Festanstellung und Heiratspläne

USA: Die männliche Zielgruppe der Frauen, die sich solide Eheverhältnisse wünschen, wird kleiner

Worin auch immer sie sich begründen, die Erwartungen, die Frauen und Männer an eine feste Beziehung stellen, fallen recht unterschiedlich aus. Wie sehr in dieses empfindliche Feld auch Arbeitnehmerpolitik hineingrätscht, zeigt sich den amerikanischen Frauen am Schwund der Menge an Männern, die für eine Heirat infrage kommt.

Dass gegenwärtig weit weniger Amerikaner verheiratet sind oder es waren als 1960, wird niemanden überraschen. Die werten Leser sollen hier nicht mit Zahlen, die längst Bekanntes dokumentieren, gelangweilt werden. Aber die Pew-Umfrage zur Einstellung der US-Bürger zur Ehe legt ein bemerkenswertes Phänomen unserer Zeit offen: den Zusammenhang zwischen "flexiblen Arbeitsverträgen" und der klassischen Beziehungsform, die auf der Dauer angelegt ist, der Ehe. Sie vertragen sich schlecht.

Und zwar gar nicht so sehr angesichts der Herausforderungen, die sich daraus für die Kunst des Zusammenlebens ergeben, sondern schon im Vorfeld, bei der Auswahl des Ehepartners. Hier zeigt sich bei den amerikanischen Frauen ein dem wirtschaftlichen Trend gegenlaufender starker Wunsch nach Absicherung. Befragt danach, was für sie bei der Wahl des Partners "sehr wichtig" ist, gaben 78 Prozent der unverheirateten Frauen an, dass er einen festen Job haben soll.

Bei den Männern stufen immerhin auch 46 Prozent eine Festanstellung ihrer künftigen Partnerin als "sehr wichtig" ein. Der Unterschied ist dennoch beachtlich. Bei den Männern standen "ähnliche Vorstellungen über Kinderwunsch und die Erziehung" auf der Prioritätenliste ganz oben. 62 Prozent gaben dies als sehr wichtig an, bei den Frauen waren es mehr, nämlich 70 Prozent. Aber für die meisten war die Absicherung noch wichtiger.

Das verrät auch einen gewissen Komfortanspruch an den Ehemann in der Lebenswirklichkeit, also anders als dies manche Geschlechterideologen als Sollzustand konzipieren ("Das Licht der Aufklärung wird am leichtesten auf der Türschwelle ausgeweht" Jean Paul). Diese Anspruche vertragen sich allerdings nicht mit der Wirklichkeit der Arbeitswelt. Die hat sich deutlich verändert.

Dabei ist im Zahlen-Material, das Pew dazu liefert, gar nicht davon die Rede, dass Arbeitgeber mehr und mehr auf befristete Arbeitsverträge aus sind oder vom Problem der Jüngeren in den USA, überhaupt einen Arbeitsplatz zu finden, man begnügt sich zur Veranschaulichung einem Geschlechterquotienten, mit der Zahl der angestellten Männer, der auf 100 Frauen bezogen wird:

Unter den unverheirateten und nicht-geschiedenen Männern im Alter zwischen 25 und 35 ist die Zahl der angestellten Männer pro 100 Frauen von 139 im Jahr 1960 auf 91im Jahr 2012 gefallen und dies trotz des Faktums, dass Männer in dieser Altersgruppe die Zahl der Frauen übertreffen.

In anderen Worten: Wenn alle jungen Frauen, die unverheiratet sind und nicht geschieden, 2012 einen jungen Mann in Anstellung suchten, der ebenfalls noch nie verheiratet war, dann gingen 9 Prozent leer aus, allein aus rein rechnerischen Gründen, weil es nicht genügend Männer in der Zielgruppe gab. 1960 stand noch nicht verheirateten Frauen ein sehr viel größeres Angebot an möglichen Ehemännern zu Verfügung, aus dem sie (nach den oben genannten Kriterien, Einf. d.A.) wählen könnten.

Unter der schwarzen Bevölkerung der USA fällt der Quotient übrigens noch weitaus schlechter aus, dort errechnet man pro 100 Frauen nur 51 angestellte Männer. Demgegenüber ist der Anteil der Frauen, die auf einen Ehemann mit einem festen Arbeitsplatz Wert legen, in dieser Bevölkerungsgruppe am höchsten.

Die Pew-Studie enthalte eine Lektion für alle diejenigen, die Familienwerte und Ehestand bei den Jüngeren propagieren, heißt es im US-Leitmedium Washington Post: Statt Moral zu predigen, sollten sie dafür sorgen, dass sich die Beschäftigungslage und die Einkommen verbessern. Das gehe dann - statistisch gesehen - mit geringeren Scheidungsraten einher.

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