Fettleber bei Kindern

Foto: Jarcher20/CC BY-SA 3.0

Die sogenannte nicht-alkoholische Fettleber soll häufigste Ursache für chronische Lebererkrankungen bei Kindern sein

Irgendwas läuft da falsch. Im Kreis von Grundschuleltern gab es neulich aufgeheizte Telefonkonferenzen, weil in einer Gruppe von Mädchen im zarten Alter von neun Jahren, die Aussage "Sie hat zu dicke Beine" wie ein giftiger Pfeil herumgetragen wurde, hinter dem Rücken des Mädchens, dem der Satz galt.

Das Mädchen war mit der Welt fertig, als es davon erfuhr. Die Eltern brauchten Stunden, um zu beruhigen. Der Vater eines Jungen erzählte mir, dass sein Sohn, 13 Jahre alt, sich nicht mehr ins Schwimmbad traue, weil er zu dick sei. Generell versuche er, den Sportunterricht zu meiden, soweit ihm dies mit Aufbietung eines imposanten Vokabulars von Verletzungen, die er bei Dr. Google findet, möglich ist.

Wo auf der einen Seite Paranoia geschürt wird und Kinder andere schon als "fett" bezeichnen, nur wenn sie nicht mager sind, gibt es auf der anderen Seite ein echtes Problem mit Übergewicht und Fettleibigkeit.

Täglich kommt eine neue Studie über übergewichtige oder fettleibige Kinder, so der Eindruck. Gestern wurde dem europäischen Parlament zu Gehör gebracht, dass Europa der Kontinent mit anteilsmäßig den meisten übergewichtigen Kindern sei.

Jedes dritte Kind in Europa im Alter zwischen sechs und neun Jahren ist entweder übergewichtig oder fettleibig, lautet das Ergebnis einer Studie, die von der Organisation United European Gastroenterology (UEG) in Auftrag gegeben wurde. Die Studie stellt in Aussicht, dass die Zahl der übergewichtigen Unter-5-jährigen von derzeit weltweit geschätzt 41 Millionen 2025 auf 70 Millionen angestiegen sein wird.

Wie der Name der Organisation schon andeutet, hat die Studie einen speziellen Schwerpunkt, nämlich Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und damit verbundener Organe. So erfährt man, dass die Fettleber, die nicht durch Alkohol entsteht, sondern wie der Volksmund sagt, aus Wohlstand verfettet, die häufigste Ursache für chronische Lebererkrankungen bei Kindern und jungen Erwachsenen in westlichen Nationen ist.

Weiter heißt es, dass 20 bis 30 Prozent aller chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sich bereits in der Kindheit entwickeln. Die Warnung ist klar, sie gilt auch für das Übergewicht, was sich im jüngsten Alter festsetzt, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, sich auf Dauer einzurichten. Als Grund wird die schlechte Ernährung angeführt, zuviele Transfette, Zucker, Salz, zuwenig Obst und Gemüse, Vollkorn.

Begleitet wird die Studie, die ihre Aussagen aus der Auswertung von Daten aus 46 europäischen Ländern stützt, von Appellen, rechtzeitig für Präventivmaßnahmen zu sorgen, Therapie- und Vorsorge-Lücken zu decken, weil hier ernsthafte Folgen auf die Gesellschaft zukommen. Schon jetzt sollen die Behandlungskosten für Essstörungen rund ein Zehntel aller Gesundheitsausgaben in Europa ausmachen.

Die wirtschaftliche Last der Behandlung fettleibiger Erwachsener sei zu groß für die europäische Region, zitiert die Presse.com Herbert Tilg, ein UEG-Mitglied. (Thomas Pany)

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