Flix in die USA

Foto: Flixbus

Mit einem Marktanteil von 94 Prozent in Deutschland macht sich Flixbus auf den Weg in die USA

Das Münchener Fernbusunternehmen Flixbus Mobility hat dieser Tage verkündet, künftig auch in den USA tätig zu werden. In Deutschland hat man inzwischen die Konkurrenz entweder übernommen, wie MeinFernBus, Postbus, Hellö, das Fernbusangebot der Österreichischen Bahn ÖBB und das kontinentale Geschäft des britischen Anbieters Megabus oder vom Markt verdrängt wie Berlin Linien Bus.

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Die Deutsche Bahn hatte sich 2016 aus dem Fernbus-Markt weitgehend verabschiedet und betreibt heute nur noch einzelne Strecken unter der Marke IC Bus. Die frühere Deutsche Bahn-Tochter Deutsche Touring musste im Frühjahr 2017 Insolvenz anmelden und wurde inzwischen vom bisherigen Kooperationspartner CroatiaBus/Globtour übernommen. Im Personentransport auf der Fernstrecke hat Flixbus in Deutschland nur noch die Deutsche Bahn als - wenn auch deutlich größeren -Konkurrenten. Im kommenden Jahr will man 140 weitere Haltepunkte anbieten.

In Europa ist Flixbus inzwischen in 26 Ländern vertreten, wobei in der Schweiz und in Frankreich bislang nur grenzüberschreitender Verkehr angeboten werden darf. Frankreich hat diese Vorschrift im Jahre 2015 gelockert. Ob das zur staatlichen Bahngesellschaft SNCF zählende Busunternehmen Ouibus mit seinen etwa 1.000 zumeist innerfranzösischen Verbindungen auf längere Sicht gegen das Angebot von Flixbus, die in Frankreich einen Marktanteil von 40 Prozent haben, bestehen kann, muss abgewartet werden.

Flixbus betreibt nach eigenen Aussagen inzwischen Europas größtes Fernbusnetz mit täglich 200.000 Verbindungen zu 1.200 Zielen. Im Sommer 2017 hat man mit der Vermarktung der Locomore-Zug-Verbindung zwischen Stuttgart und Berlin und der aus diesem Anlass erfolgten Gründung der Flixtrain GmbH am Sitz der Holding Flixmobility in München einen ersten, schon länger erwarteten Schritt auf die Schiene unternommen.

Nachdem Flixbus in Europa innerhalb von nur vier Jahren zum Marktführer geworden ist und man in Deutschland im Fernbusverkehr inzwischen ein weitgehendes Monopol besitzt, sind die Wachstumsmöglichkeiten inzwischen überschaubar. Und somit wundert es wenig, dass man in den USA Fuß fassen will. Mit dem Schritt in Richtung Silicon Valley soll jetzt das Flixbus-Modell mit einer zentralen Steuerung und dem Linienbetrieb durch regionale Busunternehmen über den Atlantik transferiert werden.

FlixBus-Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein lässt sich mit den Worten zitieren: "Auf dem amerikanischen Mobilitätsmarkt findet derzeit ein signifikanter Wandel statt - öffentliche Verkehrsmittel und nachhaltiges Reisen gewinnen zunehmend an Bedeutung." Zu den bisherigen Unternehmensstandorten in München, Berlin, Paris, Mailand, Zagreb, Amsterdam, Stockholm, Aarhus, Prag und Budapest soll nun in Los Angeles ein amerikanischer Standort entwickelt werden.

Der bislang größte Fernbusanbieter in den USA ist das 1914 gegründete Unternehmen Greyhound Lines, Inc. mit Hauptsitz in Dallas. Das Unternehmen gehört heute zum britischen Transportkonzern FirstGroup plc. Greyhound verbindet 3.800 Ziele in Nordamerika und befördert in den USA und Kanada zwischen 16 und knapp 18 Millionen Passagiere pro Jahr.

Anders als Flixbus fährt Greyhound mit 1.600 eigenen eigenen Bussen und arbeitet lediglich regional mit kleineren Unternehmen zusammen, welche die Feinverteilung übernehmen. Auch bei den Beschäftigtenzahlen unterscheidet sich Greyhound mit 6.500 Mitarbeitern deutlich von Flixbus mit derzeit etwa 900 Beschäftigten. Neben dem traditionellen Fernlinienbus ist in den USA inzwischen auch die direkte Städteverbindung Greyhound Express aktiv, welche 1.000 Direktverbindungen in 135 nordamerikanischen Regionen anbietet sowie die Tochter BoltBus im Nordosten, Nordwesten sowie Kalifornien.

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Ein weiterer Fernlinienbusanbieter in Nordamerika ist der zur britischen Stagecoach-Gruppe zählende Anbieter Megabus. Dazu kommen noch die ebenfalls zu Stagecoach gehörenden Busbetriebe Coach USA und Coach Canada. Beide Fernbusbetreiber haben aufgrund der auf eigenes Risiko und mit eigenem Personal betriebenen Busse deutlich höhere Fixkosten als es mit den bei Flixbus üblichen Subunternehmern möglich ist.

Mit der Übernahme von MeinFernBus im Jahre 2015 ist der US-Investor General Atlantic LLC über die niederländische European Bus Holding B.V. mit 36 Prozent als einer der größten Anteilseigner bei Flixbus eingestiegen. Die gleiche Private-Equity-Gesellschaft ist auch an den durchaus umstrittenen Unternehmen Uber und Airbnb beteiligt. Seit Ende 2016 ist auch Silver Lake Partners an Flixbus beteiligt.

Das im kalifornischen Menlo Park angesiedelte Unternehmen gilt als größter Technologie-Investor und hält unter anderem Beteiligungen an Seagate, einem der letzten verbliebenen Festplattenhersteller, dem Telekommunikationstechnikanbieter Avaya Inc., der chinesischen Alibaba Group, Broadcom Limited in Singapur und dem amerikanischen Computer-Konzern Dell Technologies. (Christoph Jehle)

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