Fernsehkomiker siegt über Sozialdemokratin

Jimmy Morales wird neuer Präsident von Guatemala

Bei der gestrigen Stichwahl zum neuen Präsidenten von Guatemala ließ der für die konservative Frente de Convergencia Nacional (FCN) angetretene Fernsehkomiker Jimmy Morales die Ex-Präsidentengattin Sandra Torres von der sozialdemokratischen Unidad Nacional de la Esperanza (UNE) deutlich hinter sich: Morales kam auf 68,29 Prozent - für Torres (die ihre Niederlage mittlerweile eingestanden hat) stimmten nur 31,71 der Wähler.

Der durch die Erfolgsserie Moralejas bekannt gewordene 46-jährige designierte Präsident entspricht nicht unbedingt den Klischees, die man in Deutschland von Fernsehkomikern hat: Er hat Theologie studiert, ist evangelikaler Christ, entschiedener Abtreibungsgegner und Befürworter der Todesstrafe. Darüber hinaus glaubt er nicht, dass der Massenmord an Ixil-Maya während des Bürgerkrieges zwischen 1960 und 1996 ein Genozid war und will den guatemaltekischen Anspruch auf das 1798 von Großbritannien eroberte und 1981 unabhängig gewordene Belize nicht aufgeben.

Moralejas

Zu Anfang des Wahlkampfes galt Morales als ähnlicher Außenseiter wie Donald Trump bei den Republikanern oder Jeremy Corbyn in der britischen Labour Party. Dann räumt er mit dem Slogan "Ni corrupto, ni ladrón" ("Weder korrupt noch ein Dieb") überraschend die meisten Stimmen im ersten Wahlgang ab und qualifizierte sich damit für die Stichwahl.

Sein Slogan und Morales' Herkunft außerhalb der etablierten Politik kamen wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb gut an, weil der alte Präsident Otto Pérez Molina von der liberalkonservativen Partido Patriota (PP) über eine Korruptions- und Betrugsaffäre stürzte. Mittlerweile sitzt er - ebenso wie seine Stellvertreterin Roxana Baldetti - in Untersuchungshaft. Korruption gilt auch als eine der Ursachen der massiv gestiegenen Staatsverschuldung, die neben der Bandenkriminalität eines der wichtigeren Themen des Wahlkampfs war.

Nach seinem Sieg sprach Morales von einer "Wahl für das Ende der Korruption" und davon, dass Guatemala gezeigt habe, "dass die Probleme ohne Gewehre und ohne Kugeln gelöst werden können, aber mit Gesetzen und Absprachen, die erfüllt werden". Aus der UNE hieß es, man respektiere die Entscheidung des Volkes und wolle nun "konstruktive Oppositionsarbeit" leisten.

In Guatemala leben knapp 16 Millionen Menschen - gut 40 Prozent davon sind Maya-Indianer. Hauptexportprodukte sind seit Jahrzehnten (beziehungsweise Jahrhunderten) Kaffee, Bananen und Zucker. Trotz seiner landwirtschaftlichen Prägung ist Guatemala die größte Volkswirtschaft unter den 20 mittelamerikanischen Ländern. Nach dem Ende des Bürgerkrieges vor knapp 20 Jahren zogen Wirtschaftswachstum und Bruttonationaleinkommen deutlich an. Ein weiterer Grund dafür waren Überweisungen von Guatemalteken, die massenhaft in die USA auswanderten und von dort aus Geld in ihre Heimat überweisen. (Peter Mühlbauer)