Finnland: Sexpuppen-Bordell und Demographieprobleme

Bild: Unique Dolls

Da in Finnland Prostitution verboten ist, wurde damit erstmals ein Bordell eröffnet

Auch in Finnland gibt es nun ein Sexpuppenbordell. Der gesellschaftliche Zustand des Landes weist eher daraufhin, dass dies eine Einrichtung für Verzweifelte darstellt und kein Ausdruck einer besonderen Freizügigkeit darstellt.

Hinter dem Supermarkt-Flachbau im ruhigen Norden Helsinkis gab es am Donnerstag einen kleinen Rummel - hier wurde mit "Unique Dolls" Finnlands erstes Sexpuppen-Etablisment eröffnet.

Bewusst in einem ruhigen Wohnviertel angesiedelt, sei die Adresse für "zurückhaltende Männer, die zu Hause keinen Sex haben", sagt Antti Kurhinen gegenüber den Medien. Der Mann mit dem Waschbrettbauch, bekannt durch das finnische Big Brother und Dom2 in Russland, fungiert als Aushängeschild. Wahrer Eigentümer ist ein russischer Bauunternehmer, der anonym bleiben will. Die Puppen sind jeweils in einem eigenen Zimmer, das angeblich komplett gereinigt würde, die Gäste haben Kondompflicht. Jennifer, Candy, Crystal und Nicky, so heißen die Damen aus Silikon, seien im "Unique Dolls" jedenfalls über Tage ausgebucht.

Bordelle mit Puppen gibt es weltweit seit über einem Jahr, seit das erste in Barcelona öffnete, Etablissements in Nordamerika, Deutschland, Österreich, Italien und weiteren Ländern folgten. Das Besondere an Finnland jedoch ist, dass hier die öffentliche wie organisierte Prostitution verboten ist, somit erstmals ein Bordell eröffnet werden konnte.

Darum versucht auch Kurhinen, den sozialen Aspekt des Bordells hervorzuheben. Es könne dadurch "Menschhandel und Prostitution" unterbunden werden. Diese hehren Motive mag man glauben oder nicht, der vorsichtige Ton ist jedoch dem schwierigen Geschlechterverhältnis in dem skandinavischen Land geschuldet.

Weit mehr Schlagzeilen als ein Zukunftsmodell des Beischlafs machten am Freitag die demographischen Daten und somit die Zukunft des Landes. Wurden noch im Jahr 2010 60.980 Kinder geboren, waren es im letzten Jahr nur 50.321, derzeit liegt die Geburtenrate bei 1,49 Kinder pro Frau .

Mittlerweile wächst zudem jedes achte Kind in armen Verhältnissen auf. Von den 2,5 Millionen Haushalten sind 1,1 Millionen Single-Haushalte, nur 600.000 sind Haushalte mit drei Personen und mehr. Der Rückgang der Geburten geht einher mit einer rasant gestiegenen Verschuldung der Haushalte. Familiengründung gilt somit als Risiko in Finnland, von 100 Ehen werden in Finnland 55 geschieden. Derzeit diskutieren Politiker über Lösungen für eine Gehaltserhöhung für Kindergärtner- und Erzieherinnen, die bei 2300 Euro brutto liegt.

Gleichzeitig sieht sich das Land als Vorreiter eines progressiven Frauenbildes. Eine Initiative von Linken und Grünen hat letzte Woche genug Stimmen zusammen bekommen, um einen Gesetzesvorschlag im Parlament diskutieren zu lassen. Geschlechtsverkehr soll als Vergewaltigung definiert werden, wenn er im Vorfeld nicht definitiv genehmigt wurde. Nach schwedischem Vorbild. Der Aufschrei von Feministinnen über das Sexpuppen-Etablissement im Norden Finnlands blieb aus. (Jens Mattern)

Anzeige