Fall Mollath: Anwältin wirft Chefarzt Falschaussage vor

Veränderungen in der Krankenakte

Lorenz-Löblein äußerte sich auf Nachfrage außerdem zu den Veränderungen in der Krankenakte von Mollath, die ihr aufgefallen sind. Sie sagt, in der "Akte" sei etwa die Dokumentation über die Verletzungen von Mollath, die ihm durch Polizeibeamte bei der ersten Festnahme zur Unterbringung im Februar 2005 zugefügt wurden, genauso wie die Darstellung der Auffindesituation von Mollath, verändert worden.

Originalfotos, die die Verletzung von Mollath genau zeigten, seien bei der zweiten Einsichtnahme von ihr verschwunden gewesen und durch unscharfe Kopien ersetzt worden. Nach den Worten von Lorenz-Löblein war außerdem ein Bild weniger in den ihr vorgelegten Unterlagen gewesen. Trotz genauer Durchsicht des ihr vorgelegten "Aktenkonvoluts" (das man ihr in einer Plastikwanne vorgelegt hat) mit Hilfe der Oberärztin und eines Psychologen sind sowohl die handschriftliche Aufzeichnung des Arztes als auch die Fotos verschwunden.

Lorenz-Löblein erzählt von einer handschriftlichen Aufzeichnung, auf der niedergeschrieben war, wie Mollath von der Polizei in die Klinik geliefert wurde. Die Aufzeichnung habe sie in der Klinik begutachtet. Sie erbat eine Abschrift dieser Aufzeichnung. Die Klinik schickte ihr dann die gewünschte Kopie als maschinelle Abschrift zu. Allerdings wies die Abschrift einen anderen Inhalt auf, erklärt die Anwältin.

Ihre Anzeige in der Angelegenheit sei eingestellt worden, doch sie habe Beschwerde eingelegt. Die Polizei in Bayreuth habe zwar ermittelt, aber in der Strafakte sei jedoch nichts darüber dokumentiert. Die Bayerische Landesärztekammer sei über den Vorgang informiert.

Der Sprecher vom Landgericht Regensburg, Johann Piendl, bestätigte gegenüber Telepolis den Eingang des Schriftsatzes. Er sagte, dieser sei eine Erweiterung des Wiederaufnahmeantrags, den der Hamburger Strafverteidiger Gerhard Strate eingereicht hat. Welche Bedeutung der Schriftsatz von Lorenz-Löblein für das Wiederaufnahmeverfahren habe, sei noch nicht abzusehen. Zur Zeit werde die Stellungnahme der Verteidigerin geprüft.

Klaus Leipziger war auf eine Anfrage von Telepolis nicht zu erreichen. Die Mitarbeiter der Bayreuther Klinik veröffentlichte vor einigen Tagen einen Offenen Brief. Darin wehren sich die Mitarbeiter gegen Vorverurteilungen. Anfang des Monats gab das Kommunalunternehmen Kliniken und Heime des Bezirks Oberfranken bereits eine Stellungnahme ab. In der Stellungnahme beklagte das Unternehmen falsche Thesen, die in der Öffentlichkeit verbreitet würden.

Auch Mollaths Ex-Frau wollte sich nicht weiter zum dem Fall äußern. Gegenüber Telepolis sagte sie, sie habe sich beispielsweise bereits gegenüber dem Nordbayerischen Kurier ausführlich geäußert. Mehr wolle sie derzeit nicht zum dem Fall sagen. (Marcus Klöckner)