Flüchtlingslager Jungle in Calais: Die Auseinandersetzung, die kommt

"Künstlerviertel" im Jungle. Foto: Bernard Schmid

Morgen startet die Evakuierung. Mindestens 6.500 Bewohner sollen binnen einer Woche innerhalb Frankreichs umgesiedelt werden. Aktivisten kündigen Widerstand an

Das Problem (Calais: Mauerbau und Abriss des Migrantencamps) ist nicht neu. Schon vor vierzehn Jahren war das Flüchtlingslager Sangatte bei Calais ein "Symbol für die Schwierigkeiten Frankreichs und der EU im Umgang mit den illegalen Einwanderern", so Martin Schulz im Dezember 2002 gegenüber dem Deutschlandfunk. Seinerzeit war er für Flüchtlingsfragen zuständiger Europaabgeordneter. Das Problem ist geblieben ("Hast Du Dich gesehen, Du Affe?" - Rumble in the Jungle in Calais).

Das Lager wurde 2002 von Innenminister Sarkozy geschlossen und geräumt und später an anderer Stelle in den Wäldern wieder neu aufgebaut. Die ersten Flüchtlinge waren durch den Kosovo-Krieg im Jahr 1998 und 1999 gekommen. 200 zählte man in diesen Jahren. Seither wuchs die Zahl beträchtlich, der erste "Jungle" wurde 2009 durch den damaligen "Minister für die nationale Identität" Eric Besson aufgelöst.

Es wurden wieder neue Jungles gebaut, 2014 gab es mehrere Auflösungs-Aktionen, von Auseinandersetzungen begleitet. Die Geschichte steckt voller Frust und Gewalt.

Am kommenden Montag wird um acht Uhr morgens der nächste Versuch der Räumung gestartet. Gestern gab es bereits Krawalle. Für morgen sind die nächsten Auseinandersetzungen angekündigt. "Natürlich wird es zu Gewalttätigkeiten kommen", zitiert Europe1 einen Aktivisten der Gruppe "No border français". Er macht die Polizei dafür verantwortlich. Da die CRS nicht gerade berühmt sind für ein Vorgehen mit Samthandschuhe, trifft seine Aussage einen Teil der Wirklichkeit. Die Polizei sieht die Sache anders.

Dass die No Border-Gruppierungen, die Migranten zum Widerstand auffordern und dabei zur Gewalt anstiften, ist schon lange eins der vielen Streitthemen. Für morgen ist auch mit Widerständen aus den Kreisen Zadisten (die Bezeichnung komt von ZAD - "Zone à défendre", "Zone, die es zu verteidigen gilt") zu rechnen, heißt es in dem Europe1-Bericht. Der Präsident der Hilfsorganisation Auberge des migrants fürchtet, dass manche aus Lust am Krawall mit der Polizei kommen, wie bei einem Fußballspiel..

Wie viele Flüchtlinge sich genau im Jungle aufhalten, ist nicht ganz klar. Offiziell spricht man von 6.400; Hilfsorganisationen schätzen die Zahl allerdings auf bis zu 10.000. Nach Vorstellungen des Innenministeriums sollen die Migranten in einer Woche via Busse über das ganze Land verteilt werden, so lautet der Evakuierungs-Plan. 7.500 Plätze sollen insgesamt in Aufnahmeeinrichtungen in Frankreich zur Verfügung stehen.

Problematisch ist allerdings, worauf Berichte über den Jungle seit Monaten verweisen, ist allerdings, dass die meisten Flüchtlinge, die meist aus Afghanistan kommen, aus Syrien, aus Erithrea, aus Somalia und anderen afrikanischen Ländern, gar nicht in Frankreich bleiben wollen, sondern nach Großbritannien gelangen wollen. Dort haben viele Familienangehörige, Freunde oder Bekannte, wie immer wieder vorgebracht wird.

Zwischen den französischen und den britischen Politik- oder Behördenvertretern ist die Situation nicht gerade entspannt. Das zeigte sich, wie der Guardian berichtet beim Umgang mit den Minderjährigen. Ungefähr 1.300 Personen unter den Jungle-Bewohnern sollen unter 18-Jahre alt sein, darunter nicht wenige Kinder. Sie sollten anders behandelt werden als die Erwachsenen und vor allem sollte sich Großbritannien dazu bereit erklären, einige von ihnen aufzunehmen.

Allerdings, so kritisieren nun Hilfsorganisationen und manche Politiker in Großbritannien, hätten sich die Regierung und die Behörden nicht sonderlich interessiert gezeigt. Man habe gerade mal 60 Kinder in der letzten Woche von Frankreich nach Großbritannien gebracht. 600 sollen noch im Jungle sein. (Thomas Pany)

Anzeige