Falsche Freunde

Medienstudie: Welcher Nachrichtenquelle vertraut man am meisten?

Nach einer repräsentativem Umfrage in zehn Ländern1 vertrauen mehr Menschen den Medien als ihren Regierungen, vor allem in den Entwicklungsländern. Das Fazit einer internationalen "Media Trust"-Umfrage versetzt wohl niemanden in großes Erstaunen. Etwas verblüffend aber die Ausnahmen von dieser Regel.

Allen voran die USA: Als ob es die reichlich dokumentierten Lügen und Täuschungsmanöver der derzeitigen amerikanischen Regierung nie gegeben hätte - 67 Prozent der befragten Amerikaner gaben an, ihrer Regierung darin zu vertrauen, dass sie im "besten Interesse der Gesellschaft" handeln würde. Demgegenüber trauten dies nur 59 % der Amerikaner den Medien zu.

In Großbritannien und Deutschland fielen die entsprechenden Umfragewerte nicht ganz so deutlich aus: Beinahe die Hälfte der Deutschen - 48 Prozent - hatten Vertrauen in die Regierungsvertreter. In Presse und Medien hatte dagegen nur 43 % der Deutschen Vertrauen. Im Vereinigten Königreich (U.K.) konnte die Regierung 51 Prozent Vertrauen verbuchen, die Medien 47 %.

Deutschland ist laut dieser Studie das einzige unter den untersuchten Ländern, in dem das Vertrauen in die Medien abgenommen hat: Bei einer Umfrage im Jahre 2002 mit der gleichen Fragestellung - "How much do you trust each of the following institutions to operate in the best interest of our society?" Zur Auswahl stehen: "National Government" und "Press and Media" - waren es noch 49%.

Als einzigartig erwähnt die Studie Deutschland auch in einer anderen Hinsicht: Mehr Befragte als anderswo haben dort eine Zeitung als wichtigste Nachrichtenquelle genannt - 45 Prozent. Im internationalen Gesamtergebnis sind die jeweiligen nationalen Fernsehsender die wichtigste Nachrichtenquelle. Nur etwa ein Drittel (30 Prozent) der Deutschen schätzen das Fernsehen ebenso wichtig ein. Allerdings wird das Fernsehen hinter dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk als vertrauenswürdigste Nachrichtenquelle eingestuft.

Am wenigsten traut man in Deutschland in dieser Hinsicht übrigens Freunden und Familie (25%) und Blogs (beachtliche 38%).

Namentlich erwähnten die Deutschen beim Telefoninterview als "most trusted" Nachrichtenquelle die ARD (22%), das ZDF (7%), n-tv/N24 (6%), RTL (4%), die Süddeutsche Zeitung (3%) und den Spiegel (2%).

Während international 72 Prozent täglich die Nachrichten verfolgen würden, werden die Deutschen mit 80 Prozent, die sich täglich informieren, und 91 Prozent, die es bevorzugen, mehrere Quellen aufzusuchen, vom Bericht als "außergewöhnlich enthusiastische Nachrichtenkonsumenten" ausgezeichnet. Nur in Deutschland sprach sich eine leichte Mehrheit (51 %) dagegen aus, dass die Medienberichterstattung die Nachrichten abdeckt, die ihr wichtig ist.

International fiel die Vertrauenskluft zwischen Regierung und Medien am deutlichsten in Nigeria aus, wo 88% den Medien vertrauten, aber nur 34 Prozent der Regierung. Ähnlich hohe Vertrauenswerte erzielten die Medien in Indonesien, gefolgt von Indien und Ägypten, wo die "Regierungsfrage" allerdings nicht gestellt wurde.

Nationale Fernsehsender waren für 56 Prozent aller Befragten die wichtigsten Nachrichtenquellen und für 82% auch die, welcher sie am meisten vertrauen - internationale Satelliten Sender schnitten schlechter ab. An zweiter Stelle der internationalen Rangliste der wichtigsten Nachrichtenquellen folgen die Zeitungen, deren nationale/regionale Ausgaben auch in der Vertrauensskala an zweiter Stelle liegen.

Das Internet wurde von 9% als wichtigste News-Quelle angegeben. Nachrichten-Websites und Blogs liegen in der Vertrauensfrage auf den hintersten Plätzen. Während Online-Nachrichten für einen beträchtlichen Teil der Jungen zwischen 18 bis 24 Jahren erste Wahl sind, trifft dies nur für drei Prozent der Älteren zwischen 55 und 64 Jahren zu.

Das Vertrauen kann jedoch verloren gehen: Mehr als ein Viertel der Befragten haben aufgrund mangelnder Glaubwürdigkeit auf die weitere Nutzung einer News-Quelle verzichtet.

BBC (48%) und CNN (44%) schnitten im internationalen Vergleich von "trusted media outlets" am besten ab. Bemerkenswerte Ergebnisse erzielten hier aber auch Internetgrößen wie Google (30 Prozent), Yahoo! (28%) und Microsoft/MSN (27%).

Die Befragung wurde in 10 Ländern von BBC, Reuters und dem amerikanischen Think Tank "The Media Center" durchgeführt, meist per Telefon. Insgesamt wurden zwischen dem 10. März und dem 4. April dieses Jahres 10.230 Menschen befragt.

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