Fake oder News: Über 200 Tote durch Bombardierung von Häusern in Mosul?

Bild von Rudaw, das ein von vermutlich von US-Flugzeugen zerstörtes Haus in Mosul zeigen soll.

Wegen heftiger Kämpfe und schlechtem Wetter stockt die Offensive, im Hintergrund schwelt der Konflikt zwischen der Türkei und den von US-Truppen unterstützten Kurden in Syrien

Die kurdische Nachrichtenagentur Rudaw berichtete gestern, dass am Donnerstagmorgen mindestens 200 Menschen, vielleicht 230 Menschen in Mosul durch Luftangriffe getötet worden seien, es soll sich vorwiegend um Zivilisten und viele Frauen und Kinder handeln. Die Angriffe sollen auf drei Häuser im Stadtteil al-Jadida erfolgt sein, alleine in einem Haus seien 120 Menschen dabei umgekommen.

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Alternativ gibt es eine andere Version. So sollen nach dem irakischen Kommandeur Muhammad al-Jabouri nach einer Explosion von Sprengstofffallen des Islamischen Staats im selben Stadtviertel 108 Leichen geborgen worden sein. Das stammt vorwiegend von Radio Free Europe, die sich wiederum auf Mosul Eye berufen. Danach hätten IS-Kämpfer Menschen in drei Häuser gezwungen und davor zwei Autobomben postiert. Ein nicht identifiziertes Flugzeug habe dann eines der Autos bombardiert. Das sei dann explodiert, habe auch den Sprengstoff des zweiten Autos entzündet. So seien 130 Menschen getötet worden.

Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur sagte, dass einige der Toten in den Häusern Schutz gesucht hatten. Nach anderen Berichten postieren sich IS-Kämpfer oft auf Dächern von Häusern, in denen sie Menschen einquartiert haben bzw. in denen Menschen Schutz vor den Kämpfen und den Luft- und Artillerieangriffen suchen.

Zwar haben mittlerweile mehr als 133.000 Bewohner den Westteil der Großstadt seit Beginn der Offensive verlassen und wurden nach UN-Angaben in den Lagern aufgenommen, es wird aber vermutet, dass sich weiterhin bis zu 400.000 Menschen in der Stadt aufhalten. Im Unterschied zu anderen Offensiven etwa auf Falludscha oder Ramadi hatte die irakische Regierung die Menschen in Mosul aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Dieser Rat wurde zur Falle für die Menschen, die zwischen dem IS und den irakischen Truppen geraten und vor allem durch die Luft- und Artillerieangriffe gefährdet sind. Wer flieht, riskiert, vom IS getötet oder von Minen zerfetzt zu werden oder gerät in Schusswechsel. Wer bleibt, leidet vielfach in der eingekesselten Stadt unter Hunger und Durst, die Lebensmittel gehen aus, sauberes Trinkwasser scheint es nicht mehr zu geben, auch die Stromversorgung ist ausgefallen. Die Menschen verbrennen alles Mögliche, um des Nachts warm zu bleiben.

Auf der Flucht werden KInder von ihren Eltren getrennt. Bild: Rudaw

Neun Stadtteile von West-Mosul sollen bereits unter Kontrolle der irakischen Streitkräfte stehen. Allerdings sagte der irakische Innenminister am Mittwoch, dass nun Geduld erforderlich sei, weil die Kämpfe nun zunehmend in den engen Straßen in der dichtbevölkerten Altstadt mit alten Häusern stattfinden. Dazu komme schlechtes Wetter. "Wir brauchen ein wenig Zeit, um neue Taktiken, Pläne und mehr Unterstützung zu entwickeln", sagte er.

Angeblich sollen seit der Offensive auf West-Mosul 750 Zivilisten nach Angaben von Medizinern getötet worden sein. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Sollte der von Rudaw und anderen Medien berichtete Vorfall geschehen sein, dann könnte man annehmen, dass die Zahl der zivilen Opfer höher sein dürfte. In Frage kämen nur Flugzeuge der US-Koalition oder der irakischen Armee. Das Pentagon berichtete für den 22. März: "Near Mosul, five strikes engaged four ISIS tactical units; destroyed 11 fighting positions, eight vehicles, four rocket-propelled grenade systems, two VBIEDs, a mortar system, and a tunnel, damaged three supply routes and a fighting position; and suppressed five ISIS tactical units and an ISIS sniper team." Was "near Mosul" bedeutet, bleibt wohl bewusst unklar, mit der Zerstörung von Kampfstellungen können auch solche gemeint sein, die sich in oder auf Häusern befinden.

Iraqinews bezieht sich auf den Rudaw-Bericht und schreibt, das Militär habe Bitten von Menschen erhalten, sie aus den Trümmern der bombardierten Häusern zu retten. Angeblich ist das Stadtviertel bereits von irakischen Truppen eingenommen worden. Später wird berichtet, dass das irakische Militär die Behauptung zurückweist, dass die Offensive für zivile Opfer verantwortlich sein. Die irakischen Truppen seien den Einsatzregeln verpflichtet, nach denen Zivilisten geschützt werden müssen. Dafür wird auf den Islamischen Staat verwiesen. "Sie filmen und fotografieren unschuldige Zivilisten, sie sie töten und stellen sie als Opfer von Angriffen der heroischen irakischen Streitkräfte dar, um die Öffentlichkeit zu täuschen." Allerdings stammt der Bericht von Rudaw, der auch nicht von Bildern begleitet war.

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