Fernsteuerbare, mit Sensoren, Waffen, unbemannten Fahrzeugen und Drohnen ausgestattete Grenze

Israel plant die künftige Grenze zum Gaza-Streifen mit einem Hightech-System zu sichern und baut überdies zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen einen tiefen Graben

Noch stehen erst einmal die Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Armee und den Siedlern im Gaza-Streifen bevor, wenn die Siedlungen nach dem Plan von Ministerpräsident Scharon im September 2005 vermutlich auch gewaltsam geräumt werden müssen. Nach der Räumung soll dann aber die Grenze zwischen Israel und dem Gaza-Streifen nicht mit einer hohen Mauer wie im Westjordanland, sondern mit "ferngesteuerter" Hightech gesichert werden. Ein technisches Gesamtkonzept, das bei Gelingen durchaus exportfähig sein dürfte.

Am Freitag kündigte ein Sprecher des israelischen Militärs an, dass zur Sicherung der Grenze zum Gaza-Streifen ein neues Waffen- und Überwachungssystem geplant ist, das von einem Think Tank vorgeschlagen wurde. Noch ist es zwar nicht von der Regierung gebilligt worden und werden durchaus Alternativen diskutiert, aber der Plan ist wohl auch wegen der technischen Innovationen und dem Gesamtkonzept attraktiv. Die meisten der Komponenten des Systems scheinen bereits entwickelt zu sein und befinden sich im Teststadium.

Das Militär will den bestehenden Sicherheitszaun zunächst mit weiteren Sensoren ausstatten, die unter allen Wetter- und Lichtbedingungen funktionieren, um Verdächtige ausmachen zu können. Zusätzlich werden unbemannte, fernsteuerbare Fahrzeuge und winzige kleine Drohnen (Durch Fenster fliegen) die Grenze überwachen. Wird Verdächtiges ausgemacht, warnt das System einen Soldaten in einer Überwachungszentrale, der daraufhin aus der Entfernung auch Waffen einsetzen kann. Das System entscheidet, welche Waffe am besten geeignet ist.

Mit den unbemannten Fahrzeugen, die für jedes Gelände geeignet seien, können Bomben erkannt und entschärft werden. Ausgestattet mit Nachtsichtkameras und Maschinengewehren lassen sich aber auch ferngesteuert Verdächtige angreifen. Überdies soll es auch unbemannte, computerkontrollierte Grenzposten in Form von 20 Meter hohen Türmen geben, die auch ganz ohne Steuerung durch Menschen (potenzielle) Angreifer erkennen und beschießen können.

Traditioneller ist ein anderes Vorhaben, das das Verteidigungsministerium bekannt gab. In einem engen Sicherheitskorridor zwischen dem Gaza-Streifen und dem ägyptischen Sinai soll ein vier Kilometer langer, zwischen 15 und 25 Meter tiefer und zwischen 100 und 120 Meter breiter Graben ausgehoben werden. Der Graben soll verhindern, dass Palästinenser Waffen von Ägypten in den Gaza-Streifen durch Tunnels schmuggeln können. Der Graben soll Ende 2005 fertig gestellt sein. Ob dabei auch Häuser eingerissen werden müssen, wurde nicht mitgeteilt, allerdings wurden um Rafah bereits von der israelischen Armee Häuser zerstört, die Zerstörung weiterer Häuser ist geplant, um die Sicherheitszone zwischen Ägypten und Gaza zu vergrößern. Entschieden ist auch noch nicht, ob der Graben mit Meerwasser geflutet oder mit Sensoren bestückt werden soll. Die Ausschreibung für den Bau ist bereits gestartet.

Die Palästinenser fürchten nun, dass Israel den gesamten Gaza-Streifen überwachen will. "Die israelische Regierung plant", so der palästinensische Minister Saeb Erekat, "Gaza in ein großes Gefängnis mit 1,3 Millionen Menschen zu verwandeln. Ich denke, es wäre besser, im Hinblick auf die Sicherheit zu kooperieren." (Florian Rötzer)

Anzeige