Flughafen Gatwick: War da überhaupt eine Drohne?

Bild: mark6mauno/CC BY-2.0

Verantwortliche wurden noch keine gefunden, wenn auch eine kaputte Drohne, ein Ex-Minister nannte trotzdem als Möglichkeit auch die Russen

Am Freitag hatte die britische Polizei ein Paar festgenommen. Verdächtigt wurde es, verantwortlich für die Drohnenflüge über dem Rollfeld des Londoner Flughafens Gatwick zu sein. Am Tag zuvor waren deswegen alle Flüge abgesagt worden, im Vorweihnachtsverkehr brach Chaos aus, erst ab Samstag ging der Flughafen wieder in den normalen Betrieb über, insgesamt waren 1000 Flüge ausgefallen und 140.000 Passagiere betroffen. Der Beweis wurde erbracht, dass mit kleinen Drohnen großtechnische Anlagen lahmgelegt werden können. Selbst das Militär war gegen die asymmetrische Bedrohung machtlos.

Gestern wurde das Paar wieder freigelassen. Der Mann hatte ein überzeugendes Alibi, seine Frau hat mit Drohnen nichts zu tun. Allerdings hatten auch die Drohnenflüge aufgehört. Gefunden worden war eine abgestürzte Drohne am Flughafen, bislang wurde nicht bekannt, ob sie etwas mit den Vorfällen zu tun hat.

Die Rede war davon, dass es sich nicht um handelsübliche Drohnen gehandelt habe, zumindest war bei ihnen nicht die übliche Geofencing-Flugsperre eingebaut oder sie war ausgeschaltet worden. Ausgeschlossen wurde von vorneherein ein terroristischer Akt. Vermutungen wurden geäußert, dass dahinter Umwelt- oder Klimaschützer oder einzelne Menschen stecken könnten, die gegen den Flughafen und den von diesem ausgehenden Lärm protestieren könnten. Greenpeace, die gegen die Luftverschmutzung durch den Flugverkehr kämpft, oder die Communities Against Gatwick Noise and Emissions, die gegen die Erweiterung des Flughafens sind, haben sich von den Drohnenflügen distanziert. Es könnte aber auch ein Einzelner gewesen sein, der einfach mal die Möglichkeiten austesten wollte, um seine Macht zu spüren.

Die Daily Mail spielt einige Hypothesen durch. Natürlich wird da auch gleich mal vermutet, dass Russland dahinter stecken könnte. Großbritannien hat da mittlerweile einige Erfahrungen. Die Zeitung schreibt, Russland habe schließlich "in den letzten Jahren eine große Kampagne der Cybersabotage, der Einmischung in Wahlen und der Anschläge, zuletzt den versuchten Mord an den Ex-Spion Sergei Skripal in Salisbury ausgeführt". Und dann sei im Oktober noch ein Bericht über die weltweiten Hackversuche bekannt geworden. Sir Gerald Howarth, Ex-Sicherheitsminister unter David Cameron von 2010-2012, wird zitiert. Er hatte am 21. Dezember auf die Frage, ob ein Staat oder eine Terrorgruppe dahinterstecken könnte, gesagt: "Natürlich hat Russland die schrecklichste Aktivität in Salisbury ausgeführt, aber dabei war keine moderne Technik beteiligt. Aber ja, ich fürchte, ich muss sagen, es gibt ein Risiko dafür. Wenn es nicht von einem Staat ausgeht, dann sicher von einer Terrorgruppe."

Noch scheint nicht einmal gesichert zu sein, ob es überhaupt Drohnen gegeben hat. Es habe zwar 67 Berichte über Drohnenflüge zwischen dem 19. Und 21. Dezember gegeben, aber Detective Chief Superintendent Jason Tingley sagte der BBC gestern, es gebe "immer die Möglichkeit", dass diese nicht zutreffen. Dokumentiert scheint nichts zu sein, Drohnenabwehrsysteme könnten nicht vorhanden gewesen sein, die Frage ist auch, ob sie das gesamte Gebiet abdecken können. Es sei eine "Arbeitshypothese" dass die gefundene kaputte Drohne mit dem Vorfall verbunden gewesen sein könne (Florian Rötzer)

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