Fakten und Fake News

Informations-Dadaismus

Postman formulierte bereits 1985 sehr pointiert, dass die "neue Spielart von Information" ästhetisch "Dadaismus", philosophisch Nihilismus, künstlerisch Varieté und politisch "Desinformation" bedeute. "Desinformation bedeutet irreführende Information - unangebrachte, irrelevante, bruchstückhafte oder oberflächliche Information".

Parallel zum Siegeszug der Telegrafie entstand das Wort Fake News, die zunehmende Dekontextualisierung, die Modernisierung der Massenmedien machte es zu einem feststehenden Begriff. Es waren offenbar - Varieté - nicht zuletzt Comediens, die die neue Faktenfülle anders zusammensetzten und so Irritation, Aufmerksamkeit und Fake generierten.

Doch erst im US-Wahlkampf 2016 begann das von Donald J. Trump übernommene Wort zu boomen. Trump verbreitete es im kontextfreien Twitter-Kontext, auf jedem Bildschirm erschien es in anderen Timelines und Zusammenhängen. Und er richtete es gezielt gegen traditionelle Medien, CBS, NBC und andere: "The FAKE NEWS media".

"Fake News"-Tweet von Donald J. Trump - Phoenix Runde vom 22. März 2017: "Fakten oder Fake News". Screenshots: Krug

Auch in Deutschland wurde 2016 der "Anglizismus des Jahres" intensiv aufgegriffen und popularisiert. Doch die deutsche Debatte erhielt eine andere Ausrichtung. "Fakten oder Fake News" war der Titel einer Phoenix-Diskussionsrunde, der die Diskurslinien deutlich macht. Hier die guten, soliden Fakten, dort die Fake News.

Postmans dekontextualisierte Fakten haben in die hiesige "Debatte" noch keinen Einzug gehalten. Hier setzt man auf "Faktenchecks", öffentlich-rechtliche "Faktenfinder" und nominiert Online-Angebote gegen Fake News für Medienpreise. Faktenchecks eignen sich zum ökonomischen Modell, zum "Big Business".

Die traditionellen Massenmedien sind in Deutschland - anders als in den USA - vom Fake-News-Verdacht weitgehend ausgenommen. Er richtet sich auf die Social Media, auf Facebook und Twitter und die vielen unbekannten Filterblasen (Von der Lügenpresse zum Kampf gegen Fake News). Auch wenn es dazu - so die Hamburger Kommunikationsforscherin Wiebke Loosen "fast keine" "empirischen Evidenzen gibt".

Zwei Seiten der Medien

Doch eins scheint zweifelsfrei. Der Mediengesellschaft sind ihre Medien problematisch geworden. Düstere Prognosen bestimmen gegenwärtig die öffentlichen Debatten und die dunklen, destruktiven Seiten der Massenmedien werden immer stärker betont.

Es geht ja nicht nur um Fake News. Es geht auch um Propaganda, Manipulation, Lüge, Hass (Hass und Hasskultur, alternative Fakten, Postfaktizität - und natürlich Neuregulierung.

Es ist atemberaubend, wie Mediengeschichte gerade umgeschrieben wird. (Hans-Jürgen Krug)