Flamanville-Atomreaktor wird auch bis 2024 nicht ans Netz gehen

Flamanville. Bild: EDF

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde die Inbetriebnahme der neuen Reaktorgeneration erneut verschoben, der eigentlich seit 8 Jahren Strom liefern sollte

Es war nicht anders zu erwarten, doch nun ist klar, dass der sogenannte "Europäische Druckwasserreaktor" (EPR) im französischen Flamanville wegen ständig neuer Probleme nicht einmal zeitnah zur Schließung der Uraltmeiler in Fessenheim am Oberrhein ans Netz gehen wird. Schon im vergangenen Jahr war die Inbetriebnahme auf 2022 verschoben worden, weil wieder einmal Schweißnähte in der Stahlhülle des EPR in der Normandie gefunden wurden, die undicht waren und neu geschweißt werden sollen. Das ist offenbar noch komplizierter, als ohnehin erwartet.

In der letzten Woche hat sich heimlich, still und leise Premierminister Edouard Philippe und seine Umweltministerin Elisabeth Borne zu einem Dekret durchgerungen, das in der Satirezeitung Canard Enchaîné Beachtung fand, die in der Atomfrage immer wieder den Finger in die strahlende Wunde legt. "Sieben, Dreizehn und Siebzehn" ist der Titel, der darauf abstellt, dass die beiden Mitglieder der Regierung ein Dekret unterzeichnet haben, in dem aus dem "Dekret vom 10. April 2007" nur das "Wort Dreizehn durch Siebzehn ersetzt" wurde.

Eigentlich ist das bisherige Dekret ohnehin schon abgelaufen, als es nun leise ohne jede öffentliche Beteiligung und Debatte verlängert wurde, denn bis April dieses Jahres hätte der Meiler mit Brennstäben beladen werden müssen. Die Umweltverbände sprechen von einem administrativen Trick und einem Betrug. Man tue so, als sei es einzig um die Änderung eines Datums gegangen und man stünde ansonsten im Einklang mit dem, was im ursprünglichen Dekret vorgesehen war, erklärt das Netzwerk für den Ausstieg aus der Atomenergie. Die nötige Umweltverträglichkeitsprüfung habe es nicht gegeben, kritisieren die Atomkraftgegner gemeinsam mit Greenpeace und France Nature Environnement. Sie sprechen mit Blick auf die EU-Normen von einem "klar illegalen" Vorgehen, gegen das Klage eingereicht wurde.

Eigentlich ist zu dem Schrottmeiler in Flamanville längst alles gesagt, bei dem sogar ein Reaktorbehälter verbaut ist, dessen Deckel nach einigen Jahren überprüft werden muss, da er Materialschwächen aufweist. Wie das geschehen soll, weiß ohnehin niemand. Vom Boden des Reaktorbehälters, der ähnliche Probleme aufweist, spricht niemand, da eine Prüfung völlig illusorisch ist. Allein deshalb sollte man das Projekt endlich definitiv beenden, wie es auch die Atomkraftgegner fordern. (Ralf Streck)