Fernsehserie ohne TV-Station: Welcome To The Scene

Bei der Online-Filmserie "Welcome to the Scene" zeichnet sich ein gewaltiger Erfolg ab

Während die Peer-to-Peer-Netzwerke vor Last nur so brummen, stöhnen Film- und Musikindustrie über die bösen Piraten, die ihre Werke entern und ihre Beute als XVID im Internet kostenlos verteilen. Nicht zuletzt deshalb versucht die Kulturindustriebranche auch immer wieder gegen die Betreiber von P2P-Netzen vorzugehen, derzeit aktuell vor dem Supreme Court in Washington. Doch auch die P2P-Betreiber müssen sich langsam nach etwas umgucken, was ihnen bislang eher egal scheint: legale Inhalte. Vorreiter dieser Bewegung könnte eine Serie von 20-Minütern werden, die einmal im Monat via Internet verbreitet werden.

Manche Menschen haben ein spezielles Hobby: Sie kopieren DVDs von Kinofilmen noch vor dem offiziellen Start. In kleinere Formate umgewandelt verbreiten die Filmpiraten ihre Beute kostenlos im Internet. Doch es gibt Konkurrenz: Kommerzielle Filmkopierer zahlen für solche Prereleases viel Geld. Zudem sind Filmindustrie und Behörden nicht gerade begeistert vom Treiben der Gruppe um Hauptfigur Brian Sandro - und versucht, ihr das Handwerk zu legen. Dies ist das Umfeld, in dem sich die Serie Welcome to the Scene bewegt.

Doch was die Hollywood-Filmstudios ärgert, freut die Macher von The Scene: Downloads der Episoden ihrer Serie. "Welcome to The Scene" ist eine Low-Budget-Produktion, die unabhängig von TV-Stationen entsteht. Stattdessen wird die Serie unter einer Creative-Commons-Lizenz kostenlos und völlig legal online angeboten. Angenehmer Nebeneffekt für die Macher: Viele Zuschauer verteilen die Folgen, z. B. über BitTorrent, auch gleich weiter. "Die Lizenz schützt uns in dem Maß, wie wir Schutz benötigen" sagt Corey Weiner von der Produktionsfirma JunGroupEntertainment. "Die Inhalte sollen frei und überall verfügbar sein."

Etwa 600 Dollar kostet die Produzenten eigenen Angaben zufolge jeder Teil des Spektakels. Tausende Internetnutzer laden sich jede neue Folge der Serie aus dem Internet. Sponsoren ermöglichen, dass die Kosten der Produktion gedeckt sind. Seit Dezember 2004 wird jeden Monat eine neue Folge gedreht und online verteilt.

Dabei findet der Großteil der Handlung nicht in Studiokulissen statt. "Welcome to the Scene" spielt in Internet Relay Chat- und Instant Messenger-Fenstern auf dem Desktop der Akteure. In einem kleinen Fenster wird das eigentliche Kamerabild eingeblendet, das den Schauspieler zeigt. Dort hin und wieder eingestreute Szenen des realen Lebens lockern Dialoge und Handlung auf.

Ganz zufällig ist der Rahmen der Handlung indes nicht: Die Produzenten können selbst auf eine gewisse Affinität zur "Szene" zurückblicken. Allerdings sei dies natürlich längst vorbei, so Weimer gegenüber Telepolis schmunzelnd. So nahmen es die Produzenten von "Welcome To The Scene" auch mit Humor, als plötzlich eine Parodie im Internet veröffentlicht wurde: Welcome To Teh Scene ist dem Original fast täuschend echt nachempfunden.

Etwa 250.000-300.000 Internetnutzer schauen die Serie, schätzt der Hersteller. Der große Erfolg von "The Scene" lässt die Produzenten von größeren Projekten träumen. "Wir sind sehr interessiert an einer Produktion mit der Mainstream-Filmindustrie", so Weiner. Allerdings nur dann, wenn die Ergebnisse der Zusammenarbeit ohne Kopierschutz und online vertrieben würden. Die Creative Commons-Lizenz wurde vorsorglich auch vor einem weiteren Hintergrund ausgewählt: Sie untersagt nicht, dass der Hersteller Werbung in die Filme einbaut.

Die nächste Folge von Welcome To The Scene erscheint Mitte April.

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