Fifa-Funktionäre: Weil sie es (sich) wert sind

Grafik: TP

Gehälter sollen um 50 Prozent auf 450.000 Dollar im Jahr erhöht werden

Die Abgeordneten im rheinland-pfälzischen Landtag erhöhten sich zum Wochenende ihre Diäten bis 2020 um 17,5 Prozent (vgl. Diätenerhöhung im Aufmerksamkeitsschatten der Saarlandwahl). Ein paar Tage veröffentlichte die HKP Group eine Statistik, aus der hervorgeht, dass sich die Manager der 30 deutschen Dax-Konzerne im letzten Jahr um durchschnittlich fast 14 Prozent höhere Einkünfte genehmigen ließen (vgl. Deutsche Spitzenmanager verbuchen fast 14 Prozent Einkommenszuwachs).

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Im Vergleich zu den Spitzenfunktionären des Fußball-Weltverbandes Fifa wirken sie aber alle wie Amateure: Dessen Ratsmitglieder wollen sich Medienberichten nach nämlich gleich eine Gehaltssteigerung in Höhe von 50 Prozent genehmigen und zukünftig 450.000 statt 300.000 Dollar im Jahr kassieren.

Die Fifa möchte diese Zahlen aktuell weder bestätigen noch dementieren und verweist auf anstehende Sitzungen, in denen "Angelegenheiten zur Entschädigung" debattiert und "Vorschläge" der Vergütungskommission durch den Fifa-Rat (also den, dessen Mitglieder von der Gehaltssteigerung profitieren) "ratifiziert" werden sollen.

Da stellt sich freilich die Frage? Wie kommt man auf so eine Steigerung? Womit rechtfertigt man sie? Damit, dass immer weniger Sponsoren mit den von der Fifa veranstalteten Spektakeln werben wollen? Damit, dass der Verband Verluste in dreistelliger Millionenhöhe erwirtschaftet, die nicht sinken, sondern steigen? Damit, dass die Gehälter 2014 bereits von 200.000 auf 300.000 Dollar angehoben wurden? Damit, dass man das Gremium von 25 auf 35 Ratsmitglieder ausbaute? Damit, dass sich Fifa-Präsident Gianni Infantino vor einem halben Jahr das Gehaltspaket mit der Möglichkeit millionenschwerer Boni und der Übernahme seiner Zürcher "Unterkunftskosten" aufbessern ließ? Oder damit, dass sich der Verband neben ihm noch eine 1,3 Millionen Franken teure senegalesische Generalsekretärin mit unklaren Kompetenzen leistet?

Im Regelfall werden solche Forderungen heute mit der Behauptung begründet, ein Gremium, eine Person oder eine Lizenz sei das "wert". Harald Schmidt sah sich die Erklärung in einer auch heute noch sehr sehenswerten Folge seiner Show genauer an, als der Privatsender Sat1 (bei dem er damals tätig war) festgestellt hatte, dass sich angesichts der geforderten Gebühren für Nutzungsrechte mit der Fußball-Bundesliga eher kein Gewinn erwirtschaften lässt. Daraufhin forderten deutsche Fußballfunktionäre, nun müssten die Rundfunkgebührensender "120 bis 150 Millionen Euro" dafür hinlegen, weil die Liga das "wert" sei.

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