Fernsehen zur Reduzierung des Bevölkerungswachstums

Der indische Gesundheitsminister hat vorgeschlagen, das Land schnell zu elektrifizieren, weil sich dann Fernsehgeräte ausbreiten würden, was der Bevölkerungskontrolle diene

Alle Länder vergreisen allmählich. Der Anteil der Alten und sehr Alten wächst, es kommen weniger Junge nach. Die Zahl der Menschen über 65 Jahre wird sich bis 2050 von 500 Millionen auf 1,5 Milliarden verdreifachen. Und die Zahl der Menschen über 85 Jahre wird sich gar von jetzt 40 Millionen auf 219 Millionen verfünffachen.

Das wird sich weltweit auch auf die Politik niederschlagen – und natürlich auch auf die Kultur, von den Folgen für die sozialen Sicherheitssystem, falls vorhanden, gar nicht zu sprechen. Das Gewicht der Männer wird mit zunehmendem Alter deutlich abnehmen. Da Frauen normalerweise länger leben, stellen sie bei den über 65-Jährigen schon die Mehrheit, bei den über 85-Jährigen bereits zwei Drittel.

Drastisch ist die Vergreisung auch in den demografischen Schwergewichten China und Indien. Sie haben jetzt schon den höchsten Anteil an alten Menschen, bis 2050 wird sich die Zahl der Menschen über 65 Jahre in China von 109 Millionen auf 350 Millionen und in Indien von 62 Millionen auf 240 Millionen verdreifachen bzw. vervierfachen. Indien, das schon jetzt mehr als eine Milliarde Menschen hat, so wird erwartet, wird irgendwann China als das bevölkerungsgreichste Land überholen.

Trotzdem ist das negative Bevölkerungswachstum für die Industrieländer ein Problem, die weitere Zunahme der Menschen aber für die Schwellenländer wie Indien ebenfalls. Der indische Gesundheitsminister Ghulam Nabi Azad hat kürzlich eine kreative Idee entwickelt, wie sich das Bevölkerungswachstum reduzieren ließe, wozu auch die Heraufsetzung des Heiratsalters dienen könne. Letztlich müssen Frauen und Männer aber Geschlechtsverkehr haben, damit Nachwuchs entsteht. Wenn man die Neigung zum Vögeln unterbindet und Alternativen anbietet, würden auch weniger Kinder entstehen.

Den Menschen ist halt oft langweilig abends, zumal wenn sie keine Fernseher haben. Und weil eine Grundvoraussetzung für Fernsehgeräte die Existenz von Stromleitungen ist, schlägt der Gesundheitsminister vor, ganz Indien bis zum letzten Winkel möglichst schnell zu elektrifizieren: "Elektrizität in unseren Dörfern kann helfen, das Bevölkerungswachstum zu kontrollieren. Mit der Elektrizität kommen Fernsehgeräte in die Häuser, was zur Bevölkerungskontrolle führt".

Wenn es kein Licht gibt, widmen sich die Menschen dem Bevölkerungswachstum", sagt der Minister schön. Das meine er ganz ernst. Fernsehen könne einen großen Einfluss haben und sei ein großes Mittel, um das Problem zu lösen. "Wenn das Licht in die Dörfer kommt, kann 80 Prozent des Bevölkerungswachstums durch das Fernsehen reduziert werden." Da Indien 17 Prozent der Weltbevölkerung, aber nur 2,5 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Landes stellt, seien "mehr Kinder mehr Probleme". Das Bevölkerungswachstum verschärfe auch die Armut, Arbeitslosigkeit und Probleme von Recht und Ordnung.

Der Umkehrschluss für die Industriestaaten, die unter sinkenden Geburtsraten, schrumpfenden Städten, zusammen brechenden sozialen Sicherungssystemen und der Politik der Alten leiden, wäre schlicht die Einführung von Mediensperren. Aber 20 oder 22 Uhr ist Schluss mit Fernsehen oder Internet. Den Strom wird man allerdings wohl kaum ausschalten können, damit den Menschen nicht viel anderes mehr übrigbleibt, als dem Sex nachzugehen.

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