Festhalten am Wortlaut der Bibel

Ein Drittel der US-Amerikaner glaubt noch immer, dass die Bibel buchstäblich das Wort Gottes ist

Dass die USA ein tief religiöses Land sind, ist bekannt. Die überwiegende Mehrzahl der US-Amerikaner glaubt an Gott (Eine Weltmacht, nicht ganz von dieser Welt). Für eine Mehrheit beruht die Stärke des Landes darauf, eine religiöse Nation zu sein. Religion spielt eine Rolle in der Außen- und Umweltpolitik (Gott und die Klimaerwärmung), aus der Religion leitet sich auch ein Führungsanspruch der Vereinigten Staaten ab, den der gläubige US-Präsident Bush in seinen Reden immer wieder zur Geltung bringt. Gestritten wird selbst im Wahlkampf über die Evolutionstheorie (Ungeliebte Evolutionstheorie). So ging es bei der ersten Diskussion der republikanischen Präsidentschaftskandidaten am 3. Mai neben dem Irak-Einsatz, der Einwanderung oder der Abtreibung auch über die Position zur Evolutionstheorie. 3 der 10 Kandidaten lehnten sie ab.

Erstaunlich ist aber doch das Ausmaß der Religiosität, das nun wieder einmal eine Gallup-Analyse von drei Umfragen von Mai 2005, 2006 und 2007 an den Tag gebracht hat. Ein Drittel der befragten erwachsenen Amerikaner gibt danach an, dass alles, was in der Bibel steht, wortwörtlich verstanden werden müsse. Gallup schreibt offenbar verwundert, "nur" ein Drittel sei der Überzeugung, dass die Bibel Gottes Wort ist und wortwörtlich für bare Münze genommen werden muss. Man sollte eher verwundert sein, wenn im 21. Jahrhundert nur 19 Prozent der Meinung sind, dass die Inhalte der Bibel "alte Fabeln, Geschichten und Legenden" sind, "die von Menschen aufgeschrieben wurden". Schließlich sagen noch immer 47 Prozent, dass die Bibel von Gottes Wort inspiriert sei, halten sich also unentschieden in der Mitte.

Gallup hat diese Frage seit 1976 immer wieder gestellt. Aus der Zusammenfassung ergibt sich, dass der Fundamentalismus der Schriftgläubigen aber doch langsam abzunehmen scheint. Waren zwischen 1976-1984 durchschnittlich noch 38 Prozent der Überzeugung, die Bibel sei das buchstäbliche Wort Gottes, so sind es zwischen 1991-2007 durchschnittlich noch 31 Prozent. Das schient sich so in etwa stabil bis jetzt zu halten.

Am 28. Mai wird das für 27 Millionen US-Dollar errichtete Creation Museum in der Nähe von Cincinnati eröffnet. Damit soll christlich-fundamentalistisch die Bibel als wortwörtliche Lehre der Geschichte ausgestellt und die Evolutionstheorie kritisiert werden. Vorgeführt wird mit modernsten Mitteln der Illusion, gestaltet von Patrick Marsh, der früher bei den Universal Studios gearbeitet hat, die Überzeugung, dass die Erde erst einige Tausend Jahre alt ist und die Geschichte der Menschen mit Adam und Eva begonnen hat. Für vieles muss die biblische Flut herhalten. Die Dinosaurier leben daher im Creation Museum – Motto: "Prepare to Believe!" - zeitgleich mit den modernen Menschen

"Almost all natural history museums proclaim an evolutionary, humanistic worldview. For example, they will typically place dinosaurs on an evolutionary timeline millions of years before man. AiG’s museum will proclaim the authority and accuracy of the Bible from Genesis to Revelation, and will show that there is a Creator, and that this Creator is Jesus Christ (Colossians 1:15-20), who is our Savior."

Nicht überraschend, aber dennoch interessant als Bestätigung ist, dass mit zunehmender Bildung der Glaube abnimmt, dass aus der Heiligen Schrift Gott direkt zu den Menschen spricht. Bei den Menschen mit Universitätsabschluss glauben das aber immer noch erstaunliche 11 Prozent, hingegen sind 42 Prozent derjenigen dieser Meinung, die höchstens in der High School gewesen sind. Die Macht der Religion in den USA zeigt sich aber auch daran, dass 57 Prozent der Menschen mit Hochschulabschluss davon ausgehen, die Bibel sei zumindest durch das Wort Gottes inspiriert.

Besonders ausgeprägt ist die Wortgläubigkeit bei den Protestanten und anderen nichtkatholischen Christen. Die Katholiken neigen überwiegend eher zu der mittleren oder diplomatischen Position, die vieles offen, aber den Glauben an die Schrift weiter zulässt. Natürlich steigt Bibelgläubigkeit mit dem Besuch von Gottesdiensten, aber das zeigt auch, dass in den Kirchen offenbar der Glaube an das in der gesamten Bibel genau wiedergegebene Wort Gottes verstärkt und Aufklärung eher klein gehalten wird. Entsprechend der Religiosität hält man im Süden der USA stärker an der Bibel fest als im Osten oder Westen der USA. Zwar sind mit 35 Prozent die älteren Menschen über 65 Jahre stärker der wortwörtlichen Auslegung der Bibel zugeneigt als die jüngeren, aber bei den 18-29-Jährigen sind es auch noch 29 Prozent, so dass auch die jungen Amerikaner fast im Durchschnitt liegen.

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