Feste Beziehungen erhöhen die Lebenszufriedenheit

Die sozial Benachteiligten leben öfter als Single oder als Geschiedene

In den westlichen Ländern wird weniger oft geheiratet, während die Scheidungen steigen und mehr Menschen als Singles leben. Das ist seltsam, denn nach Studien scheint relativ klar zu sein, dass Verheiratete "glücklicher" und mit ihrem Leben zufriedener sind, vor allem während stressigen Zeiten.

Eine vom National Bureau of Economic Research veröffentlichte Studie von US-Ökonomen wollte auch der Frage nachgehen, ob möglicherweise Menschen, die zufriedener sind, eher verheiratet sind oder bleiben als Singles. Dazu kommt eine Kluft in den sozialen Schichten, denn stabile Ehen gibt es häufiger bei den Menschen mit hoher Ausbildung und hohem Einkommen. Die leben bekanntlich auch länger und gesünder und sind womöglich auch deswegen zufriedener, weil ihre Ehen eher durchhalten als die der Menschen aus den unteren Schichten, die immer das schlechtere Los ziehen.

Nach einem Bericht von Pew Research wird ein Viertel der jungen Menschen bis 2030 niemals geheiratet haben, ein historischer Rekord (Über die Hälfte der US-Amerikaner sind Singles). Aber unter den Unverheirateten und Geschiedenen ist der Anteil derjenigen mit wenig Bildung und geringem Einkommen relativ hoch. Die Ökonomen verwendeten als Daten zwei britische Umfragen und die Gallup World Poll. Danach sind normalerweise verheiratete Menschen glücklicher, auch wenn man die Lebenszufriedenheit vor der Heirat berücksichtigt. In Südasien, Lateinamerika und in Afrika südlich der Sahara scheint dies aber nicht zuzutreffen, Gründe unbekannt.

Wer seinen Ehegatten als besten Freund betrachtet, ist besonders gut dran. Das trifft auch auf Beziehungen ohne Heirat zu. Frauen profitieren im Hinblick auf ihre Lebenszufriedenheit am meisten davon, mit ihrem besten Freund verheiratet zu sein, aber sie sehen ihren Gatten auch weniger oft als ihren besten Freund. Offenbar ist es die Stabilität der festen Freundschaft oder Verbundenheit die Lebenszufriedenheit fördert. Woher diese kommt, bleibt allerdings offen. Auf jeden Fall scheint Heirat oder eine feste Beziehung besonders gut in Situationen zu sein, in den Krisen anstehen, beispielsweise die Midlife-Crisis.

Im mittleren Alter seien die Vorteile einer festen Beziehung am deutlichsten, so die Autoren. Man sollte allerdings meinen, dass gegenseitige Hilfe im Alter auch ein Vorteil sein müsste. Das Pech haben vor allem diejenigen, die sowieso benachteiligt sind. Irgendwie scheint zuzutreffen, dass derjenige, der hat, auch mehr bekommt, während der Verlierer nur weiter verliert. (Florian Rötzer)