbücher wie "Wohlstand_fuer_alle.com" oder "Crashonomics" hervorgingen. Heute entwickelt der Wirtschaftskybernetiker Lenkungs-Cockpits und ist Herausgeber des Online-News-Portals www.wissensnavigator.com sowie von Finanzportalen wie www.bankingcockpit.com und www.wallstreetcockpit.com.

Literatur

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