Falludscha: Nach der Befreiung Angst vor Vergeltungsaktionen

Haidar al-Abadi verkündet die Wiedereroberung Falludschas

Trotz der Siegesmeldungen: Die Kämpfe in der Stadt sind noch nicht beendet

In Falludscha wird der nächste Sieg gegen den IS gefeiert. Die irakische Armee ist ins Zentrum der Stadt vorgedrungen, die wichtige Verbindungsstraße nach Ramadi und Haditha soll ebenfalls von den irakischen Truppen kontrolliert werden.

Die Tagesschau meldete, dass sich die Lage in einem Flüchtlingslager in der Nähe der Stadt zuspitze. 15.000 bis 20.000 Flüchtlinge sollen in den letzten Tagen dort eingetroffen sein. Die Gesamtzahl der Flüchtlinge aus Falludscha wird auf zwischen 50.000 und 80.000 Menschen geschätzt. Die Frage ist, warum sie fliehen. Das wird weder im Tagesschau-Bericht noch in der Meldung des Spiegels erklärt.

Die 50.000 Geflüchteten entsprechen in etwa der Zahl, die für die Menge derjenigen angegeben wurde, die in Falludscha zum Start der Offensive (22/23 Mai) "in der Falle saßen", wie die US-Publikation Army Times berichtet.

Nach deren Lagebericht, der sich auf Aussagen des irakischen Generals Haider al-Obeidi von Samstag stützt, sollen Tausende die Gelegenheit ergriffen haben, um über den Euphrat in die Freiheit zu schwimmen. In Teilen der Stadt wird weitergekämpft. US-Kampflieger wie auch irakische sollen weiterhin auf "Scharfschützen und andere IS-Positionen" in der Stadt zielen.

Das wichtige Zentrum mit dem Krankenhaus wurde eingenommen, die IS-Flagge gegen die irakische ausgetauscht, aber die Behauptung, dass die Stadt vollkommen zurückerobert wurde, sei "falsch", meldete das Institute of War, als die frohe Botschaftdes irakischen Premierministers Haidar al-Abadi von der Rückkehr Falludschas zur Nation in die Nachrichten-Welt hinausging.

Haidar al-Abadi verkündet die Wiedereroberung Falludschas

Ohnehin macht das Washingtoner Institut ISW (das eng an die Familie Kagan geknüpft ist, mit guten Verbindungen tief in Neocon-Kreise und Rüstungsunternehmen - soweit zur Positionierung) auf die Möglichkeit eines Scheiterns der Operation aufmerksam, aus politischen Gründen: Die Badr-Organisation, eine schiitische Miliz mit engen Verbindungen zu Iran, sei mit der irakischen Armee in die Stadt einmarschiert.

Dies werde Spannungen anheizen, prognostiziert das ISW. Falludscha ist eine sogenannte sunnitische Hochburg. Befürchtet werden brutale Vergeltungsaktionen. Vom Chef der Badr-Organisation Hadi al-Amiri berichtet das Washingtoner Institut, dass er den Bewohnern Falludschas eine 10-Tagesfrist gesetzt hat, um die Stadt zu verlassen. Die Frist lief am 14. Juni aus. Das ist bei der Erklärung des Flüchtlingsstrom in Betracht zu ziehen.

Geht es nach dem ISW, so stehen auch irakische Einheiten wie die Föderale Polizei und die Emergency Response Division (ERD) mit der Badr-Organisation in engster Beziehung und sind "sehr empfänglich für Weisungen aus Iran". Dass iranische Milizen neben der irakischen Armee eine bedeutende Rolle bei der Einnahme von Falludscha spielten, stellte auch der staatlich finanzierte iranische Sender Press-TV heraus. Die Badr-Organisation wird dort nicht namentlich erwähnt, stattdessen der Verbandsname für die schiitische Milizen, die Popular Mobilization Units.

Wie al-Monitor berichtet, gab es unter Sunniten in der irakischen Armee größere Bedenken wegen der Teilnahme der Popular Mobilization Units, aufgrund der Erfahrungen, die man bei der Befreiung Tikrits gemacht hatte. Premierminister Abadi wird in dem Bericht mit der Aussage zitiert, dass es die Teilnehmer der Falludscha-Offensive "unterschiedliche Hintergründe" haben.

Die Befürchtungen, dass es zu konfessionellen Vergeltungsaktionen auch in Falludscha kommen könnte, sind laut al-Monitor präsent. Die Anklage lautet stets, dass diese oder jene Person/Gruppe mit dem IS mitagiert habe.

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