Fliegen sind Transportmittel für zahlreiche und auch gefährliche Bakterienarten

Schmeißfliege (Chrysomya megacephala. Bild: Muhammad Mahdi Karim/GFDL 1.2

Eine Mikrobiom-Genanalyse offenbart, dass Haus- und Schmeißfliegen vor allem mit ihren Beinen und Flügeln massenhaft Bakterien verbreiten

Die schon gefährlich schimmernden Schmeißfliegen findet wohl jeder eklig, zumal wenn sie auf dem Essen landen. Man ahnt vage, was sie mit sich schleppen könnten, weil sie überall zugange sind, wo es Kot oder überhaupt sich zersetzende pflanzliche oder tierische Teile gibt. Aber auch normale Stubenfliegen nehmen bei ihren Wanderungen auf Oberflächen zahlreiche Mikroorganismen mit, darunter viele Pathogene für Menschen, die sie mit ihren Beinen dann weiter u.a. auf Lebensmitteln verteilen.

Dass Fliegen Pathogene und Infektionskrankheiten verbreiten, ist nichts Neues. Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte man bei Reisen nach Südeuropa in Metzgereien oder Märkten sehen, wo das Fleisch auch im Freien ausgestellt war, wie Schwärme von Fliegen hinwegkrabbelten und ihre winzigen Gäste wohl in Massen hinterließen. Aber auch in Häusern auf dem Land waren im Sommer haufenweise Fliegen unterwegs. Mit dem Insektenaussterben hat sich auch das wahrscheinlich verändert und verschwinden diese, die schon seit langem aus den meisten Häusern im Zuge der Hygenisierung vertrieben wurden, nun auch in der Umwelt, die Fliegen inklusive.

Wenn Plagen verschwinden, die auch noch gefährliche Krankheiten übertragen können, wird niemand traurig sein. Jetzt erst wird wirklich klar, was Fliegen an ihren extrem "schmutzigen" Körpern alles mit sich herumschleppen. Wissenschaftler des Eberly College of Science an der Pennsylvania State University haben nun das Mikrobiom von 53 Hausfliegen (Musca domestica) und 63 Schmeißfliegen (Chrysomya megacephala) aus drei Kontinenten (Brasilien, USA, Singapur) untersucht. Sie bezeichnen in ihrer Studie, die in den Scientific Reports von Nature erschienen ist, Fliegen als "mechanische Vektoren, die synanthropische Umwelten auf der ganzen Welt bewohnen und in Kot und zerfallender organischer Materie leben und sich fortpflanzen". Es sei aber bislang unbekannt, für welche Mikroorganismen sie Wirte sind, die als Verbreitungsvehikel dienen.

Die Wissenschaftler haben das ganze Mikrobiom der Fliegen mit Shotgun Sequencing analysiert und sind dabei auf hunderte verschiedene Arten von Mikroorganismen, viele gefährlich für Menschen, gestoßen, die sie auf den Oberflächen zurücklassen, auf denen sie landen. Meist sind es Bakterien, vor allem von den Stämmen der Proteobakterien, Bacteroidetes und Firmicutes, bei Hausfliegen aber auch Viren. Die größte Mikrobiom-Dichte findet sich auf den Füßen und den Flügeln. Die Mikroorganismen-Gemeinschaften unterscheiden sich zwar bei Haus- und Schmeißfliegen, aber die Hälfte des Mikrobioms ist dasselbe, was darauf zurückgehen wird, dass sie in ähnlichen Umgebungen leben.

Haus- oder Stubenfliege (Musca domestica). Huisvlieg_-_Housefly_-_Musca_domestica.jpg:Bild: Look Sharp!/CC BY-SA-3.0

Bei jedem Schritt, den die Fliegen machen, hinterlassen sie eine Kolonie an Mikroorganismen, wenn die neue Oberfläche deren Wachstum ermöglicht. Das haben die Wissenschaftler mit Schmeißfliegen gezeigt, die zunächst in Petrischalen über E.coli-Kolonien spazierten und die die Wissenschaftler dann in Petrischalen mit sterilem Agar laufen ließen. Bei jedem Schritt entstanden hier schließlich wieder E.coli-Kolonien, wodurch deutlich wurde, dass Fliegen Bakterien von einem Ort zum anderen an ihren Beinen übertragen können.

Auf Schmeißfliegen aus Brasilien fanden sich viele Bakterien des Typs Helicobacter pylori. Sie besiedeln den menschlichen Magen und können dort zu Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren führen. Es ist nicht klar, ob Schmeißfliegen für die Infektionen auch mit verantwortlich sind, Gefunden wurde DNA von Helicobacter pylori auch bei Hausfliegen. Interessanterweise sind die Fliegen dichter mit verschiedenen Bakterien in den Städten bepackt als in Ställen. Offene Abwässer oder Toiletten könnten der Grund für die Verbreitung von Helicobacter pylori sein.

Wenn Fliegen mehr Pathogene mit sich transportieren, wo viele Menschen leben, dann könnten Fliegen auch eine Ursache für eine schnelle Übertragung bei einem Ausbruch einer Infektionskrankheit sein, vermuten die Wissenschaftler. So rät der Biochemiker und Mitautor der Studie Donald Bryant, es sei vielleicht besser, einen mitgebrachten Kartoffelsalat bei einem Picknick in einem Wald, fern von einer Stadt, als in einem Stadtpark zu essen. (Florian Rötzer)

Anzeige